27.09.2009

Kim Kulig im Interview

»Figo ist mein Idol«

Von all den Spielerinnen, die mit Blick auf die WM 2011 in die Nationalelf drängen, ist Kim Kulig am weitesten. Hier spricht sie über Cristiano Ronaldos Millionen, die schlimmste Gelbe Karte ihres Lebens und warum sie zur Kripo wollte

Interview: Maike Schulz und Jens Kirschneck Bild: Imago
Stimmt es, dass Ihr Idol Luis Figo ist? 

Ja, das stimmt.

Warum gerade Figo? 

Ich hab ihn mit acht Jahren das erste Mal spielen sehen, das war sogar ein Spiel Portugal gegen Deutschland, glaube ich. Dabei ist er mir gleich aufgefallen und hat ein richtig geiles Tor geschossen. Danach war ich Fan von ihm, insbesondere während seiner Zeit bei Real Madrid. Im Grunde bin ich es immer noch, auch wenn er mittlerweile aufgehört hat.



Gibt es Parallelen im Spiel? 

Früher vielleicht, als ich noch auf der gleichen Position gespielt habe, im rechten Mittelfeld. Da habe ich immer zu Figo aufgeschaut und versucht, so zu spielen wie er. Man darf ja auch nicht vergessen, dass er ein sehr mannschaftsdienlicher Spieler ist, Vorbereiter und Torschütze zugleich. Das hat mich inspiriert.

Wie würden Sie Ihr Spiel beschreiben? 

Ich komme ja eigentlich aus dem Sturm und spiele beim Hamburger SV offensiver als in der Nationalelf, doch ich glaube, dass mir die Sechserposition, die ich hier ausfülle, gut gefällt. Man hat das Spiel in der Hand, muss nach vorne und hinten arbeiten. Ich bin technisch gut und habe ein sauberes Passspiel. Das Defensivverhalten muss noch besser werden.

Ist es Zufall, dass Ihr großes Idol ein Mann ist und keine Frau? 

Ist doch klar, dass ich früher öfter Männer- als Frauenfußball gesehen habe. Frauenfußball war im Fernsehen nicht wirklich präsent, da ist es normal, dass man sich jemanden zum Vorbild nimmt, den man häufiger spielen sieht. Inzwischen sieht das ein bisschen anders aus, da hat auch der Frauenfußball seine Stars.

Wie sind Sie zum Fußball gekommen? 

Fußball war eigentlich erst nur mein Drittsport. Ich habe Leichtathletik gemacht und bin BMX gefahren.

Als Leistungssport? 

Sagen wir mal so, ich war gut dabei. Ich hätte sicher auch eine Leichtathletikkarriere beginnen können. Aber dann haben wir immer auf dem Schulhof mit den Klassenkameraden gekickt, und die meinten, ich solle mal mit zum Training kommen. Meine Eltern haben das erst nicht erlaubt, weil ich ja bereits zwei Sportarten betrieben habe. Ich bin aber heimlich zum Training gegangen, danach hat der Trainer bei meinen Eltern angerufen und sie überredet. Ab da war Fußball mein dritter Sport, nach Leichtathletik und BMX.

Wann hat sich das umgekehrt? 

Mit BMX habe ich aufgehört, weil es zu gefährlich war. Meiner Mutter war das auch lieber, als sie sah, wie sich bei einem Rennen jemand den Lenker in den Bauch gerammt hat. Am Fußball hat mich aber auch fasziniert, dass es ein Mannschaftssport ist, das liegt mir viel mehr. Wenn ein Leichtathletikwettkampf war und nebenan haben die Jungs gekickt, habe ich lieber dort zugesehen. Also habe ich irgendwann nur noch Fußball gespielt.

Was fasziniert Sie daran? 

Das Mannschaftsgefühl. Man gewinnt zusammen, man verliert zusammen, teilt schöne und manchmal auch bittere Momente. Bei der Leichtathletik fand ich es irgendwann langweilig, im Kreis zu laufen und die anderen immer nur rechts und links neben mir zu haben. Mit einem Ball hat man außerdem mehr Spaß als mit einem Staffelholz.

Nerven die Mitspielerinnen nicht, wenn man aus einer Einzelsportart kommt? 

Ich kenne das ja aus meiner Familie, ich habe fünf Geschwister. Da lernt man, sich anzupassen.

Sie sind mit 17 Jahren aus Sindelfingen zum Hamburger SV gewechselt. War das hart, gerade weil Sie eine solch enge Verbindung zur Familie haben? 

Natürlich war das schwer, aber es war auch nötig. Aus meiner Sicht musste ich Erste Liga spielen. Den Trainer beim HSV kannte ich, weil er mich bereits in der Württemberg-Auswahl trainiert hatte. So hatte ich zwar eine große Distanz nach Hause, aber wenigstens einen vertrauten Coach. Später haben sich dann auch ein paar süddeutsche Bundesligisten gemeldet, doch da hatte ich schon in Hamburg unterschrieben und habe das auch nicht bereut.

Das heißt, ein möglicher Wechsel zum 1. FFC Frankfurt, der im Frühjahr für Wirbel sorgte, ist vom Tisch? 

Auf jeden Fall. Von Frankfurt aus wäre mit der Familie vieles einfacher gewesen, aber ich werde meinen Vertrag in Hamburg erfüllen und bin auch nach wie vor sehr zufrieden dort.

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