Kasachstans Trainer Bernd Storck

»Mein Vertrag läuft auch aus«

Kasachstan spielt in der EM-Qualifikation gegen Deutschland. Wir sprachen mit dem Nationaltrainer Bernd Storck über Profi-Fußball am Kaspischen Meer, die Situation seines Amtskollegen Löw und die Außenseiterchancen seines Teams.  Kasachstans Trainer Bernd Storck

Herr Storck, die Vertragsverlängerung Ihres deutschen Nationaltrainer-Kollegen Joachim Löw ist geplatzt. Glauben Sie, dass das einen Trainer in seinen Vorbereitungen entscheidend stören kann?

Ich glaube, dass man erst einmal festhalten sollte, welch hervorragende Arbeit Joachim Löw geleistet hat. Sicher wird man ihn beim DFB länger halten wollen. Und zu den Vorbereitungen: Bei mir ist es doch ähnlich – mein Vertrag läuft auch aus (lacht).

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Haben Sie sich über das Los gefreut, in der EM-Qualifikation gegen Deutschland zu spielen – auch wenn die deutsche Mannschaft in der Qualifikation ohne Joachim Löw spielt?

Natürlich freue ich mich. Das ist ein super Los für mich persönlich und das ganze Land Kasachstan. Wir sind im Fußballsport ein Entwicklungsland und rangieren auf Platz 123 der Fifa-Weltrangliste. Wir befinden uns allerdings im Umbruch. Hier passiert etwas.

Wie sieht dieser Umbruch aus?

Vieles wird professioneller. Holger Fach ist gerade in unsere Liga zu Lokomotive Astana gewechselt. Gute Vereinstrainer sind für mich als Nationalcoach immens wichtig. Vor kurzem hatte kein Erstliga-Trainer in Kasachstan den höchsten Trainerschein. Jetzt wird glücklicherweise die Lizenz zur Voraussetzung für alle zwölf Trainer der ersten Liga.

Wie sind die Arbeitsverhältnisse für Fußballer in Kasachstan?

Für einen Westeuropäer ist das sicherlich gewöhnungsbedürftig. Mit den Bedingungen in der deutschen Bundesliga kann man das nicht vergleichen. Einige Amateurklubs in Deutschland haben bestimmt bessere Bedingungen. Zu den Spielen in der obersten Liga in Kasachstan kommen im Durchschnitt 2000 Zuschauer. Und im Fernsehen werden die Spiele eher selten übertragen.

Sind die kasachischen Spieler Profis?

Ja, in der Liga schon. Darunter sind auch einige hochtalentierte Spieler. Aber es mangelt teilweise an körperlichen Voraussetzungen. Das liegt auch an der Trainingsarbeit. 

Gibt es für Sie als Außenseiter überhaupt ein Ziel für die EM-Qualifikation?

Mit einer klaren Punktevorgabe oder Ähnlichem bin ich lieber vorsichtig. Wir wollen die Großen ein bisschen ärgern. Wir wollen uns weiterentwickeln und etwas lernen. Langfristig ist die EM-Endrunde 2016 eine Vision.

Sie sind seit einem Jahr Nationaltrainer Kasachstans, zuvor haben Sie schon den Hauptstadtklub FK Almaty und die U 21 des Landes trainiert. Wie lange wollen Sie eigentlich noch bleiben?

Mir gefällt es hier sehr gut. Mein Vertrag läuft noch bis zum Ende dieses Jahres – mit der Option auf ein weiteres Jahr. Im Dezember werde ich mich mit den Verbandsvertretern zusammensetzen – und dann werden wir sehen. Natürlich wollen hier alle Erfolge sehen. 

Welche?

Die Erwartungshaltung der Menschen in Kasachstan ist enorm und manchmal ein bisschen unrealistisch. Vor unserem Spiel gegen Kroatien haben mich ein paar Journalisten gefragt, wie ich denn gedenke, das Spiel zu gewinnen. Ich habe gefragt, ob sie denn wüssten, dass Kroatien in der Weltrangliste in den Top Ten stehe. Dies wussten sie leider nicht.

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