13.11.2012

Klaus Allofs über Werder, Schaaf und den Freimarkt

»Ich schreie nicht mal meinen Hund an«

Wer weiß, wie lange Klaus Allofs noch Manager von Werder Bremen ist. Nutzen wir die Gunst der Stunde: Für die aktuelle Ausgabe von 11FREUNDE sprachen wir mit dem damals noch gänzlich Wolfsburg-freien Ex-Nationalspieler über die jüngste Entwicklung von Werder Bremen, sein Verhältnis zu Thomas Schaaf und seine Leidenschaft für »alles, was sich dreht und schnell die Richtung ändert«.

Interview: Dirk Gieselmann und Alex Raack Bild: Gianni Occhipinti

Klaus Allofs, Sie wirken immer so ausgeglichen. Was müssten wir Sie fragen, damit Sie endlich mal ausrasten?
Wenn ich mich extrem ungerecht behandelt fühle, kann ich ungemütlich werden. Aber ausrasten? Da stehen Ihre Chancen eher schlecht.

Wie machen Sie das? Zählen Sie innerlich bis zehn, bevor Sie antworten?
Ich habe keine Tricks. Vermutlich kommt bei mir die Gelassenheit mit dem Alter. Seit ich 18 bin, also seit 37 Jahren, bewege ich mich im Fußballgeschäft. Früher hat es mich auch wahnsinnig gemacht, wenn ich als Stürmer eine Großchance versiebt habe. Aber im Laufe der Zeit habe ich gelernt, nicht aus jeder Mücke einen Elefanten zu machen.

2007 trafen Sie in einem Fernsehinterview auf Uli Hoeneß, damals noch Bayern-Manager. Es ging um den Transfer von Miroslav Klose von Bremen nach München. Hoeneß war sehr aufgebracht, weil Klose von Werder-Fans beschimpft worden war. Sie hingegen wirkten, als würden Sie Ihren Kollegen am liebsten von der Kamera wegziehen.
Mir ist natürlich bewusst, dass wir alle unsere Rollen zu spielen haben. Uli ist mit seiner Art ein Schrittmacher der Liga. Dafür gebührt ihm mein Respekt. Unser Verhältnis ist absolut intakt, auch wenn wir manchen Kampf ausgefochten haben. Aber in einem Halbzeitinterview, in dem ein Thema nicht umfassend aufgearbeitet werden kann, es sich zwangsläufig zuspitzt und wir vom Moderator auch noch gekitzelt werden, verspüre ich eigentlich den Wunsch, die Angelegenheit nicht auf offener Szene zu klären.

Können Sie tatsächlich unterscheiden, wann Hoeneß etwas ernst meint und wann er bloß seine Rolle spielt?
Ohne mir anmaßen zu wollen, dass ich da zu 100 Prozent richtig liege, ein gewisses Muster erkenne ich in seinen Äußerungen durchaus.

Hatten Sie je Feinde in diesem Geschäft?
Natürlich gibt es Leute, die mir unsympathisch sind. Auch dann muss ich eine Zusammenarbeit zustande bringen, die nicht von Abneigung geprägt ist. Andersherum kann es passieren, dass jemand, mit dem ich gut klarkomme, für den ärgsten Konkurrenten arbeitet. Dann darf es nicht sein, dass ich aus Zuneigung weniger hart verhandle.

Gab es in Ihrer 13-jährigen Zusammenarbeit mit Thomas Schaaf Phasen, in denen Sie einander aus dem Weg gegangen sind?
Ich würde nicht von Phasen sprechen, eher von Stunden. Nehmen Sie die aktuelle Saison: Zum Zeitpunkt dieses Interviews habe ich Thomas drei Monate lang fast jeden Tag gesehen, wir haben drei Trainingslager gemeinsam durchgestanden. Da braucht jeder von uns mal seine Freiräume.

Wer kann lauter schreien: Sie oder der Coach?
Da ist Thomas besser in Übung. Auf dem Platz kommt das einfach öfter vor als im Büro.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden