08.11.2007

Kevin-Prince Boateng im Interview

„Ich vermisse die Currywurst“

Im Sommer verließ Kevin-Prince Boateng Berlin und ging in das noch größere London. Wie es ihm dort ergeht, welche Frisuren er plant und von seinen neuen Freunden, „the three from the petrol station“, berichtete er uns im Interview.

Interview: Markus Hesselmann Bild: Imago
Sie sind im Sommer von Hertha BSC zu Tottenham Hotspur gewechselt, wurden aber erst jetzt, am zwölften Spieltag, zum ersten Mal in der Premier League aufgestellt. Haben Sie schon an sich gezweifelt?

Ich habe mit der Mannschaft trainiert, aber nur im Reserveteam gespielt. Ich hatte das Gefühl, nicht richtig integriert zu sein. Manchmal war ich im Kader und wurde vor dem Spiel dann doch wieder gestrichen. Das war schwierig, da stellt man sich Fragen. Ist doch ganz normal. Ich habe mir Gedanken gemacht: London ist eine schöne Stadt, mit meiner Familie ist alles wunderbar. Es ist alles gut, aber es fehlt etwas: das erste Spiel.



Haben Sie sich gefreut, dass Juande Ramos als Trainer für Martin Jol zu Tottenham Hotspur kam? Immerhin wollte er Sie vor der Saison zum FC Sevilla holen.

Ich dachte nur, dass nun jeder seine Chance bekommt, wie immer, wenn ein neuer Trainer kommt. Aber ich hatte Angst, dass Ramos vielleicht sauer auf mich ist, weil ich damals nicht zu ihm gewechselt bin. Das hätte also auch nach hinten losgehen können.

Was ist der Unterschied zwischen Jol und Ramos?


Ramos ist ein Typ, der alle integrieren will, die ganze Mannschaft. Das ist sehr wichtig für uns.

Wann haben Sie erfahren, dass Sie gegen Middlesbrough endlich zum Einsatz kommen?

Wir gingen vor dem Spiel spazieren. Ramos kam zu mir. Sein erster Satz war: Du spielst heute. Der zweite war: Wenn du nicht gut spielst, bringe ich wieder einen anderen. Das hier ist Profi-Fußball.

Er hat gleich einen ganz schönen Druck aufgebaut.

Das war ein ganz schöner Druck. Aber so ist es gut. Ich finde es gut, dass er gleich ehrlich mit mir war.

Waren Sie mit dem Spiel zufrieden?


Für das erste Spiel war es okay. Ich war auf dem Platz, habe geredet, war integriert. Als ich heimkam zu meiner Frau, war ich immer noch voll mit Adrenalin.

Rechnen Sie damit, jetzt auch am Donnerstag im Uefa-Cup in Tel Aviv zu spielen?

Ich bin im Kader. Ich hoffe, dass ich meine nächste Chance bekomme.

Was ist anders am englischen Fußball? Warum tun sich viele frühere Bundesligaspieler hier so schwer?

Das Tempo. Es ist viel schneller als in Deutschland, es geht immer nur geradeaus nach vorn. In Deutschland hat man manchmal die Möglichkeit, sich etwas zurückfallen zu lassen.

Warum kam dann Ihr Ex-Hertha Kollege Christopher Samba bei Blackburn gleich so gut klar?

Das ist sein Talent. Das britische Spiel ist perfekt für Samba: Er ist kräftig, er kann tackeln, er ist schnell, er kann hoch springen.

Haben Sie Kontakt?

Wir haben kurz gesprochen nach dem Spiel gegen Blackburn.

Auch über Ihre gemeinsame Zeit in Berlin?


Nein. Wir blicken nur nach vorn.

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