KFC-Präsident Lakis über den Polizeieinsatz von Ratingen

»Es stand in keinem Verhältnis«

Am Samstag wurde das Spiel zwischen Ratingen und Uerdingen wegen angeblichen Fan-Ausschreitungen abgebrochen. KFC-Präsident Lakis bekam dabei Pfefferspray ins Gesicht. Wir sprachen mit ihm über einen übertriebenen Polizeieinsatz. KFC-Präsident Lakis über den Polizeieinsatz von RatingenYoutube

Agissilaos Kourkoudialos, wie geht es Ihnen?

Agissilaos »Lakis« Kourkoudialos: Besser mittlerweile, das Auge schmerzt allerdings noch. Als ich die Ladung Pfefferspray ins Gesicht bekam, rang ich eine halbe Stunde nach Luft.

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Die Sechstligapartie Germania Ratingen gegen KFC Uerdingen wurde am Samstag beim Stand von 2:1 abgebrochen. Sie gerieten zwischen die Fronten. Was ist passiert?

Agissilaos Kourkoudialos: Es war eine Abfolge von Ereignissen auf und neben dem Platz. Zunächst mussten wir den 1:1-Ausgleich hinnehmen und unser Keeper Karagiannis bekam die Rote Karte. Dann wurde eine Rauchbombe gezündet, der Stadionsprecher ermahnte die Germania-Fans. Wenige Minuten später fiel das 1:2 und einige unserer Anhänger traten wütend gegen die Werbebanden.

Eine aufgeheizte Stimmung.

Agissilaos Kourkoudialos: Durchaus, doch die Stimmung heizte sich erst richtig auf, als etwa 80 Polizisten in martialischer Aufmachung in den Block marschierten. Hunde, Schlagstöcke, Helme – das wirkt nicht gerade beruhigend.

Wo standen Sie zu dem Zeitpunkt?

Agissilaos Kourkoudialos: In dem Moment rannte ich von der Trainerbank zum Block. Ich wollte dem Einsatzleiter erklären, warum es besser sei, dass ich mit unseren Fans spreche. Ein Polizist versprach mir dann, den Einsatzleiter zu suchen. Doch er kam nicht. Also bin ich alleine in den Block, und habe dort versucht, unsere Anhänger im direkten Gespräch zu beruhigen. Wenige Sekunden später stellte ich mich einem weiteren Polizisten vor und versuchte auch ihn zu überzeugen, dass unsere Leute friedliebend sind und ich die Lage entspannen könnte. Doch statt mich dazu zu autorisieren, verpasste er mir eine Ladung Pfefferspray.

Was für Leute standen denn im Block?

Agissilaos Kourkoudialos: Ein bunt gemischter Haufen. Da standen Kinder, auch einige Mädchen. Ein junger Mann wurde von einem Hunde gebissen, auch er bekam Pfefferspray ins Gesicht, danach schlug ihm ein Polizist eine Gaspulle auf den Kopf. Der Fan vermutet, dass dies der gleiche Polizist war, der auch mich angriff.

Die Kreispolizeibehörde spricht von 300 Fans im Uerdinger Block, 50 seien stark alkoholisiert gewesen, 30 der Kategorien B oder C zuzuordnen.

Agissilaos Kourkoudialos: Eine Fehleinschätzung, die ich schon häufig gehört habe. Vor einigen Monaten spielten wir in Oberhausen, damals kam ich sehr zeitig zum Spiel, war etwa zweieinhalb Stunden vor dem Anpfiff da. Ich unterhielt mich mit einem Sicherheitsverantwortlichen von RWO. Dieser Mann erzählte mir – er wusste nicht, wer ich bin – von hohen Sicherheitsmaßnahmen für das gleich stattfindende Spiel gegen Uerdingen. Man erwartete sage und schreibe 100 Fans der Kategorie C. Die Zahl kam mir astronomisch hoch vor. Wieder in Krefeld informierte ich mich also bei unserem Sicherheitschef über die angeblichen 100 Hooligans aus der KFC-Fanszene. Ich erfuhr dann, dass wir de facto zehn Anhänger der Kategorien B oder C haben. Insgesamt wohlgemerkt! Und von diesen zehn gewaltbereiten Fans kämen nur Bruchteile zu den Spielen.

Sie erstatten nun Anzeige gegen den Polizisten.

Agissilaos Kourkoudialos: Es gibt über 700 Fotos und etliche Videos. Ich bin recht zuversichtlich, dass die Anzeigen der Fans und von mir Erfolg haben werden. 

Was sagen Sie zu dem Vorwurf, dass ein Polizist schwer verletzt worden sei.

Agissilaos Kourkoudialos: Ich habe weder auf den Fotos noch auf den Videos einen schwerverletzten Polizisten gesehen. Auch haben mir anwesende neutrale Fotografen oder Journalisten bestätigt, dass sie keinen verletzten Polizisten gesehen haben. Auf einem Youtube-Video sieht man allerdings einen Beamten, der von seinem eigenen Hund gebissen wird. Vermutlich ist es dieser, den die Polizei »schwerverletzt« nennt.




Es heißt außerdem, die Maßnahmen und Vorkehrungen seien gerechtfertigt gewesen, weil Spiele im Düsseldorfer Raum mit einem gewissen Risiko behaftet sind.

Agissilaos Kourkoudialos: Das bestreitet auch niemand. Wir haben mehrmals selbst erlebt, wie fremde Fans unseren Block enterten, zum Beispiel im September 2010 bei den Sportfreunden Baumberg. Damals kamen zahlreiche Fans aus dem Fortuna-Umfeld zum Spiel, sie klauten Fahnen, zettelten Schlägereien im Uerdinger Block an oder demolierten Autos unserer Anhänger. Und trotzdem: Beim Spiel in Ratingen stand das Einschreiten gegen die KFC-Fans in keinem Verhältnis zu den Ereignissen. Da wurde aus einer Mücke ein Elefant gemacht.

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