22.04.2014

Klopp-Berater Marc Kosicke im Interview

»Die Frage nach einem Wechsel stellt sich nicht«

Marc Kosicke ist der Berater von Jürgen Klopp. Laut des Dortmunder Trainers verhandelte er ihn einst »in Grund und Boden«. Im Interview spricht Kosicke über das Image des Dortmunder Trainers und Gerüchte um einen Wechsel ins Ausland.

Interview: Roland Wiedemann Bild: Imago

Marc Kosicke, es gibt viele Spielerberater, Trainerberater sind da eher seltener. Wie kam es dazu, dass Sie sich gerade für dieses Klientel interessiert haben?
Ich habe vorher in der Sportartikelbranche gearbeitet und hatte dabei viel mit Spielern, deren Beratern, aber auch mit Trainern zu tun. Ich fand es spannender, Leute aus der Führungsebene zu beraten. Und ich habe auch einen Bedarf gesehen. Die Trainer von heute brauchen Unterstützung. Ihr Aufgabenfeld ist sehr umfangreich geworden. Ein Trainer muss inzwischen Managementfähigkeiten mitbringen. Er ist darüber hinaus sein eigener Pressesprecher und wie kein anderer im Klub für die Außendarstellung des Vereins verantwortlich.
 
Jürgen Klopp war einer Ihrer ersten Klienten.
Er war Markenbotschafter für das Sportartikelunternehmen, für das ich  arbeitete. In der Zeit hat sich eine Freundschaft entwickelt. Als ich dort kündigte, um mit Oliver Bierhoff eine eigene Agentur zu gründen, ist Jürgen auf mich zugekommen und meinte: »Du hast mich in Grund und Boden verhandelt, kannst du jetzt nicht deine Fähigkeiten zu meinen Gunsten einsetzen?«
 
Aus dem netten Herrn Klopp ist ein Journalistenschreck geworden. Sie wissen, was man Jürgen Klopp fragen darf und was nicht?
Ja, das weiß ich. Jürgen hat ein Problem damit, wenn er etwas gefragt wird, worauf er nur eine blöde Antwort geben kann. Wie beim Interview nach der Hinspielniederlage gegen Real Madrid. Soll er sagen, ja ich gebe auf? Wir telefonieren regelmäßig und sprechen über solche Situationen. Aber ich gebe ihm keine Ratschläge, wie er sich in der Öffentlichkeit oder Journalisten gegenüber am besten verhalten soll. Jürgen weiß selbst, wenn er übers Ziel hinausschießt. Und er ist sich dann auch nicht zu schade für eine Entschuldigung.
 
Giftige Antworten auf Interviewfragen, Auseinandersetzungen mit den Vierten Offiziellen – müssen Sie sich nicht Sorgen um Jürgen Klopps Image machen?
Darüber habe ich mir nie Gedanken gemacht. Jürgen ist, wie er ist. Ich kenne keinen Menschen, der sich weniger strategisch verhält als er. Man kann ihn nicht für seine totale Authentizität wertschätzen und gleichzeitig von ihm verlangen, sich zu verbiegen. Ich berate auch Torsten Lieberknecht und der fand sich zuletzt in seinem Coaching eingeschränkt, weil er sich in seiner Arbeit am Spielfeldrand total beobachtet gefühlt hat – von den Fernsehkameras, vom Vierten Offiziellen, von den Journalisten. Man darf sich nicht wundern, wenn beispielsweise die Spieler immer stromlinienförmiger werden.
 
Aber Fakt ist: Jürgen Klopp hat auch eine Vorbildfunktion und sollte sich deshalb manchmal besser im Griff haben. Warum gelingt ihm das manchmal nicht?
Weil er ein Mensch mit Stärken und Schwächen ist, dem wie Ihnen oder mir leider auch nicht alles gelingt, was er sich vornimmt.
 
Gibt es einen Trainer, mit dem Sie gerne arbeiten würden?
Markus Weinzierl. Er scheint ein großer Fachmann zu sein. Seine Art des Coachings gefällt mir. Eine professionelle Mischung aus Engagement und Gelassenheit.
 
Und Pep Guardiola?
Natürlich auch ein super Typ. Mir hat Ottmar Hitzfeld als Trainer und Persönlichkeit immer sehr imponiert.

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