30.10.2009

Klaus Allofs über Transfers

»Talent allein reicht nicht«

Während andere Teams Probleme mit neuen Spielern haben, integriert Werder einen nach dem anderen. Wir sprachen mit Klaus Allofs über die Zusammenstellung eines Kaders und den Unterschied zum FC Bayern.

Interview: Jürgen Schmieder Bild: Imago
Herr Allofs, wie stellt man einen Kader zusammen?

Es ist ein ständiges Bearbeiten. Wir arbeiten etwa jetzt schon daran, was wir im Winter machen oder im kommenden Sommer. Es gibt eine Vorstellung davon, wie das Spiel der Mannschaft auszusehen hat – und dann gleichen wir ab mit dem, was die Spieler geleistet haben. So entstehen Positionen, die man überdenken muss. Parallel dazu gibt es Verträge, die auslaufen – und wenn keine Verlängerung erzielt wird, dann gibt es auch dort Handlungsbedarf. Aber die Entscheidungen über Transfers werden natürlich erst am Ende einer Saison getroffen.


 
Warum erst so spät?

Gerade bei Werder Bremen ist wichtig zu sehen: Wohin geht die Reise, wofür qualifiziert man sich? Welche finanziellen Mittel hat man dadurch zur Verfügung? Diese Fragen unterscheiden uns ja weitestgehend vom FC Bayern.

Beim FC Bayern hat der Transfer von Arjen Robben überrascht, weil viele mit einem Defensivspieler gerechnet hatten. Es hatte den Anschein, dass der Verein eben den besten Spieler verpflichtete, der zu bekommen war – unabhängig, ob auf dieser Position Handlungsbedarf besteht.
Wenn man das Geld hat, dann kann das schon passieren. Natürlich muss man genau beurteilen, ob es bei einem derartigen Transfer zu Konflikten kommt bei Spielern, die es nicht gewohnt sind, auch mal auf der Ersatzbank zu sitzen. Aber bei Werder Bremen sind wir durch die Finanzierbarkeit eingeschränkt. Diese Einschränkung setzt bei Bayern natürlich nicht so schnell ein.
 
Also war Robben ein Luxus-Transfer?
Man kann nie gut genug besetzt sein. Wenn man die Möglichkeit hat, so einen Spieler zu bekommen, dann würden wir auch sagen: Eigentlich sind wir im Sturm gut aufgestellt, aber dieser Akteur bietet zusätzliche Varianten. Dann würde ich so einen Transfer auch für uns nicht ausschließen – wobei ich befürchte, dass wir nicht so schnell in diese Situation kommen werden. Und es kommt auch immer auf die Erwartungen an.
 
Welche Erwartungen?
 
Es ist doch so: Wenn Bayern München einen Spieler verpflichtet, der unbekannt ist und der woanders nur auf der Bank oder gar der Tribüne gesessen hat, dann erfüllt das erst einmal nicht die Erwartungen des Umfelds. Das war bei uns anders, hat sich mittlerweile jedoch verändert. Wenn wir Champions League spielen und dann verstärken wir den Kader mit namenlosen Spielern, dann ist das Umfeld erst einmal enttäuscht. Und je erfolgreicher ein Verein ist, desto weniger Spieler gibt es, die den Kader wirklich verbessern können. Dennoch müssen wir bei Werder Bremen einen anderen Weg gehen als etwa Bayern München.
 
Wie sieht dieser Weg aus?
Wir können nicht einfach den Spieler verpflichten, der sich auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn befindet – weil der sich dann auch auf dem Höhepunkt befindet, was sein Gehalt angeht. Diese Spieler können wir uns nicht erlauben, deshalb müssen wir woanders ansetzen.
 
Also auf Transfer-Coups zu setzen. Durch fünf Champions-League-Teilnahmen in Folge werden die aber immer schwerer...
 
Auf jeden Fall, zumal die Konkurrenz mit Wolfsburg und Hoffenheim größer geworden ist. Und natürlich ist mittlerweile die Hoffnung da, dass es, wenn Werder Bremen anfragt, entsprechendes Geld gibt. Deshalb muss man nach diesen Schnäppchen gar nicht so sehr suchen, sie passieren einfach.

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