12.08.2007

Klaus Allofs im Interview

„Wir spielen kein Monopoly“

Als Werder-Manager baut Klaus Allofs in Bremen auch ohne die ganz große Namen Jahr für Jahr ein Spitzenteam zusammen. Er beschreibt den Ablauf von Vertragsverhandlungen und berichtet über sein Verhältnis zu Thomas Schaaf.

Interview: Tim Jürgens und Robert Mucha Bild: imago
Torsten Frings hat sich in der Bild-Zeitung lange vor dem Wechsel zum Thema Klose geäußert: Er solle halt gehen, wenn er weg wolle. Ist so ein Kommentar in einer Situation, in der Sie einen Spieler eigentlich halten wollen, nicht kontraproduktiv?
Es gibt bei uns keine festen Regeln, wer wann etwas sagen darf. Der Verein verlangt gerade von Torsten Frings sehr viel. Dann müssen wir ihm auch zugestehen, dass er seine Meinung zu Dingen äußert, die im Verein passieren. Aber Torsten hat das natürlich nicht in unserem Auftrag gesagt.

Dabei sitzt Frings im Porzellanladen. Schließlich hat er vor kurzem mit einem Wechsel zu Juventus geliebäugelt.
Torsten hat einen neuen Vertrag unterschrieben und steht 100-prozentig in der Verantwortung für Werder. Was vorher war, ist völlig egal.
Wären Sie manchmal gerne in der Rolle von Uli Hoeneß? Wenn ich eine Antwort auf diese Frage gebe, die Raum für Spekulationen bietet, ist das schlecht. Deshalb sage ich: Nein, wäre ich nicht!

Gibt es denn einen Manager, der für Sie Vorbildfunktion genießt?

Als Spieler hatte ich schon keine Idole. Damals waren für mich Leute wie Reiner Geye oder Dieter Herzog Vorbilder. Leute, die ich traf, wenn ich auf den Trainingsplatz marschierte. Und so ist es auch jetzt: Es gibt viele Manager, die gute Sachen machen und mich inspirieren. Insofern ist Uli Hoeneß ein absolutes Aushängeschild für unseren Berufszweig. Er ist erfolgreich, hat wie kaum ein anderer bei der Entwicklung des FC Bayern mitgewirkt und ist, mit kleinen Ausnahmen – wie dem Treffen mit Miro Klose im April in Hannover –, immer zuverlässig.

Gönnen Sie Hoeneß, dass er vor dieser Saison richtig tief in die Tasche greifen konnte und für Spielertransfers das Festgeldkonto des FC Bayern plündern darf?

Wir spielen in der Bundesliga kein Monopoly, wo alle Mitspieler vor der Saison das gleiche Startkapital erhalten. Bayern hat andere Möglichkeiten als wir, und es macht die Liga interessant, wenn hier demnächst Franck Ribéry und Luca Toni spielen. Allerdings haben die Einkäufe des FC Bayern für uns den Nachteil, dass durch die Investitionen die Preisspirale für Neueinkäufe nach oben geht.

In einem aktuellen Ranking hat dafür der SV Werder, was die Bonität der Bundesligavereine anbetrifft, den FC Bayern überholt.
Ich glaube keiner Statistik, wenn ich sie nicht selbst gefälscht habe. Tatsache ist, dass Bayern München sehr viel reicher ist als Werder Bremen – und das wohl auch immer bleiben wird.

Wo sehen Sie den SV Werder denn, gemessen an den Eliteklubs der Bundesliga, wirtschaftlich?
Auch Borussia Dortmund, der HSV, Schalke 04 oder der VfB Stuttgart haben durch ihr Umfeld oder das Stadion viel bessere Voraussetzungen als wir. Wenn der VfB Meister wird, steigt sofort Daimler wieder ins Sponsoring ein. Wenn es läuft, geht es diesen Vereinen viel schneller als uns sehr, sehr gut.

Warum hat Werder Bremen trotz konstanten Erfolgs immer noch diesen Wettbewerbsnachteil?
Weil die Stadt und das Umfeld nicht über Firmen mit großer Wirtschaftskraft verfügt, und wir auch kein Stadion mit einer Kapazität von 80 000 Zuschauern besitzen wie Borussia Dortmund.

Macht Ihnen bei Transfers auch die schwache Infrastruktur zu schaffen?
Nein, ein Spieler, der um jeden Preis in einer Metropole leben muss, der ist sowieso nicht der Richtige für uns.

Müssen Sie Top-Spielern vor einem Wechsel noch verklickern, dass Werder ein Sprungbrett zu internationalen Spitzenklubs ist?
Nein. Pizarro, Frings, Ailton, jetzt Klose. Jeder weiß, von Bremen aus geht es nach ganz oben. Dass Bremen keine Endstation sein muss, das wissen die Spieler, die hierher kommen. Aber hier können sie sich so entwickeln, dass sie in die Nationalmannschaft kommen und in der Champions League spielen. Und man kann bei uns inzwischen auch sehr gut verdienen – wenn auch nicht so gut wie bei Bayern München.

Wie nahe geht Ihnen der Weggang eines Spielers, der beim SV Werder zum Star wird?

Natürlich schmerzt es, wenn sich ein Spieler aus finanziellen Gründen von uns trennt. Aber in meiner Position muss ich in der Lage sein, schnell wieder zur Tagesordnung überzugehen.

Wie geht das? Verfahren Sie nach dem Motto: Aus den Augen, aus dem Sinn?
Es gibt im Managerberuf zwar keinen Medizinerschwur, aber für meine Kollegen aus der Geschäftsführung und mich steht eines über allem anderen: das Wohl des Vereins. Und dem müssen wir auch Personalien unterordnen. Beim Klose-Transfer wurde ich gefragt, wie es mit Miro in München nun weitergehe. Da habe ich gesagt: »Das ist nicht mehr mein Problem.« Es belastet mich auch nicht. Aber natürlich schauen wir genauer hin, wie es mit Spielern weitergeht, wenn sie uns verlassen. Bisher habe ich bei Spielen des FC Bayern besonders auf Claudio Pizarro geachtet, denn auch er bleibt ein Stückweit immer »unser« Spieler.

Hätten Sie erwartet, dass Claudio Pizarro nach den etwas missglückten Jahren beim FC Bayern noch mal bei einem Spitzenklub wie dem FC Chelsea unterkommt?
Warum nicht? Claudio hat bei Bayern eigentlich die meiste Zeit unter Wert gespielt. Wenn er bei uns geblieben wäre, hätte die Öffentlichkeit vielleicht eine höhere Meinung von ihm als Stürmer.

Claudio Pizzaro hätten Sie schon gerne behalten, oder?
Es ist immer ärgerlich, wenn wir eine Mitschuld tragen, dass ein Spieler uns verlässt: Bei Pizarros Verpflichtung mussten wir das Zugeständnis machen, ihn für eine festgeschriebene Ablösesumme ziehen zu lassen. Die hat Bayern gezahlt.

Welche Neuverpflichtung des FC Bayern tut Ihnen aus der jetzigen Perspektive am meisten leid?
Sie können nicht von mir erwarten, dass ich dazu etwas sage. Nur soviel: Ein Spieler kann noch so gut sein, wenn er sich in der Gruppe nicht durchsetzen kann, hat er schlechte Karten. Deswegen kann niemand voraussagen, wie sich das neue Team von Bayern München sortiert. Der Kader hat völlig neue Fixpunkte, verglichen zur letzten Saison.

Welcher Bereich Ihres Jobs macht Ihnen eigentlich besonders Spaß?
Interviews nach einem Sieg zu geben (lacht).

Und welcher fällt Ihnen eher schwer?
Wenn ich einem Spieler mitteilen muss, dass er keinen neuen Vertrag mehr erhält. Stellen Sie sich vor, Sie müssen so was einem Spieler sagen, der große Verdienste für den Verein geleistet hat. Ich erinnere mich gut an die Gespräche mit Andi Herzog, Dieter Eilts, Frank Verlaat oder zuletzt mit Andreas Reinke.

Da hat auch ein cleverer Manager einen Kloß im Hals.
Früher schon, inzwischen habe ich etwas Routine bekommen. Aber natürlich ist es schöner, einem Spieler einen neuen Vertrag anzubieten und der antwortet: »Oh, soviel habe ich gar nicht erwartet.«

Kommt das vor?
Heutzutage leider nicht mehr (lacht).

Sind Sie mit allen Spielern per Sie?
Nein, aber wir pflegen hier einen lockeren Umgangston. Mit Torsten Frings und Frank Baumann, die schon lange hier sind, bin ich zum Beispiel per Du. Wichtig ist, dass die alle wissen, wo die Grenze ist.

Geben Sie auch Spielern, deren Leistungskurve nach unten zeigt, aufgrund Ihrer integrativen Fähigkeiten oder der sozialen Kompetenz innerhalb der Gruppe einen neuen Vertrag?
Nein, ein Profiklub braucht kein Mannschaftsmaskottchen, das unheimlich gut Teamabende organisiert, aber im Training jeden Ball verliert.

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