Klaus Toppmöller über die NASL

»Wir sahen dämlich aus«

Auch Bundesliga-Urgestein Klaus Toppmöller wagte einst den Schritt in den US-Fußball. Ab 1980 spielte Toppmöller bei den Dallas Tornado – hier erinnert er sich an Barbecues mit Öl-Milliardären und Jazz-Kapellen in der Innenstadt. Klaus Toppmöller über die NASLImago
Heft #64 03 / 2007
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Klaus Toppmöller, was waren die Unterschiede zur Bundesliga, als sie 1980 in die NASL zu den Dallas Tornados wechselten?

Ich habe mich sehr gewundert, dass die Fans immer vollkommen aus dem Häuschen waren, wenn ein Spieler den Ball besonders hoch übers Tor schoss. Wegen der Regeln des American Football glaubten viele Zuschauer, dass ein Ball, der über die Latte geht, ein Tor sei.

Die Texaner hatten also gelinde gesagt keine Ahnung vom Fußball.


Naja, selbst nach einer hohen Niederlage wurde mir jedenfalls im VIP-Raum noch attestiert, dass es ein Superspiel gewesen sei. (lacht.)

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Waren Sie wenigstens ein Star auf den Straßen von Dallas?

Im Gegenteil, aber das hab ich als sehr angenehm empfunden. In der Bundesliga wurde ich damals schon fast als Popstar angesehen und mitunter verfolgt. In USA fuhr ich pünktlich vor dem Spiel zum Stadion, ging unerkannt in die Umkleide und hinterher machte ich mich in Ruhe wieder auf den Nachhauseweg.

Populär war hingegen der Besitzer ihres Clubs, Öl-Milliardär Lamar Hunt. Haben Sie ihn kennen gelernt?

Wir waren öfter bei ihm zu Gast. An ihm zeigte sich, wie wenig man manchen Amis ihren Reichtum ansieht: Unser Team nahm an einem Barbecue mit ihm teil. Unser Trainer ordnete an, wir sollten alle Clubanzüge tragen. Als Hunt erschien, trug er nur eine Jeans und hatte eine Decke über die Schultern gelegt. Wir sahen neben ihm im edlen Zwirn ziemlich dämlich aus.

Warum wurden die Amerikaner mit »Soccer« nicht warm?

Das ist eine Frage der Mentalität. Amerikaner sind beim Sport Action gewohnt. Dass zwei Mannschaften 0:0 spielen und nur ab und zu was passiert, kennen die nicht. Der absolute Besucher-Rekord in Dallas damals, war unser Freundschaftsspiel gegen Cosmos: 13.000 Zuschauer. Als wir im Halbfinale der Play-offs dann wieder gegen New York spielten, kamen nur noch 8.000 Fans. Dabei hatten wir für dieses Spiel Downtown in Dallas getrommelt und waren mit einer Jazz-Kapelle durch die Stadt gefahren.

In der NASL haben sich viele Altstars ihr Karriereende versilbern lassen. Wie war es bei Ihnen?

Ehrlich gesagt, nicht anders. In Deutschland wurde mir mitgeteilt, dass Leistungssport mit meinem verletzten Knie nicht mehr drin sei. Als das Angebot aus Dallas kam, habe ich mir deshalb vertraglich zusichern lassen, nicht trainieren zu müssen und nur pro forma zu Spielen aufzulaufen. Ich bin dann immer mit dickem Knieverband aufs Feld und habe eine halbe Stunde gekickt bis mein Knie wie ein Ballon aufgebläht war. Nach einem Jahr war auch mit diesen Sperenzchen Schluss.

Wie feudal lebte ihr Team?


Das hielt sich in Grenzen. Neben einem ordentlichen Gehalt, das etwa dem entsprach, was ich in der Bundesliga verdient hatte, bekamen wir an Spieltagen 100 Dollar pauschal zur Selbstverpflegung. Die jungen US-Spieler, die nicht so viel verdienten, sind damit meist im nächsten Fast-Food-Restaurant abgetaucht.


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