16.09.2010

Karl-Heinz Riedle über das Spiel seines Lebens

»Ricken hat sie gekillt«

Karl-Heinz Riedle hat die großen Trophäen im Schrank: Er wurde Deutscher Meister, Weltmeister und gewann die Champions League. Heute wird er 45 Jahre alt. Wir sprachen mit ihm über die großen Momente seiner Karriere. 

Interview: Norman Arnold Bild: imago

Karl-Heinz Riedle, Sie haben über 400 Profispiele gemacht, 1990 wurden Sie mit der deutschen Nationalelf Weltmeister und holten mit Borussia Dortmund sieben Jahre später die Champions League. Welches waren die Spiele Ihres Lebens?

Das Halbfinale bei der WM 1990 gehört auf jeden Fall dazu. Die Partie war nicht besonders gut. Wir haben nicht unbedingt stark gespielt und es war grundsätzlich kein hochklassiges Spiel. Aber es war dramatisch, weil es gegen unsere alten Rivalen England ging und am Ende im Elfmeterschießen entschieden werden musste.

Sie haben den Elfmeter zum zwischenzeitlichen 4:4 verwandelt. Haben Sie sich freiwillig gemeldet oder hat Franz Beckenbauer die Schützen bestimmt?

Für mich persönlich war es eine Premiere. Ich hatte noch nie zuvor einen Elfmeter geschossen, weder in der Bundesliga, noch in der Nationalmannschaft. Der Franz hat rumgefragt und keiner hat sich so richtig gemeldet. Irgendwann habe ich dann für mich entschieden: Gut, bevor jetzt jemand anderes verschießt, mach ich es doch lieber selber. Ich war mir eigentlich auch zu hundert Prozent sicher, dass ich ihn reinmachen werde.

Gab es in Ihrer Karriere ähnliche wichtige und aufregende Momente wie jene paar Sekunden vor dem Elfmeterschuss?


Ich habe bei Lazio Rom dann auch ein paar Elfmeter geschossen, und soweit ich mich erinnern kann auch nur einen verschossen. Jeder Elfmeter ist so ein Moment, wo man vorher ziemlich aufgeregt ist. Man hat einfach so viel Zeit zum Überlegen, nicht wie bei Toren aus dem Spiel heraus, wo man sich relativ schnell entscheiden muss.

Hatten die Engländer eigentlich schon damals den Ruf, beim Elfmeterschießen nicht unbedingt die Stärksten zu sein?

Ja, dieser Ruf hat sie ja über die ganzen Jahre begleitet.

Bei dem Turnier waren Sie hinter Jürgen Klinsmann und Rudi Völler nur Stürmer Nummer drei. Wie tief sitzt die Enttäuschung, beim Finale nicht aktiv mitgewirkt zu haben?

Darüber war und bin ich überhaupt nicht enttäuscht. Ich war damals noch jung und hatte gerade einmal ein, zwei gute Saisons bei Werder Bremen gespielt. Damals war das einfach so, dass Jürgen und Rudi mir noch ein Stück voraus waren. Das habe ich auch akzeptiert. Aber klar wäre es schön gewesen, wenn man im Finale gespielt hätte. Naja, Weltmeister bin ich trotzdem geworden.

Paul Gascoigne vergoss während des Spiels bittere Tränen, weil er wegen seiner zweiten Gelben Karte für das Finale gesperrt gewesen wäre. Haben Sie das mitbekommen und konnten Sie mitfühlen?

Ja, ich habe später mit ihm ja noch ein Jahr bei Lazio zusammengespielt. Er war ein absoluter Ausnahmespieler und ist schon immer sehr emotional gewesen, auch auf dem Platz. Das tat mir sehr Leid für ihn und ich konnte gut mit ihm mitfühlen, in solch einem Spiel so bestraft zu werden.

>> Seite 2: » Lars Ricken hat sie dann gekillt« – Karl-Heinz Riedle über das Champions-League-Finale von 1997

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