26.04.2010

Klaus Toppmöller über Bayern-Lyon

»Wie auf der Playstation«

2002 gelang Klaus Toppmöller mit Bayer Leverkusen der Durchmarsch bis ins Champions-League-Finale – als bislang letzte deutsche Mannschaft. Ein Gespräch über Arjen Robben, Michael Ballack und Konsolenspieler.

Interview: Johannes Ehrmann Bild: Imago
Klaus Toppmöller, welche Chancen räumen Sie den Bayern im Halbfinale gegen Olympique Lyon ein?

Das ist eine Fifty-Fifty-Paarung. Wer da weiterkommt, ist vor allem von der Tagesform abhängig.



Was ist aus Ihrer Sicht das entscheidende Kriterium, dass die Bayern international schon so weit gekommen sind und in der letzten Runde Manchester United ausschalten konnten?

Dass Ribery wieder fit ist und gemeinsam mit Robben auflaufen kann, ist für mich entscheidend. Die beiden sind absolute Weltklasse, wobei ich auch Bastian Schweinsteiger in dieser Kategorie sehe.

Was macht einen Spieler wie Arjen Robben im Vergleich zu anderen Fußballern aus?

Seine Stärke in Eins-gegen-eins-Situationen. Einer wie Robben muss ja permanent gedoppelt werden, was natürlich viele Freiräume für die Mitspieler schafft. Robben hat außerdem enorm viele entscheidende Tore gemacht, nicht nur neulich gegen Manchester. Ohne ihn ist die Erfolgsserie der Bayern undenkbar!

2002 standen Sie mit Leverkusen als bislang letzte deutsche Mannschaft im Champions-League-Finale. Wer war denn damals Ihr Arjen Robben?

Bei uns war das auf mehrere Schultern verteilt. Michael Ballack hat seine beste Saison als Fußballer gespielt, er war taktisch und läuferisch hervorragend und hat damals auch die beste Torausbeute seiner Karriere gehabt. Aber auch Leute wie Lucio, Ze Roberto und Bernd Schneider waren Weltklasse.

Lucio schoss Sie damals mit seinem 4:2 gegen Liverpool ins Halbfinale...


Wenn es mal vorne nicht so lief, hatte Lucio immer den Drang, es selbst zu probieren. Aber alles in Maßen, Carsten Ramelow sicherte zumeist hinten ab. Aber seine Dynamik war unwahrscheinlich: Der ist ja an fünf, sechs Mann vorbeigedüst, da dachte man, die seien gar nicht auf dem Platz...

Von der Dramaturgie ist das Liverpool-Spiel wohl kaum zu überbieten.

Absolut! Es ging hin und her, mal waren wir weiter, dann wieder die, dann wieder wir... Das Spiel ist eine meiner schönsten Erinnerungen an diese Saison.

Bis heute schwärmen die Leute vom begeisternden Offensivfußball, den Sie damals spielen ließen. Sie selbst waren einer der erfolgreichsten Bundesliga-Angreifer. Liegt es da nahe, ein offensiv denkender Trainer zu sein?

Das kann man so nicht verallgemeinern. Ich wollte als Trainer immer spielstarke Mannschaften haben, mit Leuten, die kicken können. Darauf habe ich bei Transfers immer geachtet, und so habe ich es überall gehalten. In Bochum schwärmt man heute noch von unserem 5:3 gegen Trabzonspor oder dem 4:1 gegen Brügge. Das waren Spiele vom Allerfeinsten!

In Leverkusen konnten Sie aber auf die Kaderplanung nicht wirklich einwirken, Sie kamen ja erst im Sommer 2001 an Bord.

Das stimmt, mit Emerson ging zudem noch ein sehr guter Spieler weg. Ich musste mit den Spielern arbeiten, die ich hatte. Ich kannte die Mannschaft sehr gut und entwickelte aufgrund der Spieler und meiner Vorstellungen eine Philosophie. Bernd Schneider beispielsweise hatte vorher nie gespielt, bei mir wurde er ein Schlüsselspieler.

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