08.08.2007

Klaus Fichtel im Interview

„Es fehlte einfach das Geld“

Der FC Schalke 04 ist ein uralter, amorpher, wunderschöner Klumpen. Um ihn in seiner Gänze zu begreifen, muss man mit einem Mann sprechen, der ihn in- und auswendig kennt. Zum Beispiel mit Klaus Fichtel, dem Dinosaurier.

Interview: Maik Großmann Bild: imago

Neben Klassenkampf und Geldsorgen ging es auch im Vorstand ständig drunter und drüber. War Schalke in den 60ern schon ein Skandalklub?

Schalke war mein erster Verein und wie so ein Bundesligaklub anständig geführt wird oder geführt werden sollte, das habe ich dann erst später erfahren, als ich nach Bremen ging. Da habe ich gesehen, dass man die ganze Geschichte auch anders aufziehen und in ruhigem Umfeld arbeiten kann. Das war ein Unterschied wie Tag und Nacht.

Unruhig wurde es vor allem Anfang der 70er: im großen Bundesligaskandal. Sie persönlich wurden für zwei Jahre gesperrt, später dann begnadigt. Was hatten Sie angestellt?

Das war alles sehr nebulös. Bielefeld und Offenbach, und wer alles noch dabei war, hingen da irgendwie mit drin. Von allen Seiten kamen zweideutige Ansagen, immer nur hintenrum, und im Endeffekt wusste keiner mehr, sollen wir das Spiel jetzt verlieren oder nicht? Auf jeden Fall haben wir es dann kurz vor Schluss verloren, obwohl Herbert Lütkebohmert auch vorher noch Latte oder Pfosten getroffen hatte. Es standen irgendwelche Summen im Raum, die wir angeblich bekommen sollten, aber ich weiß bis heute nicht, ob das bei Spielende geklärt war oder nicht. Als dann die Sperre kam, war das sicher keine einfache Situation für mich.

Hätten Sie da gedacht, dass Sie noch bis in die 80er weiterspielen?

Ich hatte vor allem Glück, dass ich niemals ernsthaft verletzt war. Mit Ausnahme einer Meniskusoperation, aber selbst da habe ich schon nach vier Wochen wieder gespielt. Ich war einer von diesen Typen, die einfach nie verletzt sind. Und da habe ich halt gesehen, dass ich so lange wie irgendwie möglich spielen konnte. Schließlich hätte ich sonst nicht gewusst, wie es weitergeht, denn wenn ich eines nicht wollte, dann in die Zeche zurück, ich hatte ja nichts anderes gelernt. Zum Glück ist mir das dann aber erspart geblieben.

Waren Sie denn überrascht, dass sie mit Anfang 40 noch in der Bundesliga mithalten konnten?

Nicht unbedingt, denn ich war ja damals Co-Trainer und habe drei bis vier Mal in der Woche bei den Trainingsspielen mitgemacht. Insofern stand ich gut im Saft und konnte noch mithalten. Es war allerdings auch nur eine Notlösung, weil gerade fünf oder sechs Abwehrspieler verletzt waren, und so ist das dann noch mal zustande gekommen.

Als Sie anfingen, spielten Sie gegen Seeler und Beckenbauer, am Ende hießen die Gegner Riedle, Littbarski und Klinsmann. Wie hat sich der Fußball in all der Zeit verändert?

Ich glaube, dass er sich von der Geschwindigkeit und der Härte her unheimlich weiterentwickelt hat. Allerdings kam irgendwann das Technische zu kurz. Leute wie Netzer, Beckenbauer, Overath, Haller oder auch Schnellinger, eben solche Spielerpersönlichkeiten, die viel wert auf Technik gelegt haben, die gab es meiner Meinung nach später und auch heute erheblich weniger. Die Spieler sind sicher kompletter geworden, weil sie offensiv und defensiv fast gleich stark sind mittlerweile. Früher hatte eben jeder seine eigene Stärke, der eine offensiv, der andere defensiv. Heute muss man fast alles können.

Hatten Sie so etwas wie einen Lieblingsgegenspieler?

Ich hatte Probleme, wenn es gegen so kleine und quirlige Leute ging. Bernd Rupp zum Beispiel war kein angenehmer Gegenspieler, da lag mir Uwe Seeler schon eher.

Allein auf Schalke hatten Sie mehr als 500 Einsätze, insgesamt waren es 22 Jahre Oberhaus. Zahlt einem der Körper das irgendwann heim?

Bis auf einige Wehwehchen habe ich bislang noch wenige Probleme und trainiere noch einmal in der Woche mit der Traditionsmannschaft. Wie sagt man so schön: Wer rastet, der rostet. Und solange ich nicht roste, werde ich auch noch weiterspielen.

-----------------

Maik Großmann ist Mitarbeiter des Informationsdienstes fussballdaten.de www.fussballdaten.de .

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden