25.03.2014

Kevin Großkreutz über Maloche, Leidenschaft und Mario Götze

»Meinen Traum habe ich nie aufgeben«

Seine große Liebe schickte ihn fort, doch er kam wieder. Heute ist Kevin Großkreutz der Lokalheld beim BVB. Und würde sich am liebsten selbst zujubeln. Für das 11FREUNDE SPEZIAL »Rivalen an der Ruhr« (jetzt im Handel) trafen wir ihn zum großen Interview.

Interview: Dirk Gieselmann Bild: Imago

Kevin Großkreutz, hatten Sie je eine andere Möglichkeit, als den BVB zu lieben?
Nein, das liegt bei mir in den Genen. Ur-Opa, Opa, Oma, Vater, Mutter – sie alle standen schon auf der Südtribüne. Wir sind nun mal eine Familie von Borussen.

Ihr Vater Martin war Schlosser auf der Zeche Minister Stein, ein Malocher.
Auch da bleibe ich ja irgendwie in der Familientradition. Ich denke, dass meine Spielweise zeigt: Ich weiß, was Arbeit bedeutet. Obwohl ich nicht unter Tage bin.

Wollten Sie immer schon Fußballer werden?
Solange ich denken kann, habe ich davon geträumt, für den BVB zu spielen.

Wann wurde Ihnen klar, dass sich dieser Traum wirklich erfüllen könnte?
Das war in der B-Jugend bei Rot Weiss Ahlen, damals wurde ich von Werner Lorant hochgezogen und durfte mit der ersten Mannschaft trainieren. Da wusste ich: Ich kann es packen!

In Ahlen vielleicht.
Meinen Traum, für den BVB zu spielen, habe ich auch im Münsterland nicht aufgegeben.

Ihre Liebe muss wirklich groß sein. Man hatte Sie 2002, das waren Sie 14 Jahre alt, beim BVB für zu leicht befunden und fortgeschickt.
Das war schon eine riesige Enttäuschung. Für mich ist eine Welt zusammengebrochen. Aber ich habe immer unterschieden: Ich war zwar in diesem Moment sauer auf den Jugendtrainer, der mich nicht mehr wollte, aber niemals auf den Verein als Ganzes.

Als Sie schon mit Ahlen in der zweiten Liga spielten, sind Sie trotzdem noch zu den Auswärtsspielen der Borussia gefahren.
Hartes Programm. Einmal war ich am Samstagnachmittag mit den Kumpels bei 1860 München, bin nachts mit dem Bus zurückgefahren, und Sonntagnachmittag stand ich in Ahlen auf dem Platz. Ich war so erschöpft und schlecht drauf, dass unser Trainer Christian Wück mir solche Ausflüge für die Zukunft verbot.

Und, haben Sie sich daran gehalten? 
Jetzt kann ich’s ja sagen: nein. Schöne Grüße an Christian Wück, wenn er das hier liest. Ich konnte nicht anders, Trainer!

Im Frühjahr 2009 kam tatsächlich der Anruf: Der BVB wollte Sie zurück.
Oh ja! Da bin ich mit meinen Eltern durchs Haus gehüpft vor lauter Freude. 

Heute sind Sie in der Mannschaft der Integrationsbeauftragte: Mit den Neuzugängen fahren Sie durch die Stadt und zeigen ihnen die schönsten Ecken, die sie ohne Ihre Hilfe wohl gar nicht als solche erkennen würden.
Ja, ob Shinji Kagawa oder Henrikh Mkhitaryan: Ich bringe den Jungs bei, was es bedeutet, Borusse zu sein.

Was bedeutet es denn?
Leidenschaft, Herz – und Arbeit. Dortmund war eine Malocherstadt und ist es vom Gefühl her immer noch. Deswegen setze ich mich mit meinen neuen Kollegen nicht nur ins Café, sondern zeige ihnen die Zechen. Und auch auf dem Platz versuche ich, ihnen die Malochermentalität vorzuleben: sich reinhängen, alles geben, einander helfen. Ich weiß, wo ich herkomme und was ich zu tun habe.

Manchmal erteilen Sie den Neuen sogar Gesangsstunden.
Das gehört auch dazu. Mit dem Micki habe ich letzten Sommer im Trainingslager das Zimmer geteilt und ihm gleich morgens beim Aufwachen die Vereinslieder vorgesungen. Ich möchte meine Leidenschaft übertragen. Denn in Dortmund kann man nur mit Leidenschaft spielen. Wer keine hat, braucht es hier gar nicht erst zu versuchen.

Gab es Spieler, die diese Leidenschaft nicht hatten und es dennoch beim BVB versuchten?
In den Jahren, in denen ich hier Profi bin, war kein einziger dabei. Die Jungs hauen sich alle hundertprozentig rein.

Das war mal anders. Vor sechs Jahren wäre der BVB beinahe abgestiegen, die Truppe wirkte ziemlich emotionslos.
Eine schlimme Zeit. Ich kann mich noch an ein 0:1 in Bielefeld erinnern, hinterher standen wir auf dem vorletzten Platz. Da wären wir fast weg gewesen. Aber ich muss sagen: Obwohl wir 2002 sportlich viel besser dastanden, sogar Meister geworden sind, war diese Mannschaft auch nicht wesentlich leidenschaftlicher.

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