26.07.2013

Karsten Hutwelker über Vereinspolygamie und rheinische Derbys

»Auf meinem Trikot stand Wandervogel«

Karsten Hutwelker ist Zeitzeuge des letzten rheinischen Derbys und hat bei 17 verschiedenen Vereinen gespielt. Ein längst überfälliges Gespräch.

Interview: Paul Hofmann Bild: Imago

Karsten Hutwelker, Sie wissen, warum wir Sie sprechen wollen?
Nein.

Kleiner Tipp: Es geht um Sonntag.
Ah, um Fortuna gegen Köln?

Sie standen beim letzten rheinischen Derby im April 1999 auf dem Rasen.
Derbys vergisst man nie! Das ist von der Atmosphäre und sportlichen Rivalität her eine einmalige Sache. Ein ganz besonderes Gefühl, von dem sich keiner frei machen kann. Man will der Region ein Erfolgserlebnis verschaffen.

Ihr FC verlor durch zwei Tore von Marek Lesniak im Rheinstadion. Können Sie sich noch an den eigenen Torschützen erinnern?
(Pause) Das ist schwer. Vielleicht Holger Gaißmayer?

Es war Georgi Donkov.
Ach, der Donkov!

Nun kommt es zur Wiederauflage. Hätten Sie sich die Paarung schon Ende der letzten Saison als Relegationspartie gewünscht?
Das wäre sicherlich das Highlight eines ganz verrückten Saisonfinales gewesen – Zündstoff pur. Aber nach den Relegations-Vorfällen zwischen Düsseldorf und Berlin ist es vielleicht auch ganz gut, dass es in so einem brisanten Spiel nicht um Existenzen geht, sondern »nur« um Punkte am zweiten Spieltag.

Beide Teams haben neue Trainer. Wen sehen Sie momentan vorn?
Den ganz großen Wurf traue ich nach jetzigem Stand den Fortunen zu, weil sie die gewachsenere Mannschaft haben. Köln hat einen sehr jungen Kader und ist um ein ruhigeres Umfeld bemüht. Die können sicherlich oben reinrutschen, aber generell ist Düsseldorf besser aufgestellt.

Viele Zweitligatrainer setzen auf den FC als einen der Aufstiegsfavoriten. Das würden Sie also nicht unterschreiben?
Favorit auf gar keinen Fall. Eventuell als Überraschungsteam wie zum Ende der letzten Saison unter Holger Stanislwaski. So einen Lauf braucht man als junge Mannschaft, aber jedes Negativerlebnis kann die auch wieder umwerfen. Legt der FC einen Stotterstart wie letztes Jahr hin, glaube ich nicht, dass er in dieser zweiten Liga eine tragende Rolle spielt.

Ist das der Brisanz des Derbys abträglich?
Nein. Das werden zwei Spiele ohne Tabellenbezug, in denen pure Emotionen bei den Spielern und Fans zu erleben sind.

Nimmt die heutige Generation Derbyrivalitäten überhaupt noch so wahr?
Ich denke, dass die heutigen Spieler das genauso mitbekommen wie wir damals. Gerade in unserer Region, in der es so viele Derbys gibt.

Schade. Wir öffnen so gern die »Früher war alles besser«-Schublade.
(Lacht) Nichtsdestotrotz wachsen die meisten Spieler nicht mehr hier auf und bekommen die Historie dadurch nicht mehr in dem Maße mit. Beeindruckend wird das so oder so, aber früher war die Bedeutung größer.

Sie sind 1999 knapp vor dem Derby als ehemaliger Fortuna-Nachwuchsspieler nach Köln gewechselt.
Richtig.

Kennen Sie die Geschichte von Luis Figo, nachdem er zum verhassten Rivalen gewechselt ist?
Ich hab da mal was gelesen...

Es flog ein abgetrennter Schweinekopf.
Stimmt!

Haben Sie damals etwas zu spüren bekommen?
Nein. Die Fans kamen nicht ran, damals spielten wir ja noch im Müngersdorfer Stadion mit Laufbahn und Graben, das muss man dazu sagen. Außerdem war es damals schon fünf bis sechs Jahre her, dass ich bei Fortuna gespielt habe.

Relativiert eine schwere Erkrankung wie in Ihrem Fall solche Dinge wie Derbyrivalitäten?
Definitiv. Ich will nicht sagen, dass dieser schwere Schicksalsschlag (im August 2006 wurde Knochenkrebs diagnostiziert, d. Red.) gut für mich war, aber ich habe dadurch viel gelernt. Die Gesundheit ist das absolut Wichtigste, das kann ich nach 20 Jahren als Profi definitiv sagen.


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