08.06.2011

Klaus Täuber über Bayer-Espanyol 1988

»Wir lagen am Boden«

Vor 23 Jahren holte Bayer Leverkusen den einzigen internationalen Titel der Vereingeschichte gegen Espanyol Barcelona. Klaus Täuber erinnert sich an die Aufholjagd seines Lebens, Erich Ribbeck und jede Menge Bier.

Interview: Andreas Bock Bild: imago
In der Verlängerung passierte dennoch nicht allzu viel. Niemand wollte ins offene Messer rennen.

Klaus Täuber: Das stimmt. Bitter war der Beginn des Elfmeterschießens. Wir spielten dieses sensationelle Finale, holten einen 0:3-Rückstand auf, lagen nach der Verlängerung mit Krämpfen auf dem Rasen und dann verschoss Ralf Falkenmayer gleich den ersten Elfer. Das war wie ein Schlag ins Gesicht. Wir lagen wieder auf dem Boden. Erst Rüdiger Vollborn half uns wieder auf. 

Nach Ihrem Elfmeter zum 3:2 brachen im Ulrich-Haberland-Stadion und auf den Straßen von Leverkusen alle Dämme. Hatten Sie jemals zuvor eine solche Euphorie in Leverkusen mitbekommen?

Klaus Täuber: Nein. Dieses Spiel war definitiv eines der intensivsten, das ich je erlebt habe. Über 120 Minuten hatten wir Spieler das Gefühl im wahrsten Sinne des Wortes von den Fans nach vorne gepeitscht zu werden. Ich war von den Fans auf Schalke natürlich verwöhnt, aber was an diesem Abend im Ulrich-Haberland-Stadion abging, war absolut phänomenal. Unvergessen! Wir waren ja wie in Trance. Man kann solche Spiele erst Tage später richtig reflektieren. Die Feierei hörte auch nicht in der Kabine auf.

Und Sie jubilierten einem Reporter zu: »Heute sauf ich, bis mir das Bier zu den Ohren rauskommt.«

Klaus Täuber: (lacht) Dieser Satz verfolgt mich mein ganzes Leben. Aber klar, wir waren völlig euphorisiert, so endorphingeschüttelt, da sagt man eben auch mal solche Sachen...

Bayer Leverkusen galt bis dahin als grauer Retortenverein, als der »Pillen-Klub«. Vollzog sich auch mit diesem Spiel ein erster Imagewandel?

Klaus Täuber: Auf jeden Fall. Wir bekamen nach dem Sieg unglaublich viel Zuspruch, und zwar nicht nur aus Deutschland, sondern auf der ganzen Welt. Wir sind einige Zeit später nach Japan geflogen, um bei einem internationalen Freundschaftsturnier mitzuspielen, und da merkten wir: Dieser Uefa-Cup-Sieg hatte Bayer über Nacht weltweit bekannt gemacht.

Was machte Bayer in dieser Saison international eigentlich so stark? In der Vorsaison rutschte Bayer Leverkusen erst am letzten Spieltag auf einen Uefa-Cup-Platz. In der Saison 1987/88 spielte die Mannschaft durchschnittlich, belegte am Ende nur den 8. Platz.


Klaus Täuber: Die Strukturen in Leverkusen waren bis Ende der 80er Jahre noch ganz andere als heute. Bayer war ja erst einige Jahre zuvor aus der 2. Bundesliga aufgestiegen, der Klub war noch am Wachsen. Außerdem hatten wir in dieser Saison viele Häuptlinge im Team, bestimmt acht oder neun, Indianer aber nur wenige. Es war insofern schwierig eine richtige Hackordnung in der Mannschaft zu etablieren. Dieses Team war alles andere als einfach zu führen.

Obwohl die Mannschaft durchaus die Qualität hatte in der Bundesliga oben mitzuspielen.

Klaus Täuber: Definitiv. Aber Bayer Leverkusen zeigte zwei Gesichter. In der Bundesliga ging nicht viel, dafür wuchs die Mannschaft im Europapokal richtig zusammen, jeder einzelne Spieler stellte seine Eitelkeiten, sein Ego hinten an. Das machte uns unglaublich stark: Wir verloren bis zum ersten Finale nicht eine einzige Partie.

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