18.07.2009

Klaus Allofs über Galopprennen

»Fünf Mark auf Sieg«

Der Fußball frisst die Zeit von Klaus Allofs, deshalb hat er seine Pferde verkauft. Doch für ein Gespräch über seine Leidenschaft, die Galopper, hat der Manager des Fußball-Bundesligisten Werder Bremen immer Zeit. Dann mal los.

Interview: Ralf Birkhan Bild: Imago
Herr Allofs, normalerweise fliegen Mädchenherzen auf Pferde, wie ist das bei Ihnen als Fußballer passiert?

Das liegt in meiner Kindheit begründet. Mein Großvater war Bäcker und Konditor und hatte in Düsseldorf ein eigenes Cafe. Seine einzige freie Zeit war der Sonntagnachmittag, weil dann die Familie im Cafe eingespannt war. Ich war dafür zu klein, und deshalb hat mein Großvater mich immer mitgenommen. Entweder sind wir zum Fußball gegangen oder zur Galopprennbahn auf den Grafenberg. Dorthin war es nur ein kurzer Fußweg durch den Wald.



Wie alt waren Sie damals?

Vielleicht acht oder neun. Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich die Tickets der Zweierwette, die aus bunt bedruckter Pappe waren, vom Boden aufgesammelt habe. Zuhause habe ich dann mit meinem Opa geguckt, ob nicht vielleicht doch noch ein Treffer dabei war.

War mal einer dabei?

Leider nicht. Aber mein Interesse für die Galopper ist rasch intensiver geworden. Einer meiner Klassenkameraden hatte eine enge Verbindung zum Rennstall von Spaulding-Maggi, und wir haben uns die Nasen an den Fenstern der Buchmachergeschäfte platt gedrückt. Aber wir durften nicht rein, das war erst ab 18 erlaubt. Was man nicht darf, ist besonders interessant.

Aber zu den Rennen konnten Sie auch nicht, Sie haben sonntags in der Jugend Fußball gespielt.

Ach, das war kein großes Problem. Die Spiele in der A-Jugend waren immer sonntags um elf Uhr, und danach habe ich mich eben beeilt, um zu den Rennen zu kommen.

Wann haben Sie Ihre erste Wette gewonnen?

Das weiß ich gar nicht mehr, aber einer meiner ersten Wettgewinne war beim Orsini-Rennen in Neuss. Ich bin mit einem Freund mit der Straßenbahn von Düsseldorf nach Neuss gefahren. Vorher war ich noch nie in Neuss, und wir sind in die falsche Bahn gestiegen. Als wir das gemerkt haben, sind wir raus und zu Fuß weiter. Das hat ewig gedauert, und fast hätten wir das Rennen verpasst. Aber ich musste dorthin, denn ich war mir sicher, den Sieger zu kennen.

Kannten Sie ihn?

Ich hatte den richtigen Riecher, habe fünf Mark auf Sieg gewettet und sofort gedacht: Du musst höher wetten. Also habe ich nochmal fünf Mark auf Sieg gewettet. Das Pferd gewann dann auch, aber als ich das Geld abholen wollte, gab es weniger als gedacht. In der Aufregung hatte ich die zweiten fünf Mark nicht auf Sieg gewettet, sondern nur auf Platz. Eine sehr ärgerliche Sache.

Sind Sie ein Zocker?

Ach, viele kokettieren damit, dass sie beim Galopp nicht wetten. Aber das Wetten gehört doch dazu und macht Spaß. Natürlich gibt es Leute auf der Bahn, die auch wetten würden, wenn Schildkröten laufen würden. Aber für mich sind die Pferde und die Zucht faszinierende Dinge.

Deshalb haben Sie auch schnell ein Pferd gekauft?

Richtig, von meinem ersten Geld als Profi-Fußballer bei Fortuna Düsseldorf habe ich mir Wadima gekauft, eine Stute. Bevor ich ein größeres Auto hatte, hatte ich ein Pferd.

Ein gutes Pferd?

Ja, Wadima war eine gute Stute. Peter Lautner hat sie auf dem Grafenberg trainiert, und sie hat drei oder vier Rennen gewonnen. Anschließend habe ich sechs Jahre lang mit ihr gezüchtet, habe aber kein lebendes Fohlen bekommen.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden