10.03.2009

Klaus Fischer zur Lage auf Schalke

»Wir müssen zusammenstehen«

Elf Jahre spielte Klaus Fischer auf Schalke und erzielte in dieser Zeit 182 Tore. Er selbst kann die Königsblauen nicht mehr aus der Krise schießen – gute Ratschläge für Kuranyi, Rafinha, Neuer und Co. hat er dennoch parat.

Interview: Benni Kuhlhoff Bild: Imago
Klaus Fischer, wie sehr schmerzt die Schalker Seele in diesen Tagen?

Die Situation kann man im Moment nicht in Ordnung finden. Wir sind in den europäischen Wettbewerben ausgeschieden, und auch in der Meisterschaft stehen wir nicht da, wo wir hin wollten. Außerdem pfeifen die eigenen Fans selbst nach einem Sieg die Mannschaft aus. Das ist eine sehr verzwickte Situation, in der sich der Verein befindet.



Schalkes großes Plus war immer, dass die Fans bedingungslos hinter der Mannschaft standen. Am vergangenen Spieltag wandte sich die Mannschaft demonstrativ von den pfeifenden Zuschauern ab. Wie kann jetzt wieder Ruhe einkehren?


Das ist natürlich eine gefährliche Sache. Man sollte sich schnellstmöglich zusammen setzen und die Sache aus der Welt räumen. Es ist bestimmt nicht von Vorteil, wenn die Mannschaft selbst bei einer Führung ausgepfiffen wird. Der kleinste Widerstand führt momentan zu Unruhe auf den Rängen. Das darf auf gar keine Fall passieren. Wir müssen zusammenstehen, denn mittlerweile ist ja sogar der UEFA-Pokal-Platz wieder drin. Da muss auch die Mannschaft vernünftig reagieren.

Teilweise wirkt es so, als gäben die Fans Mannschaft und Trainer keine Chance auf Wiedergutmachung. Sind die Fans vielleicht manchmal auch zu negativ?

Das kann man so sehen. Natürlich sind die Erwartungen bei Schalke mit der Zeit gewachsen. Aber wenn man sieht, was momentan im Stadion passiert, dann muss man sich Sorgen machen. Sieht man zum Beispiel den 1. FC Köln, die am Freitag auch nicht gerade ansehnlich gespielt haben, aber da versuchen die Fans alles, um ihre Mannschaft voranzutreiben. Natürlich haben die andere Saisonziele, aber das ist Nebensache. So wie es jetzt ist bei uns aussieht, kommen wir nicht weiter. Wichtig ist aber auch, dass die Mannschaft bedingungslos kämpft und sich die Sympathie wieder erarbeitet. Es ist eben ein Geben und Nehmen.

Gestern ist Manager Müller beurlaubt worden. Halten Sie das für eine richtige Entscheidung?

Die Zuschauer und Medien haben sich ja über Wochen Andreas Müller als Sündenbock ausgesucht und permanent den Rauswurf gefordert. Ich sehe darin eine kleine Gefahr. Denn an der spielerischen Situation wird das erst einmal nicht viel ändern. Es kann aber nicht sein, dass man sich jetzt den Nächsten sucht, den man nicht mehr auf Schalke sehen will. Wenn wir schon so weit sind, dann muss man sich schon fragen, wo das noch hinführen soll.

Hat Andreas Müller mit seiner Aussage: »Ich werde niemals zurücktreten!« den Bogen endgültig überspannt und einen Rauswurf unvermeidbar gemacht?

Andreas Müller ist seit über 20 Jahren dem Verein treu, so etwas gibt man nicht so einfach auf. Das ist doch klar. Bei einem Verein wie Schalke gibt es immer Probleme. Wie jemand diese Probleme löst, dass ist ihm selbst überlassen, da kann man keine Tipps geben. Aber Andreas Müller ist nicht an allem schuld.

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