Klaus Allofs über Galopprennen

»Fünf Mark auf Sieg«

Klaus Allofs über GalopprennenImago

Herr Allofs, normalerweise fliegen Mädchenherzen auf Pferde, wie ist das bei Ihnen als Fußballer passiert?

Das liegt in meiner Kindheit begründet. Mein Großvater war Bäcker und Konditor und hatte in Düsseldorf ein eigenes Cafe. Seine einzige freie Zeit war der Sonntagnachmittag, weil dann die Familie im Cafe eingespannt war. Ich war dafür zu klein, und deshalb hat mein Großvater mich immer mitgenommen. Entweder sind wir zum Fußball gegangen oder zur Galopprennbahn auf den Grafenberg. Dorthin war es nur ein kurzer Fußweg durch den Wald.

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Wie alt waren Sie damals?

Vielleicht acht oder neun. Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich die Tickets der Zweierwette, die aus bunt bedruckter Pappe waren, vom Boden aufgesammelt habe. Zuhause habe ich dann mit meinem Opa geguckt, ob nicht vielleicht doch noch ein Treffer dabei war.

War mal einer dabei?

Leider nicht. Aber mein Interesse für die Galopper ist rasch intensiver geworden. Einer meiner Klassenkameraden hatte eine enge Verbindung zum Rennstall von Spaulding-Maggi, und wir haben uns die Nasen an den Fenstern der Buchmachergeschäfte platt gedrückt. Aber wir durften nicht rein, das war erst ab 18 erlaubt. Was man nicht darf, ist besonders interessant.

Aber zu den Rennen konnten Sie auch nicht, Sie haben sonntags in der Jugend Fußball gespielt.

Ach, das war kein großes Problem. Die Spiele in der A-Jugend waren immer sonntags um elf Uhr, und danach habe ich mich eben beeilt, um zu den Rennen zu kommen.

Wann haben Sie Ihre erste Wette gewonnen?

Das weiß ich gar nicht mehr, aber einer meiner ersten Wettgewinne war beim Orsini-Rennen in Neuss. Ich bin mit einem Freund mit der Straßenbahn von Düsseldorf nach Neuss gefahren. Vorher war ich noch nie in Neuss, und wir sind in die falsche Bahn gestiegen. Als wir das gemerkt haben, sind wir raus und zu Fuß weiter. Das hat ewig gedauert, und fast hätten wir das Rennen verpasst. Aber ich musste dorthin, denn ich war mir sicher, den Sieger zu kennen.

Kannten Sie ihn?

Ich hatte den richtigen Riecher, habe fünf Mark auf Sieg gewettet und sofort gedacht: Du musst höher wetten. Also habe ich nochmal fünf Mark auf Sieg gewettet. Das Pferd gewann dann auch, aber als ich das Geld abholen wollte, gab es weniger als gedacht. In der Aufregung hatte ich die zweiten fünf Mark nicht auf Sieg gewettet, sondern nur auf Platz. Eine sehr ärgerliche Sache.

Sind Sie ein Zocker?

Ach, viele kokettieren damit, dass sie beim Galopp nicht wetten. Aber das Wetten gehört doch dazu und macht Spaß. Natürlich gibt es Leute auf der Bahn, die auch wetten würden, wenn Schildkröten laufen würden. Aber für mich sind die Pferde und die Zucht faszinierende Dinge.

Deshalb haben Sie auch schnell ein Pferd gekauft?

Richtig, von meinem ersten Geld als Profi-Fußballer bei Fortuna Düsseldorf habe ich mir Wadima gekauft, eine Stute. Bevor ich ein größeres Auto hatte, hatte ich ein Pferd.

Ein gutes Pferd?

Ja, Wadima war eine gute Stute. Peter Lautner hat sie auf dem Grafenberg trainiert, und sie hat drei oder vier Rennen gewonnen. Anschließend habe ich sechs Jahre lang mit ihr gezüchtet, habe aber kein lebendes Fohlen bekommen.

Also haben Sie weitere Pferde gekauft?

Eine Menge (lacht). In meiner Zeit beim 1. FC Köln hatte ich meine Pferde bei Trainer Bruno Schütz, später in Krefeld bei Mario Hofer. Doch im Moment ist Sendepause.

Warum Sendepause?


Es gab den Punkt, an dem ich es nicht mehr alleine geschafft habe. Alles wurde zu viel, ich habe ja sogar eigene Rennfarben...

...welche?

Lila und Weiß, quergestreift, dazu eine weiße Kappe. Die Pferde sind dann aber nicht mehr unter meinem Namen gelaufen, sondern unter dem Namen des Stalls Gerricos. Den Stall haben wir mit einer paar Freunden gegründet. Der Name war auf Gerresheim bezogen, weil wir alle aus Gerresheim kamen. 2001 haben wir allerdings beschlossen, eine Pause zu machen.

Das Thema eigene Pferde ist damit aber nicht endgültig erledigt?


Überhaupt nicht.

Schaffen Sie es im Fußball-Stress überhaupt noch ab und an zur Rennbahn?

Diese Zeit nehme ich mir. Wenn wir mit Werder im Ausland sind, schaue ich mir dort Rennen an. Es gibt die Groundhopper im Fußball, die möglichst viele Stadien auf der Welt sehen wollen. So ein Groundhopper bin ich beim Galopp. Ist doch toll, zum Beispiel mal in Brasilien zur Rennbahn zu gehen.

Wo liegt die schönste Bahn der Welt?

Am faszinierendsten ist für mich Longchamp in Paris. Frankreich ist ein großes Land für Galopper. Als ich in Marseille gespielt habe, haben wir mit Blick aufs Meer und mit Blick auf die Rennbahn gewohnt, besser geht es nicht.

Haben Sie Rennen auf allen Kontinenten gesehen?


Ja, habe ich. Oder Moment. Afrika? Weiß ich gar nicht, ob ich in Afrika schon mal auf der Rennbahn war.

Gibt es überhaupt Galopp in Afrika?

Sicher. In Tunesien zum Beispiel, aber ich kann mich an kein Rennen dort erinnern. Wahrscheinlich war ich dann in Afrika auch noch nicht auf der Rennbahn.

Die schönste Bahn in Deutschland?

Ich habe Iffezheim nach dem Umbau noch nicht gesehen. Deshalb sage ich: Bremen. Jetzt werden viele die Stirn runzeln, aber ich finde die Bahn wunderbar.

Trotz der wunderbaren Anlagen geht es dem Galoppsport aber nicht gerade gut. Sie sind auch Sportmanager, was machen Ihre Kollegen dort falsch?


Wie kann ich darauf antworten? Ich sage es mal so: Wenn wir Langeweile haben, fangen wir eine Diskussion an über über den Galopprennsport, ein Thema ohne Ende.

Können Sie sich denn vorstellen, als Manager vom Fußball zum Galopp zu wechseln?

Nein! Galopp ist für mich ein wunderbares Hobby. Aber mein Geld verdiene ich weiterhin im Fußball, davon verstehe ich mehr.

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