Kevin Kuranyi über die Nationalelf

»Ich hoffe auf eine Chance«

Kevin Kuranyi über die Nationalelf
Heft#98 01/2010
Heft: #
98

[…]Mit wem haben Sie das Eröffnungsspiel der Weltmeisterschaft 2006 geguckt?

Mit ein paar Freunden in Panama. Und als Philipp Lahm das 1:0 gegen Costa Rica schoss, bin ich aufgesprungen und habe gejubelt. Ich weiß, worauf Sie hinaus wollen ...

Der damalige Bundestrainer Jürgen Klinsmann hatte Sie nicht nominiert.

Es war hart. Es war schwierig. Es war schlecht für meine Karriere. Eine Woche lang hatte ich keine besonders gute Laune. 

Sind Sie bewusst vor dem Trubel nach Panama geflüchtet?

Es war schlimm genug, nicht dabei zu sein. Da wollte ich mich nicht auch noch auf der Fanmeile herumtreiben. 

Ein halbes Jahr später feierten Sie unter Klinsmanns Nachfolger Joachim Löw Ihr Comeback in der Nationalmannschaft. Sie schossen beide Treffer beim Sieg gegen Tschechien und waren gegen Dänemark sogar Kapitän. Sie schienen angekommen.

Ich habe mir meinen Platz zurück erkämpft. Was passiert war, wollte ich vergessen.

Dann kam das Qualifikationsspiel in Dortmund gegen Russland.

Das erste Spiel in meiner Karriere, das ich auf der Tribüne verbringen musste. Sie können sich vielleicht vorstellen, wie es einem Schalker Spieler auf der Dortmunder Tribüne ergeht. Die Leute sagen Dinge, die alles andere als schön sind.

Sie verließen das Stadion und den Kreis der Nationalmannschaft.

Ja. Das war eine Kurzschlusshandlung. Es war wie ein Luftballon, der geplatzt ist: erst die Nichtnominierung für die WM, dann bekam ich keine richtige Chance bei der EM – und schließlich dieser Abend auf der Tribüne.

Ihr erster Gedanke am Morgen danach?

Die ganze Woche war nicht einfach. Aber auch sehr lehrreich. Ich habe gesehen, wer wirklich mein Freund ist. Einige hielten meine Reaktion für übertrieben. Aber wie gesagt: Das war eine Entscheidung aus dem Moment heraus. Nicht komplett rational. Einige Mitspieler aus der Nationalmannschaft haben mich verstanden – menschlich. Aber dass das karrieretechnisch unklug war, haben sie natürlich auch gewusst.

Waren Sie überrascht, als Löw zwei Tage später verkündete, dass Sie keine Zukunft mehr in der Nationalmannschaft haben?

Ja, das ging ziemlich schnell. Aber ich habe es auch schnell akzeptiert.

Warten Sie insgeheim auf einen neuen Bundestrainer, der Ihnen eine neue Chance gibt?


So denke ich nicht. Für mich ist die Frage: Wie kann ich es schaffen, einen Menschen und seine Meinung zu ändern? Es gibt nicht nur den Bundestrainer Löw und den Spieler Kuranyi, sondern auch die Menschen dahinter. Deshalb hoffe ich, dass ich eines Tages eine neue Chance bekomme.[…]

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