Klaas Reese erfindet das erst Fußball-Twitter-Hörspiel zum EM-Finale

»36 Stunden nonstop im Studio«

TKKG können einpacken: Klaas Reese erschuf gemeinsam mit einem Freund das erste Fußball-Twitter-Hörspiel. Wir sprachen mit Klaas über endlose Nächte im Studio, stockende Magisterarbeiten und ZDF-Expertin Jeannine Michaelsen.

Klaas Reese, seit gestern steht das erste Fußball-Twitter-Hörspiel im Netz und wird mächtig abgefeiert. Wie kamst Du auf die Idee?
Ich saß zum Ende der letzten Saison zu Hause und schaute Bundesliga. Und es war sterbenslangweilig. Also habe ich parallel mal bei Twitter geschaut, was so in meiner Timeline los ist. Und siehe da: Es war tausend Mal interessanter als das, was auf dem Rasen passierte. So entstand die erste Idee, diesen Wahnsinn einmal besonders zu verarbeiten. Also habe ich meinem Kumpel Simon Kamphans von meiner Hörspiel-Idee erzählt. Er hat bereits Erfahrung mit der Produktion von Hörspielen und zudem ein kleines Studio. Das war von Vorteil.

Ihr habt die EM als Testfeld ausgewählt.
Wir haben uns das EM-Finale als Spiel ausgewählt. Natürlich haben wir insgeheim gehofft, dass Deutschland gegen Spanien spielt. Aber rückblickend betrachtet, war es besser für unser Projekt, dass es Italien geschaft hat.

Warum?
Ganz einfach: Die Leute hatten einfach mehr Zeit zu twittern, weil sie das Spiel ganz entspannt gucken konnten. Wenn Deutschland im Finale gestanden hätte, wäre vermutlich weniger los gewesen.

Das Ergebnis ist ein 13-minütiges Hörspiel, das beim Zuhören automatisch das Kopfkino anwirft. Wie viele Arbeitsstunden stecken dahinter?
Als ich Simon das erste Mal von meiner Idee erzählt habe, sagte er nur: »Ich bin dabei, aber nur, wenn wir nach einem Tag fertig sind. Ich muss meine Magisterarbeit schreiben.« Wir planten also, am Montagmorgen mit dem Hörspiel online zu gehen.

Woran scheiterte diese Idee?
Natürlich haben wir den Aufwand total unterschätzt. Ich hatte während des Endspiels bereits alle Tweets favorisiert. Als ich sie nach Abpfiff sammelte, kamen am Ende 20 DIN-A4-Seiten aus dem Drucker. In der Nacht habe ich eineinhalb Stunden geschlafen. Dann sind wir ins Studio. Da war schnell klar: Den Montag schaffen wir nicht!

Und Simon stieg aus?
Nein, uns packte einfach der Perfektionismus. Das ganze Team war total heiß. Es entwickelte eine richtige Eigendynamik. Irgendwann haben wir entschieden, dass wir erst rausgehen, wenn alle zufrieden sind.

Wer hat das Projekt finanziert?
Das war eine totale No-Budget-Produktion. Ohne Simon, seinen Kumpel Matthias Lang, der die Musik produziert hat und die ganzen Sprecher, die ich umsonst gewinnen konnte, wäre das ganz Ding schon tot gewesen, bevor ich den Drucker angestellt hätte.

Wo findet man gute Sprecher für so ein Projekt?
Ich war lange beim Kölner Hochschulsender Kölncampus und habe da zusammen mit vielen talentierte Leuten eine Sportsendung gemacht. Die waren sofort Feuer und Flamme.

Wird Twitter als Fußball-Info-Medium eigentlich immer noch unterschätzt?
Ich meine schon. Für viele ist das, was auf Twitter passiert noch immer sinnlose Spielerei. Aber da passiert mittlerweile viel mehr als nur ein paar dumme Sprüche. Viele schnelle Analysen sind wirklich erstaunlich. Dem ZDF könnte man beispielsweise empfehlen da mal reinzuschauen.

Dabei hat der ZDF-Fußballstrand doch mit Jeannine Michaelsen eine echte Exptertin aus dem Hut gezaubert. Sogar Oliver Kahn weiß jetzt, was Twitter ist.
Ich war wirklich verwundert, was da in Usedom passiert. Im Grunde hat das ZDF eine richtig gute Social-Media-Abteilung. Und dann kommt da diese durchaus charmante Frau und verliest nur dumpfe Nachrichten und Werbebotschaften von Lukas Podolski. Im Grunde kann man sagen, die Twitter-Abteilung hat sich nahtlos an die Leistungen des Fußballstrand-Teams angepasst.

Die ARD erfand bei großen Turnieren zusammen mit der Band »Blumentopf« die Raportage. Vielleicht klopft das ZDF ja bald bei Euch an und macht ein neues Genre auf?
Schön wäre es, denn so viel Spaß das auch gemacht hat. Wir könnten es uns nicht leisten, so etwas für den Spaß an jedem Wochenende zu machen. Der Aufwand war wirklich extrem.

>>Hier geht es zum Hörspiel »#finale – Quelle: Fremdmaterial«

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