Karl-Heinz Riedle über das Spiel seines Lebens

»Ricken hat sie gekillt«

Karl-Heinz Riedle hat die großen Trophäen im Schrank: Er wurde Deutscher Meister, Weltmeister und gewann die Champions League. Heute wird er 45 Jahre alt. Wir sprachen mit ihm über die großen Momente seiner Karriere.  Karl-Heinz Riedle über das Spiel seines Lebensimago

Karl-Heinz Riedle, Sie haben über 400 Profispiele gemacht, 1990 wurden Sie mit der deutschen Nationalelf Weltmeister und holten mit Borussia Dortmund sieben Jahre später die Champions League. Welches waren die Spiele Ihres Lebens?

Das Halbfinale bei der WM 1990 gehört auf jeden Fall dazu. Die Partie war nicht besonders gut. Wir haben nicht unbedingt stark gespielt und es war grundsätzlich kein hochklassiges Spiel. Aber es war dramatisch, weil es gegen unsere alten Rivalen England ging und am Ende im Elfmeterschießen entschieden werden musste.

Sie haben den Elfmeter zum zwischenzeitlichen 4:4 verwandelt. Haben Sie sich freiwillig gemeldet oder hat Franz Beckenbauer die Schützen bestimmt?

Für mich persönlich war es eine Premiere. Ich hatte noch nie zuvor einen Elfmeter geschossen, weder in der Bundesliga, noch in der Nationalmannschaft. Der Franz hat rumgefragt und keiner hat sich so richtig gemeldet. Irgendwann habe ich dann für mich entschieden: Gut, bevor jetzt jemand anderes verschießt, mach ich es doch lieber selber. Ich war mir eigentlich auch zu hundert Prozent sicher, dass ich ihn reinmachen werde.

Gab es in Ihrer Karriere ähnliche wichtige und aufregende Momente wie jene paar Sekunden vor dem Elfmeterschuss?


Ich habe bei Lazio Rom dann auch ein paar Elfmeter geschossen, und soweit ich mich erinnern kann auch nur einen verschossen. Jeder Elfmeter ist so ein Moment, wo man vorher ziemlich aufgeregt ist. Man hat einfach so viel Zeit zum Überlegen, nicht wie bei Toren aus dem Spiel heraus, wo man sich relativ schnell entscheiden muss.

Hatten die Engländer eigentlich schon damals den Ruf, beim Elfmeterschießen nicht unbedingt die Stärksten zu sein?

Ja, dieser Ruf hat sie ja über die ganzen Jahre begleitet.

Bei dem Turnier waren Sie hinter Jürgen Klinsmann und Rudi Völler nur Stürmer Nummer drei. Wie tief sitzt die Enttäuschung, beim Finale nicht aktiv mitgewirkt zu haben?

Darüber war und bin ich überhaupt nicht enttäuscht. Ich war damals noch jung und hatte gerade einmal ein, zwei gute Saisons bei Werder Bremen gespielt. Damals war das einfach so, dass Jürgen und Rudi mir noch ein Stück voraus waren. Das habe ich auch akzeptiert. Aber klar wäre es schön gewesen, wenn man im Finale gespielt hätte. Naja, Weltmeister bin ich trotzdem geworden.

Paul Gascoigne vergoss während des Spiels bittere Tränen, weil er wegen seiner zweiten Gelben Karte für das Finale gesperrt gewesen wäre. Haben Sie das mitbekommen und konnten Sie mitfühlen?

Ja, ich habe später mit ihm ja noch ein Jahr bei Lazio zusammengespielt. Er war ein absoluter Ausnahmespieler und ist schon immer sehr emotional gewesen, auch auf dem Platz. Das tat mir sehr Leid für ihn und ich konnte gut mit ihm mitfühlen, in solch einem Spiel so bestraft zu werden.

>> Seite 2: » Lars Ricken hat sie dann gekillt« – Karl-Heinz Riedle über das Champions-League-Finale von 1997
Lassen Sie uns über das Champions-League-Finale von 1997 sprechen. Juventus war Titelverteidiger und galt als Favorit. Was gab damals den Ausschlag zugunsten des BVB?

Turin war hoch favorisiert, das stimmt. Wir hatten auf dem Platz eigentlich gar keine Chance – und die haben wir genutzt. Wir hatten auch Glück am Anfang, es hätte auch 2:0 für Juve stehen können. Dann hatten wir zwei magische Momente. Und wenn du erstmal 2:0 zur Pause hinten liegst, dann wird es natürlich auch für so ein Spitzenteam, wie es Juventus damals war, sehr schwer. Sie kamen zwar noch mal auf 2:1 ran, aber das Tor von Lars Ricken hat sie dann gekillt.

Apropos magische Momente und Lars Ricken. Wie haben Sie den historischen Treffer zum 3:1 erlebt?

Ich war zu dem Zeitpunkt schon draußen. Ich hatte mir nämlich den Zeh gebrochen und mir schon in der Halbzeit wegen riesigen Schmerzen eine Spritze geben lassen müssen. Im Laufe der Zeit ist der Zeh dann aber so stark angeschwollen, dass ich irgendwann raus musste. Für mich kam Heiko Herrlich, drei Minuten später kam Lars für Chappi. Also saß ich im Prinzip gerade erst, als Lars diese großartige Szene hatte und den Ball über den Torwart lupfte. Das war sensationell.

Sie erzielten die ersten beiden Treffer für den BVB, jeweils nach hohen Bällen von außen. Typisch?

Wir hatten in den beiden Situationen einfach das Glück, dass die Abwehr von Juventus zweimal geschlafen hat. Es stimmt schon, wir waren besonders nach Flanken gefährlich, konnten aber auch aus jeder anderen Situation Tore erzielen.

Es gibt die schöne Anekdote, dass Sie in der Nacht vor dem Spiel geträumt haben, dass Sie zwei Tore schießen würden. Eins mit dem linken Fuß und eins mit dem Kopf – wie es auch tatsächlich geschehen ist. Ist das wirklich wahr?


Ja, als ich das erste Tor geschossen hatte, dachte ich, dass ich noch gar nicht aus meinem Traum erwacht bin. Und dann habe ich beschlossen, einfach weiter zu träumen. Mir kam das alles selbst sehr komisch vor.

Das 2:0 war eines Ihrer berüchtigten Kopfballtreffer. Was war Ihr Geheimnis, dass Sie trotz Ihrer Größe von »nur« 1,79 Meter zu den weltbesten Kopfballspielern zählten?

Ich war in meinen jungen Jahren ein Allroundsportler und unter anderem auch ein guter Leichtathlet. Zu dieser Zeit habe ich auch ein bisschen Hochsprung gemacht, wodurch ich wahrscheinlich meine gute Sprungkraft habe und die Gabe, lange in der Luft zu stehen. Auch den kraftvollen Absprung und das richtige Timing habe ich da gelernt.

War es eigentlich etwas Besonderes, ausgerechnet im Münchener Olympiastadion den Titel zu holen?

Nein, das war mir völlig wurscht.

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