22.05.2013

Knut Reinhardt über den Champions-League-Triumph 1997

»Ich saß im Anzug auf der Tribüne«

Es sollte das größte Spiel seines Lebens werden, doch statt für seine Mannschaft im Champions-League-Finale 1997 auf dem Rasen zu stehen, hockte Knut Reinhardt nur auf der Tribüne. Hier erinnert er sich an eine schlimme Nachricht von Ottmar Hitzfeld und eine Grätsche von Paul Gascoigne.

Interview: Alex Raack Bild: Imago

Knut Reinhardt, wir wollten eigentlich mit Ihnen über Final-Erfahrungen sprechen.
Aber?

Bei Dortmunds Champions-League-Sieg 1997 standen Sie ja gar nicht auf dem Platz!
Ich saß noch nicht mal auf der Bank.

Warum nicht?
Sie legen Ihren Finger in eine ganz alte Wunde, die aber inzwischen glücklicherweise vernarbt ist. In jener Saison stand ich regelmäßig für den BVB in der Champions League auf dem Platz, aber für das Finale durfte unser Trainer nur 16 Spieler nominieren. Wir flogen trotzdem mit der kompletten Mannschaft zum Finalort München, und bis wenige Stunden vor dem Anpfiff machte ich mir Hoffnungen, am Abend im Kader zu stehen. Bis Ottmar Hitzfeld Wolfgang Feiersinger und mich zu einem Gespräch bat.

Was wollte Hitzfeld von Ihnen?
Er sagte Wolfgang und mir, dass wir auf den Kaderplätzen 17 und 18 stehen, wir also nicht dabei sein würden. Hitzfeld hat das damals, glaube ich, richtig mitgenommen. Schließlich waren wir erfahrene Spieler und er wusste, was er an uns hatte.

Wie haben Sie auf diese Nachricht reagiert?
Ich war auf einmal ganz leer. Den ganzen Tag lang hatte ich unter Strom gestanden, jetzt fiel das alles von mir ab. Natürlich war ich wahnsinnig enttäuscht und traurig.

Haben Sie die Entscheidung des Trainers nachvollziehen können?
Erst Wochen später. Dass sie nicht ganz falsch sein konnte, hatte da ja schon der Titelgewinn bewiesen. Aber ich brauchte meine Zeit, um die Enttäuschung zu verdauen.

Das Finale von München gegen Juventus Turin wäre das Spiel Ihres Lebens gewesen.
Und stattdessen saß ich im Ausgehanzug im Mannschaftsbus und verabschiedete mich auf die Tribüne, während die Jungs die Taschen schulterten und in die Kabinen gingen. Das war wirklich kein schönes Gefühl.

Wie haben Sie die 90 Minuten erlebt?
Erst saßen Wolfgang Feiersinger und ich wie begossene Pudel in unseren Anzügen auf der Tribüne, aber als Lars am Ende das Ding ins Tor lupfte, lagen wir uns schreiend in den Armen. Kurz nach dem Schlusspfiff enterten wir die Kabinen – da saßen die Kollegen in Unterhosen und bespritzten sich mit Champagner. Wir waren Champions-League-Sieger – und zwar die ganze Mannschaft.

Hat man Ihnen denn wenigstens eine Medaille übrig gelassen?
Natürlich! Und den Pott habe ich selbstverständlich auch mal streicheln dürfen. Außerdem hatte die Vereinsführung beschlossen, jedem Spieler aus der Mannschaft die volle Siegprämie für den Titel auszuzahlen – ein feiner Zug.

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