Wann mussten Sie das letzte Mal schreien? Ehrlich gesagt, schreie ich noch nicht mal meinen Hund an. Wenn ich überhaupt mal laut geworden bin, dann wahrscheinlich in einer Sitzung mit der Mannschaft. Fußballer pflegen ja untereinander einen etwas raueren Umgangston. Wenn ich mit Geschäftspartnern oder Journalisten so reden würde, gäbe es Probleme.
Haben Sie mit Schaaf schon mal die Aufteilung Good Cop, Bad Cop ausprobiert, wenn Sie einen Spieler ins Gebet genommen haben? Das mag mal vorgekommen sein. Allerdings ohne dass wir uns das so vorgenommen hätten. Wenn einer von uns allzu streng wird, gleicht der andere das wieder aus. Man muss am Ende ja auch immer wieder zueinanderfinden können.
Der ausgleichende Part dürften Sie sein. Nicht unbedingt. Man darf nicht vergessen: Ich stehe in der Struktur des Vereins nun mal in der letzten Verantwortung. Und wenn es um die finanziellen Folgen des sportlichen Scheiterns geht, muss ich die Dinge auch beim Namen nennen dürfen.
Wie kommt es eigentlich, dass Sie schwierige Spieler wie Johan Micoud oder Ailton integrieren konnten, andere wie Carlos Alberto aber nicht? Das ist Berufsrisiko. Wenn wir einen Spieler verpflichten, sind wir davon überzeugt, dass er uns weiterhelfen kann. Und wenn er bereit ist, alles für seinen Beruf zu tun, dann wird unsere Geduld auch unendlich sein. Deshalb fand ich die Zusammenarbeit mit Johan Micoud auch gar nicht so schwierig: An ihm konnte man sich zwar jeden Tag reiben, dafür hat er uns am Wochenende bewiesen, dass sich die Schufterei gelohnt hat.
Woran merken Sie denn, dass ein Spieler Ihre Geduld nicht verdient? Wenn er mit seinem Verhalten das ganze System SV Werder Bremen in Gefahr bringt. Dann müssen wir uns von ihm trennen.
Wie genau kennen Sie die persönliche Geschichte eines Spielers? Sehen Sie etwa Marko Arnautovic vor dem Hintergrund seiner bewegten Jugend in der Wiener Vorstadt? Ich muss und will nicht alles über einen Spieler wissen. Sonst erwachsen daraus vielleicht Vorurteile, die eine klare Einschätzung erschweren.
Haben Sie mal einem Spieler empfohlen: »Nimm die Brillies raus, solange du die Hütte nicht triffst«? Äußerlichkeiten zählen für mich nicht. Wenn sich ein Spieler an unsere Vorstellungen der Zusammenarbeit hält, kann er rumlaufen, wie er lustig ist.
Auch mit Hahnenkamm? Klar. Er muss dann nur damit leben, dass ich ihn darauf hinweise, wie furchtbar ich seine Frisur finde. Gleichzeitig bin ich mir sicher, dass die Jungs in der Kabine über den langweiligen Kleidungsstil ihres Managers lästern.
Bekommen Sie Anrufe von Fans, XY sei wieder bis halb vier in der Disco gewesen? Wenn wir schlecht spielen, möchte man uns häufiger mit Beobachtungen helfen. Wenn wir gut spielen, eher selten. Die Meinung der Öffentlichkeit beeinflusst mich im Umgang mit einem Spieler aber nur dann, wenn er ohnehin unter Beobachtung steht. Dann ist meine Bereitschaft für Konsequenzen schon größer.
Muss ein Spieler ab einem gewissen Gehalt nicht einfach funktionieren? Einen Busfahrer fragt doch auch niemand, wie es ihm geht. Eigentlich kennt ein Spieler bei Vertragsunterschrift die Regeln. Eigentlich verdient er genügend Geld und übt einen so begehrten Job aus, dass er dann auch funktionieren sollte. Eigentlich. Aber man darf nie vergessen, dass auch Fußballprofis Menschen sind. Junge Menschen. Und junge Menschen machen nicht immer das, was man von ihnen verlangt.
Wie reagieren Sie dann? Als dreifacher Vater weiß ich, wie ich nicht reagieren sollte. Mit einem »Du musst dich jetzt so und so verhalten« komme ich jedenfalls nicht weit.
Was war Ihre bislang schönste Zeit mit der Werder-Familie? Letztes Jahr auf dem Freimarkt! (Beliebte Kirmes in Bremen, d. Red.)Erzählen Sie! Ach, das war nicht ganz ernst gemeint. Wir hatten einfach einen schönen Abend. Wir haben uns gut amüsiert.
Wie müssen wir uns das vorstellen: Klaus Allofs und Thomas Schaaf jagen sich gegenseitig im Autoscooter? Nein, diesmal nicht. Ich stehe eher auf alles, was sich dreht und schnell die Richtung wechselt. Beim »Breakdancer« bin ich Stammgast!
Wie schön. Und was haben Sie in sportlicher Hinsicht am meisten genossen? An einzelnen Ausschnitten will ich mich nicht festhalten. Was mich sehr zufrieden macht, ist die gesamte Entwicklung. Wenn ich in der Loge sitze, unser Stadion sehe und mich daran erinnere, wie es 1999 aussah, weiß ich, dass wir viele Dinge gut gemacht haben...
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Das vollständige Interview mit Klaus Allofs, seine Meinung über Marko Marin, seine Prognose für die Zukunft von Werder Bremen, lest ihr in der aktuellen Ausgabe von 11FREUNDE!