Karl-Heinz Rummenigge im Interview

»Die Wahrheit tut weh«

Nach dem Spruch des Kartellamts zur Zentralvermarktung der TV-Rechte malt Karl-Heinz Rummenigge in Bezug auf die internationale Konkurrenzfähigkeit der deutschen Klubs ein düsteres Bild für die Zukunft. Karl-Heinz Rummenigge im InterviewImago

Karl-Heinz Rummenigge, denkt der FC Bayern nach dem Spruch des Kartellamtes darüber nach, in die Einzelvermarktung einzusteigen, um international konkurrenzfähig zu bleiben?

Ich habe es am Mittwoch gesagt, dass wir zur Zentralvermarktung stehen, und ich sage nach dem für mich nicht nachvollziehbaren Spruch des Kartellamtes: Jetzt erst recht. Würden wir als FC Bayern die Solidarität aufkündigen, wäre das für uns kurzfristig vorteilhaft, für den Fußball in Deutschland aber schädlich. Wir werden den Profifußball nicht im Regen stehen lassen. 

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Wenn die Einnahmen so vergleichsweise niedrig bleiben: Was ist die Alternative? Eintrittspreise erhöhen?

Nein. Auf keinen Fall. Die Bundesliga ist ein wunderbares Produkt, und daran wollen wir nichts ändern, auch wenn woanders die Eintrittspreise doppelt so hoch sind und die TV-Einnahmen ein Mehrfaches ausmachen. Der Fan soll weiter seinen Spaß haben und nicht leiden.

Aber es gibt Probleme. Welche?

Natürlich. Wir müssen dem Fan sagen, dass wir unter den Bedingungen, die geschaffen werden, die Champions League nicht mehr gewinnen können. Beschränkung bei den TV-Einnahmen, Wettanbieter dürfen uns nicht mehr unterstützen, jetzt geht die Politik auch auf die Brauer los: Die Hürden werden immer höher gelegt. Und irgendwann kann auch der FC Bayern sie nicht mehr überspringen.

Hören wir in ihrem Unterton eine Art von Ärger?


Mal so gesagt: Wenn ich sehe, wie Politiker bei einer WM oder EM die Spieler und Funktionäre herzen und küssen, und dann, wenn sie gebraucht werden ist niemand da - da kommt man schon ins Grübeln.

Bleibt also die Nachwuchsförderung. Immerhin investieren Klubs, Liga und Verband aus weiser Voraussicht Millionen eben in diese Bereiche. Macht Ihnen das Hoffnung?

Da denken Sie zu kurz. So, wie die Dinge liegen, bilden wir einen Star aus und dann kommt ein Verein mit Geld im Kreuz aus welchen Quellen auch immer, sagt Danke, und kauft ihn uns weg. Der Tag ist gekommen, wo wir der Wahrheit ins Auge sehen müssen und diese Wahrheit dem Fan mitzuteilen haben. Und diese Wahrheit tut weh. Einen Champions-League-Sieger sehe ich im deutschen Vereinsfußball angesichts der herrschenden Knebelungen in den nächsten Jahren nicht. Der Profifußball ist für viele ein dankbares Opfer. Da lassen sich öffentlichkeitswirksam Szenarien entwickeln, die in die ganz, ganz falsche Richtung laufen. Aber auch einem Sündenbock wird die Prügel irgendwann zu viel.

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