30.11.2006

Klaus Augenthaler im Interview

„Ich muss gelassener werden“

Fürs Erste ist der VfL Wolfsburg aus dem Gröbsten raus. Im Gespräch mit 11freunde.de erläutert Trainer Klaus Augenthaler, wie das gelang - und empfiehlt Yogi Löw ein Umdenken in der Torhüterfrage.

Interview: Robert Mucha Bild: Imago
Diese Spielzeit ist ausgeglichener als viele zuvor. Haben Sie als Spieler oder Trainer so eine Dichte schon einmal erlebt?

Nach Weltmeisterschaften sind die Punkteabstände der Bundesligamannschaften in der Hinrunde meistens nicht so groß.

Also ist die Weltmeisterschaft schuld daran, dass jeder jeden schlagen kann?

Es geht nicht um „schuld“ oder „nicht schuld“. Ich beschreibe die Tatsache, dass die großen Teams die meisten Nationalspieler stellen. Diese Spieler stoßen dann erst nach der Vorbereitungszeit zur Mannschaft. Die Neuzugänge müssen ebenfalls integriert werden. Diese Prozesse beanspruchen Zeit. Aber inzwischen ist zu erkennen, dass die vermeintlich großen Teams sich langsam absetzen und Konstanz in ihre Leistungen bringen.



Klingt etwas ernüchternd. Dürfen wir in der Rückrunde wieder Langeweile erwarten?

Teams wie Bayern, Werder und Schalke werden sich in dieser Saison wahrscheinlich wieder absetzen.

Anderes Thema: Wer ist bis dato der Spieler der Saison?

Das ist schwer zu sagen. Ich sehe Klose, der es geschafft hat, über die ganze Hinrunde konstant starke Leistungen abzuliefern. Gerade er als Stürmer hat es schwerer als ein Mittelfeld- oder Abwehrspieler.

Viele Experten sehen Kloses Mitspieler Diego vorne.

Äußerungen zu solchen Themen sind immer Momentaufnahmen. Als Diego zu Beginn der Runde überragend gespielt hat, war er für viele sofort der neue Maradona. Dann lief es in Bremen schleppend und plötzlich soll er in den Augen der Öffentlichkeit verantwortlich dafür gewesen sein. Das Beste ist, abzuwarten, wie er sich entwickelt, und dann ein Urteil bilden.

Der Saisonstart in Wolfsburg verlief holprig. Der Knoten platzte, trotz eines Sieges gegen den FC Bayern, erst nach dem Spiel in Bochum. Wieso trat ihre Mannschaft nach dem Sieg gegen München nicht sofort selbstbewusst auf?

Gegen Bayern haben wir spielerisch noch keinen überzeugenden Sieg gelandet. Wir führten, danach kämpften wir und haben das 1:0 klug über die Zeit gebracht. Mein Team ist noch in der Entwicklung, ist noch nicht so gestrickt, dass es nach einem knappen Sieg gegen die Bayern vor Selbstvertrauen strotzt.

War das Spiel in Bochum das bisher wichtigste in dieser Saison?

Es war für uns ein Sechs-Punkte-Spiel, keine Frage. Doch für mich ist nicht so wichtig, dass wir ein bestimmtes Spiel gewinnen.

Ist es nicht?

Mir ist es wichtig zu sehen, dass sich die Mannschaft im Vergleich zur Rückrunde der letzten Saison kontinuierlich steigert. Die Abwehrreihe war beispielsweise eine Großbaustelle, die wir angegangen sind. Mit Erfolg: Aktuell haben wir die beste Abwehr der Liga. Nicht vergessen sollte man auch, dass uns seit Saisonbeginn ständig vier bis fünf Stammspieler nicht zur Verfügung stehen und die Mannschaft ist dennoch in der Lage, dies zu kompensieren. Natürlich fehlt es noch an spielerischem Glanz, dafür haben wir an Effektivität gewonnen und holen Punkte.

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