Klaus Fischer im Interview

»Fußball ist ein einfacher Sport«

Er war einer der besten Torjäger der Bundesliga. Klaus Fischer schoss sich einst mit spektakulären Toren in das kollektive Fußball-Gedächtnis. Wir sprachen mit Ihm über die Qualitäten seiner Kollegen und schöne Erinnerungen. Klaus Fischer im Interview
Heft #73 12 / 2007
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Herr Fischer, wer ist Ihrer Meinung nach der beste Stürmer aller Zeiten?

Das ist für mich Pelé, weil er alles konnte: Er war beidfüßig, er war schnell, technisch versiert und hatte ein gutes Kopfballspiel. Wenn man dagegen nur nach Toren geht, kommt natürlich keiner an Gerd Müller vorbei. Ganz allgemein gibt es verschiedene Arten von Stürmern, und jeder hat seine Qualitäten. Und deswegen gibt es keinen zweiten Pelé, keinen zweiten Gerd Müller und auch keinen zweiten Henry. Der eine ist antrittschnell, der andere beidfüßig oder im Strafraum stark. Aber der kompletteste von allen war Pelé.

Wo steht im Vergleich dazu Thierry Henry? Auf Platz drei hinter Pelé und Gerd Müller?

Es eröffnet sich natürlich eine große Palette, wenn man weit zurückgeht. Di Stéfano war auch ein Weltklassemann. Henry, mit seiner Art zu spielen, gehört in der heutigen Zeit ganz nach vorn. Ich selbst hätte auch gern einen Henry in der Mannschaft gehabt. Ich sehe derzeit keinen Stürmer, der besser ist als er, denn er hat überall seine Tore geschossen: In Frankreich, in England, jetzt in Spanien. Und wie er sie gemacht hat – da gehört er auf jeden Fall zu den ersten fünf.

Henry gilt vor allem als eleganter Stürmer.


Das stimmt. Aber Henry ist auch ein kluger Spieler. Wenn es nicht so läuft, geht er auch mal zur Außenlinie oder lässt sich zurückfallen. Und solche Leute mit ihrer unglaublichen Technik und Antrittschnelligkeit sind immer gefährlich. Es ist einfach schön, diesem Mann zuzuschauen, weil er immer in der Lage ist, in wirklich jedem Spiel, durch seine Individualität ein Tor zu machen. Er ist beidfüßig und auch nach längeren Sprints noch unheimlich schnell. Nur das Kopfballspiel ist verständlicherweise nicht so ausgeprägt wie bei einem Spezialisten, der nur vor dem Tor steht und auf die Bälle wartet.

Wie würden Sie ihren eigenen Stil beschreiben?


Wenn ich jetzt sage, dass ich ein super Stürmer war, fragen sich die Leute: »Ist der bescheuert, oder was?«. Da muss man schon Andere fragen, denn mich selbst beurteile ich nicht so gern. Natürlich hatte ich meine Qualitäten, das weiß ich auch. 268 Tore in der Bundesliga sprechen für sich. Dazu 32 Tore in 45 Länderspielen – und das in der damaligen Zeit, als man noch nicht ständig gegen San Marino gespielt hat, gegen die man – wenn man gut drauf ist – 20 Tore schießen kann. Ich habe mir letztens die Länder in der Europameisterschaftsqualifikation angesehen: Da sind über 20 dabei, die es damals noch gar nicht gab. Natürlich haben wir auch mal auf Malta gespielt. Aber unter welchen Bedingungen? Auf Beton!

Kam Ihnen bei solchen Bedingungen Ihr Stil entgegen?

Jetzt kann ich es ja sagen: Ich war antrittschnell, beidbeinig und hatte ein gutes Kopfballspiel. Technisch war ich nicht so stark wie ein Pelé, aber das hat für mein Spiel gereicht. Ich habe meine Qualitäten auch ständig trainiert und weiterentwickelt.

Von Ihren Qualitäten sind vor allem die Fallrückzieher zur Legende geworden.

Die kann man allerdings nicht lernen. Das sind Dinge, für die man viel Mut braucht. Da muss alles passen, die Flanke muss auch optimal kommen. Wie 1977 im Länderspiel gegen die Schweiz: Da kam eine Flanke zu hoch rein und ich habe einfach den Fallrückzieher probiert. Das hatte ich vorher nicht trainiert und in der Situation auch nicht stundenlang überlegt, was ich machen soll.

Also sind Sie nicht in ein Spiel gegangen und haben sich gesagt: »Heute mache ich ein Fallrückziehertor«?


Nie. So etwas kann man gar nicht planen. Das kam immer aus dem Spiel heraus, und der Gegner durfte auch nicht in unmittelbarer Nähe stehen. Wie viele derartige Fallrückziehertore, so wie ich sie gemacht habe, gab es denn bisher?

Nicht viele.


Eben. Ich habe in der Bundesliga auch nur eines gemacht. In der Nationalmannschaft waren es ein paar mehr, aber auf eine andere Art. Und deswegen ist so etwas auch nicht planbar. Man muss einfach darauf aus sein, seine Tore zu machen – egal wie.

Sind Ihnen, um ihre Tore zu erzielen, auch manchmal Tricks gelungen, die Sie hinterher selbst nicht begriffen haben?

Nein. Ich war ein einfacher Spieler. Großartige Tricks habe ich erst gar nicht versucht. Dazu muss man auch geboren sein. Den Ball mit der Hacke hochnehmen und dann hinten über den Kopf heben, wie es viele Brasilianer können, habe ich erst gar nicht trainiert. Ich habe nur das trainiert, was ich wirklich im Spiel gebrauchen konnte. Jeder sollte nur das tun, wozu er fähig ist.

Versuchen Sie das auch in Ihrer Fußballschule zu vermitteln? Was kann man lehren, und was muss angeboren sein?

Zum Beispiel das Kopfballspiel, wohin die Bälle geköpft werden müssen, kann man üben. Auch die Bälle bei Flanken von links und rechts zu nehmen. Aber manche Tricks der Brasilianer sind einfach unmöglich zu lehren. Ein Gerd Müller konnte keine der Tricks, die Ronaldinho heute vorführt. Und Ronaldinho kann dafür nicht die schnellen Drehungen im Strafraum, diese typischen Müller-Tore. Das sind einfach Dinge, die hat man oder hat man nicht.

Was bringen Sie den Kindern in Ihrer Fußballschule noch bei?

Das einfache Spiel. Fußball ist ein einfacher Sport. Wir zeigen den Kindern, wie sie richtig mit dem Ball laufen, wie Pässe gespielt werden, wie das Standbein beim Torschuss steht. Wenn ich ihnen vorführe, wie man richtig köpft, bekommen sie große Augen. Wir lehren die Kinder nur Dinge, die auch ich beherrscht habe. Eben das einfache Spiel. Wenn sie diese Dinge gut beherrschen, sind sie schon ziemlich weit. Außergewöhnliche Fähigkeiten, wie das Dribbling eines Libuda, kann man zwar nicht lehren, aber wir wollen den Kindern zeigen, dass man seine eigene Art entwickeln kann, am Gegenspieler vorbeizugehen. Der eine macht es dann auf die elegante Weise, der andere legt sich den Ball weiter vor und nutzt danach seine Schnelligkeit aus.

Besteht bei einem Spieler wie Libuda oder auch Henry nicht auch die Gefahr, dass er zu ballverliebt ist und den Torschuss vergisst?


Das kann passieren. Auch dass man eher hätte abspielen sollen. Aber das ist mir auch schon passiert und kommt bei jedem manchmal vor.

Bei aller Effizienz: Wie wichtig ist es, dass ein Tor auch schön ist?

Das ist im Spiel erst einmal nicht wichtig. Wenn es schön ist, bleibt es hinterher natürlich länger in Erinnerung. Dann wird man später immer wieder auf diese Tore angesprochen. Viele Leute sprechen mich zum Beispiel auf das Tor an, das ich 1977 gegen die Schweiz geschossen habe. Und auch das Tor gegen Frankreich bei der WM 1982 in Spanien ist bei den Menschen haften geblieben. Meine eigenen Kinder haben die Tore letztens zum ersten Mal gesehen und gleich danach gesagt: »Hey, mach mal wieder diesen Fallrückzieher!«.



Was zählt in Stürmerkreisen eigentlich die Auszeichnung zum »Tor des Jahres«, die Sie selbst zwei Mal (1977 und 1982) erhalten haben?


Das ist immer eine schöne Erinnerung. Bei der Wahl werden die verschiedenen Tore noch einmal gezeigt, und dadurch bleibt der eigene Name den Leuten im Gedächtnis.

An welches Tor erinnern Sie sich selbst besonders gern zurück?


Das schönste Tor war das gegen die Schweiz, aber das wichtigste Tor war das gegen Frankreich, weil es da um den Ausgleich ging und darum, ins Finale einer WM zu kommen. Ich habe insgesamt viele schöne Tore geschossen, die nicht nur mit Glück, sondern auch mit Können zu tun hatten. Wenn ich zum Beispiel einen Flugkopfball genau oben ins Eck setzte, dann lag es auch daran, dass ich ihn einige Male geübt hatte.

Sind die Flugkopfballtore auch die schwierigsten Tore?

Sicher ist ein Flugkopfball ebenfalls schwierig, weil man nur kurz über der Grasnarbe fliegt und immer damit rechnen muss, dass noch ein Spieler reingrätscht. Das erfordert schon Mut. Aber Fallrückzieher sind schwieriger, weil bei ihnen alles passen muss. Beim Flugkopfball kann noch ein Gegenspieler in unmittelbarer Nähe sein, aber wenn das beim Fallrückzieher passiert, pfeift der Schiedsrichter sofort ab. Hinter seinem Rücken sieht man nichts, und wenn man sich als Stürmer noch vorher umsehen müsste, ob neben einem ein anderer Spieler steht, funktioniert das Ganze nicht mehr. Aus diesem Grund sind per Fallrückzieher erzielte Tore wirklich die schwierigsten.

Wenn dann ein solches Tor abgepfiffen wird, ist es natürlich doppelt so schade.

Genau das ist mir 1978 gegen die UdSSR in Frankfurt passiert. Das war für mich der schönste Fallrückzieher überhaupt, der dann aber leider wegen gefährlichen Spiels abgepfiffen wurde.

Kann ein Stürmer ein Spiel tatsächlich allein entscheiden?

Ganz allein entscheiden kann er es nicht. Dann müsste er sich ja den Ball von hinten holen, über das ganze Spielfeld laufen, vorne das Tor machen, und das Spiel wird nach dem 1:0 abgepfiffen. Ein Stürmer ist immer auf gute Pässe von Mitspielern angewiesen. Fußball ist ein Mannschaftsspiel, und deswegen tragen immer mehrere Leute dazu bei, ein Tor zu machen.

Arsenals Mittelfeldmann Cesc Fabregas begrüßte Henrys Abgang, da dieser die Mannschaft »eingeschüchtert« habe. Kann ein überragender Stürmer seiner Mannschaft in diesem Sinne schaden?

Nein. Ein jeder Spieler muss froh sein, einen Fußballer wie Henry in der Mannschaft zu haben. Und den Erfolg der ganzen Mannschaft muss man bei Arsenal mit Henry in Verbindung bringen, weil er viele Spiele durch seine herausragende Vorbereitungen und Tore vorentschieden hat. Davon profitieren dann auch alle Spieler. Aber natürlich ist jeder auf seiner Position wichtig, und man gewinnt nur, wenn absolut jeder, egal wie er heißt, das Optimale aus sich herausholt.

Sind Defensivspieler trotzdem manchmal eifersüchtig auf die Stürmer?


Dass manche Verteidiger eifersüchtig sind, kann schon sein. Aber in meinem Fall hatte ich nie das Gefühl, dass mir die Tore nicht gegönnt werden. Andere Spieler hatten eben einfach andere Aufgaben und haben diese dann erfüllt, wie z.B. bei Libuda über außen zu kommen und zu flanken. Wenn er eifersüchtig gewesen wäre, dass er nur flankt und ich das Tor machen darf, hätten wir keinen Erfolg gehabt. Genauso darf auch ein Stürmer nicht auf seinen Sturmkollegen eifersüchtig sein, weil der 20 Tore macht und er nur zehn. Das beste Beispiel ist Miroslav Klose: Der beste Stürmer Deutschlands, aber wenn Toni frei steht, spielt er ab, und Toni muss ihn nur noch reinschieben. Kloses Vorarbeiten sind unheimlich wichtig, und das wissen die Trainer und Mitspieler auch zu schätzen. Nur so kommt im Mannschaftsspiel Fußball auch der Erfolg.

Gibt es wirklich dieses »blindes Verständnis«?


Wenn Klose nach innen passt, weiß er meistens, ob Toni da ist. Das kommt durch eine lange Eingespieltheit und das Absprechen untereinander, auch von bestimmten Situationen. So spielen zum Beispiel Mittelfeldspieler oft den Ball in die Tiefe, ohne zu wissen, wo sich der Stürmer genau befindet, wie bei Schalke früher Lincoln auf Aílton.

Ein guter Stürmer braucht sowohl Routine und Athletik. Im Laufe der Karriere nimmt das eine zu, das andere ab. Wann ist der Stürmer auf seinem Zenit?

Ein Stürmer ist ungefähr fünf Jahre, nachdem er in der Bundesliga angefangen hat, also mit 25 Jahren, im richtigen Alter. Er muss vorher noch sehr viele Dinge lernen, aber auch später immer weiter an sich arbeiten. Ein gutes Beispiel ist das Kopfballspiel: Wenn man das mal über fünf, sechs Wochen nicht geübt hat, braucht man eine ganze Zeit, bis man wieder drin ist. Deswegen muss man im Fußball trainieren, trainieren, trainieren.

Wie kann man das Verhältnis zwischen Stürmern und ihren Gegenspielern beschreiben?

Man lernt die Gegenspieler mit der Zeit kennen und weiß ihre Stärken und Schwächen einzuschätzen. Auf dem Platz fällt auch mal das ein oder andere Wort, besonders wenn es hart zur Sache geht. Aber je mehr man sich aufregt und beim Schiedsrichter beschwert, desto weniger pfeift er für einen. Wenn man aber auch mal etwas hinnimmt – der Schiedsrichter kann ja auch nicht alles pfeifen –, bekommt der Gegenspieler irgendwann eine gelbe Karte. Und wenn er erstmal eine Karte hat, kann er nicht mehr allzu viel machen.

Dann haben Sie natürlich leichteres Spiel.


Dafür muss man sich aber vor dem Spiel mit seinen Gegenspielern beschäftigen. Ich wusste, was auf mich zukommt, wenn ich gegen Beckenbauer, Förster oder Brehme gespielt habe.

Wie stehen Sie zu Schwalben? Sind sie unter dem Stichwort »ausgleichende Gerechtigkeit« im moralischen Gleichgewicht zwischen Stürmer und Verteidiger manchmal gerechtfertigt?

Ich selbst wollte immer das Tor machen. Und wenn ich mal lag, dann war es auch ein Foul – das weiß ich mit hundertprozentiger Sicherheit. Heute fallen Spieler im Strafraum über ihre eigenen Beine und wollen dafür einen Elfmeter haben. Das ist für mich eine Frechheit, und da sollte knallhart durchgegriffen werden.

Verliert man nach vielen Fouls nicht auch manchmal die Lust, wieder aufzustehen?

Man muss einfach immer wiederkommen. Wenn du aufhörst, bist du fehl am Platze. Natürlich gibt es in jedem Spiel Fouls, die nicht gepfiffen werden, aber dann kann man trotzdem nicht liegen bleiben. Ein Spiel dauert 90 Minuten, und man bekommt immer wieder die Möglichkeit ein Tor zu machen und sich auf diese Weise beim Gegenspieler zu revanchieren. Zu unserer Zeit wurde man bei Auswärtsspielen in Offenbach oder Kaiserslautern auch ständig umgetreten. Aber wenn du dann aufhörst zu spielen, kannst du gleich zu Hause bleiben.

Wer war damals Ihr unangenehmster Gegenspieler?

Unangenehm waren nur die langsamen Spieler. Wenn die zu spät kamen, hat es schon was auf die Socken gegeben. Gute Verteidiger wie Karl-Heinz Förster dagegen waren zwar hart, aber fair.

Müssten Stürmer vor diesen langsamen Abwehrspielern besser geschützt werden?

Heute werden zum Glück viele Dinge, wie die Ellenbogenchecks, im Nachhinein bestraft. Aber früher waren nur zwei Kameras im Stadion, und wenn dann keiner etwas gesehen hatte, wurde es auch nicht bestraft. Insgesamt kann man sagen, dass früher härter, aber fairer gespielt wurde.

Sind Stürmer sensibler als andere Spieler?

Ja, es gibt schon Stürmer, die sehr sensibel sind. Denen kann man auch schnell den Schneid abkaufen.

So ähnlich wie bei Torhütern?

Genau. Beide muss man nehmen, wie sie sind. Man muss sie schützen, und sie brauchen viel mehr Selbstvertrauen und Rückhalt als Mittelfeld- und Abwehrspieler. Denn der Stürmer steht fast das ganze Spiel über mit dem Rücken zum Tor und wartet permanent auf die eine Chance, und der Torwart darf keinen reinkriegen, sonst ist er der Depp.

Wie sensibel waren Sie?

Ich hatte nie Angst.

Mal ganz ehrlich: Kann ein Stürmer sich überhaupt freuen, wenn seine Mannschaft 6:0 gewinnt, er selbst aber kein Tor erzielt?

Wichtig ist erstmal der Erfolg der Mannschaft. Klar fragt man sich bei einem 6:0, warum man kein Tor geschossen hat. Aber wenn man vier Tore vorbereitet hat, ist es auch in Ordnung. Und beim nächsten Mal schieße ich wieder Tore. Natürlich wird ein Stürmer immer nach Toren bemessen. Und wenn ich zehn Spiele nacheinander nicht getroffen habe, kommt die Kritik auf, und es wird von Ladehemmung gesprochen.

Wie geht man mit einer solchen Situation um?


Indem man trainiert und hart an sich arbeitet. Dazu braucht man auch den Zuspruch des Trainers. Das ist wieder so ähnlich wie beim Torwart: Ein Stürmer muss regelmäßig seine Tore machen, und ein Torwart darf keine Eier reinkriegen. Deswegen brauchen beide in Drucksituationen die Unterstützung des Trainers.

Das Spiel wird immer defensiver, die Torquote sinkt. Das Interesse an der Bundesliga steigt trotzdem immer weiter.


Das ist unglaublich. Wenn ich an das Parkstadion zurückdenke, mit der Laufbahn, da war alles so weit weg, es gab kein Dach, und wenn es dann auch noch geregnet hat... Heutzutage sind so viele Frauen und Kinder im Stadion, die sich das früher gar nicht getraut haben. Das ist mittlerweile eine ganz andere Welt.

Sind Stürmer und Tore am Ende gar nicht die Hauptattraktion?

Genau. Vielmehr die Stimmung und dass die eigene Mannschaft gewinnt. Dann ruft die Nord- die Südkurve und wieder zurück. Als wir 1977 Vizemeister wurden und die Meisterschaft erst im letzten Spiel entschieden wurde kamen im Schnitt gerade mal 36 000 ins Parkstadion. Da konnte man zum Stadion gehen und bekam oft noch direkt vor dem Spiel eine Karte. Heute ist die Arena AufSchalke voll – egal wer spielt.

Eine Frage noch, Herr Fischer: Lesen Sie eigentlich mittlerweile schon Bücher?

Ich habe mein Buch gelesen (lacht. Fischer meint seine Publikation »Fallrückzieher und mehr...«)

Auch noch andere?

Ich habe mal eines über Uwe Seeler angefangen. Ich bin einfach ein Mensch, der sich nicht hinlegen kann und dann ein Buch liest. Ich gehe lieber raus in die Natur und laufe. Warum sollte ich damals, als ich gefragt wurde, welches mein Lieblingsbuch ist, lügen? Dafür habe ich inzwischen selbst ein Buch geschrieben. Das schafft wohl auch nicht jeder.

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