28.08.2009

Knut Reinhardt über den Lehrerberuf

»Viele haben mich belächelt«

Knut Reinhardt gewann mit dem BVB die Champions League. 2000 zog er sich aus dem Geschäft zurück und begann ein Lehramtsstudium. Nun unterrichtet er an der Grundschule Kleine Kielstraße in Dortmund. Wir sprachen mit ihm.

Interview: Lucas Vogelsang Bild: Imago
Knut Reinhardt, Sie arbeiten seit Februar als Grundschullehrer in Dortmund. Warum sind Sie nicht den Weg vieler Ex-Profis gegangen und einfach Trainer geworden?

Nach meinem Karriereende stand ich vor der Entscheidung, ob ich jetzt einfach irgendwas mache oder etwas, wo ich selbst voll dahinter stehe. Und ich wollte eben schon immer unbedingt mit jungen Menschen arbeiten. Nicht nur auf dem Platz. Deshalb habe ich dann angefangen, Lehramt zu studieren.

 

Man hört in letzter Zeit ja immer wieder Horromeldungen aus deutschen Schulen. Überforderte Leherer, zu große Klassen, Burnout-Syndrom. Wäre es da nicht doch der einfachere Weg gewesen, in der Bundesliga zu bleiben?

Vielleicht. Ich habe es ja auch kurzzeitig versucht, habe sogar mal meine A-Lizenz gemacht. Aber das ist eben nicht meine Welt. Gerade als Trainer im Profibereich, in einem Geschäft das so schnellebig geworden ist. Da lebst du dann wieder nur aus dem Koffer, stehst ständig unter Strom. Das wollte ich nicht.   

Also keine schwere Entscheidung.

Nein. Ich habe einfach gemerkt, dass ich etwas komplett anderes machen will. Auch, weil mir die damaligen Tendenzen im Profifußball, die zunehmende Kommerzialisierung nicht gefallen haben Der Sport hat sich gerade am Ende der 90er Jahre massiv verändert.   

Was genau meinen Sie?
Die Spieler haben sich in dieser Zeit immer mehr von den Fans entfernt. Da ist eine Distanz entstanden, die es noch nicht gab, als ich angefangen habe. Damals war das normal, dass der Vater mit seinem Sohn nach dem Spiel oder dem Training zu uns kam und wir haben eben noch die Zeit genommen und Autogramme geschrieben.   

Sie haben mehr als sieben Jahre studiert, waren dann zwei Jahre Referendar. Waren Sie in all der Zeit immer überzeugt, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben?
 
Natürlich gab es Momente, in denen ich gezweifelt habe. Da steckt man sich ein Ziel, das sieben Jahre weg ist und weiß gar nicht, ob das alles so klappt, wie man sich das vorstellt. Am Anfang haben mich ja auch noch viele Leute belächelt. Das war nicht einfach.  

Die Zweifel und der anfängliche Spott waren aber nicht die einzigen Herausforderungen, vor denen Sie während des Studiums gestanden haben.
Ich musste mich natürlich auch komplett umstellen, erst wieder lernen zu lernen. Außerdem habe ich Familie, vier Kinder, da war es oft schwer, beides unter einen Hut zu bringen. Es war auch nicht so, dass ich da einen Star- oder Profibonus hatte. Im Gegenteil. An der Uni wurde mir nichts geschenkt, da haben die Dozenten eher noch genauer hingeschaut. Da ist es gar nicht so gut gewesen, “berühmt” zu sein.  

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