20.08.2012

Kevin Kuranyi über Stuttgart, Scheißfragen und Mayonnaise

»Ich hoffe, die Wunden sind verheilt«

Nach zwei Jahren in Moskau kehrt Kevin Kuranyi am Mittwoch in der Europa-League-Qualifikation mit Dynamo Moskau zu seinem Ex-Verein VfB Stuttgart zurück. Ein Gespräch über Sehenswürdigkeiten, Mayonnaise und Pussy-Riot.

Interview: Benjamin Kuhlhoff Bild: Imago

Kevin Kuranyi, zuallererst bitte ich Sie um Entschuldigung.
Wieso, was haben Sie getan?

Vor Ihrer Rückkehr nach Stuttgart haben Sie doch sicherlich einen Interview-Marathon hinter sich. Das muss doch nerven, wenn man sich eigentlich auf das Fußballspielen konzentrieren möchte. Mal ehrlich, welche Frage können Sie nicht mehr hören?
Hm, darf ich wirklich nur eine nennen (lacht). Nein, im Ernst, ich verstehe, dass das eine besondere Situation ist. Immerhin kehre ich im Europapokal zu meinem Heimatverein zurück. Ist doch klar, dass das Interesse da größer ist.
                
Am Mittwoch spielen Sie mit Ihrem Klub Dynamo Moskau gegen den VfB Stuttgart. Kann man sagen, Sie kommen endlich wieder nach Hause?
Natürlich, Stuttgart ist meine Heimat. Dort habe ich einen Großteil meiner Jugend verbracht, bin Profi geworden, meine Familien und sehr viele Freunde wohnen noch dort. Ich freue mich riesig, wieder zurückzukommen und alle wiederzusehen. Für mich war auch immer klar, dass ich nach meiner Karriere nach Stuttgart zurückkehren werde. Stuttgart ist meine Stadt!

Kennt man das als Profifußballer überhaupt: eine Heimat? Oder ist die immer dort, wo der nächste Vertrag winkt?
Als Profi ist man im Grunde immer auf Wanderschaft. Wir hatten in der letzten Saison allein in der Liga zwanzig Auswärtsspiele. Das heißt zwanzig Mal Koffer packen, zwanzig Mal Reisen, zwanzig Mal ein anderes Hotel. Deswegen ist es wichtig, dass man sein Zuhause hat. Einen Ort, an dem man sein Privatleben führt. Und das muss für mich immer da sein, wo ich spiele. Früher war es Stuttgart, dann Gelsenkirchen, jetzt eben Moskau. Ich finde es toll hier, habe mich schnell eingelebt und komme super zurecht.

Wenn man so will, sind Profis im Grunde wie Zimmermänner: Sie machen Ihre Ausbildung im heimatlichen Betrieb, gehen dann hinaus in die weite Welt und kehren irgendwann in Ihr Heimatdorf zurück.
Ja, genau. Als Profi lernt man von der ganzen Welt. Wir haben zum Beispiel über zehn verschiedene Nationalitäten in der Mannschaft: Australier, Argentinier, Russen, nicht zuletzt ich als Deutscher. Da kann man schon während einer Trainingseinheit eine halbe Weltreise machen. Aber an einer Stelle passt der Vergleich zum Handwerker nicht: Ich kenne keinen Profi, dem ich ohne Zweifel einen Hammer in die Hand drücken würde. (lacht)

Sie leben seit zwei Jahren in der Millionenmetropole Moskau. Was vermissen Sie im Alltag am beschaulichen Stuttgart?
Hier kann man nicht mal eben zum Bäcker an der Ecke gehen, weil alles so unglaublich groß ist. In Stuttgart ist man überall innerhalb von 15 Minuten. Wenn man hier Pech hat, steht man drei Stunden im Stau. Die kurzen Wege, dieses Vertraute, das vermisse ich an Stuttgart schon ein bisschen.

Derzeit herrscht in Moskau Aufruhr wegen des harten Urteils gegen die Punkband »Pussy Riot«. Kriegen Sie so etwas überhaupt mit?
Natürlich liest man davon, ich habe auch Bilder von den Protesten gesehen. Aber ich bitte Sie um Verständnis, dass ich mich zu diesem Thema nicht äußern möchte.

Sie sind zwar mit Ihrer Mannschaft nur kurz in Stuttgart. Bleibt denn da Zeit, um den Kollegen eine kleine Stadtführung anzubieten?
Ich habe schon nachgefragt, ob das geht, aber es sieht eher schlecht aus. Wir müssen schnell zurück nach Moskau und uns auf die Liga konzentrieren.

Aber, wenn Sie könnten, was würden Sie Ihren Mitspielern unbedingt zeigen?
Ich würde die kleine Tour vorschlagen: Rauf auf den Fernsehturm, dann zum Stäffele, später ein Eis am Schlossplatz und zum Abschluss dann ein bisschen Shopping auf der Königsstraße.

Überwog denn die Freude, als Sie vom Los hörten oder waren Sie eher traurig, weil Sie Ihren Ex-Klub schon so früh aus dem Wettbewerb werfen müssen?
Ich habe mich zuallererst gefreut, weil es für mich ein besonderes Spiel wird. Aber natürlich hätte ich mir einen leichteren Gegner in der Qualifikation gewünscht. Stuttgart hat eine sehr gute Mannschaft gegen die wir es schwer haben werden.

Mit Cacau steht immerhin noch ein ehemaliger Mitspieler aus Ihren Stuttgarter Zeiten im Kader. Gab es bereits eine erste Kontaktaufnahme?
Cacau ist nicht der Einzige, den ich wiedertreffe. Mit Fredi Bobic habe ich sogar noch in der Nationalmannschaft gespielt, mit Tim Hoogland später beim FC Schalke. Dennoch lässt man sich vor so einem Spiel in Ruhe. Da gibt es keine Sticheleien. Außerdem werden auch viele Freunde und Verwandte von mir im Stadion sein. Ich freue mich einfach, alle mal wieder in den Arm zu nehmen.

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