Karl-Heinz Riedle, Deutschlands letzter EM-Torschützenkönig

»Das wissen doch nur Insider«

Seit 20 Jahren hat es kein Deutscher mehr geschafft, EM-Torschützenkönig zu werden. Beim Turnier in Schweden 1992 setzte sich Karl-Heinz Riedle die Krone auf – gemeinsam mit drei weiteren Spielern. Da die DFB-Elf das Endspiel gegen Dänemark verlor, konnte sich »Air Riedle« darüber jedoch nicht freuen. Wir sprachen mit dem 46-Jährigen über die Finalniederlage, seinen Torjägertitel und Mario Gomez.

Karl-Heinz Riedle, Herzlichen Glückwunsch!
Warum gratulieren Sie?

Sie sind immer noch der letzte Deutsche, der es bei einer Europameisterschaft zum Torschützenkönig geschafft hat.
(lacht) Danke. Aber ganz ehrlich: Diesen Glückwunsch kann ich eigentlich nicht annehmen. Ich stand damals nach der EM 1992 an der Spitze der Torjägerliste, das ist richtig. Aber erstens waren es gerade einmal drei Tore, die ich dort erzielt habe, also keine alles überstrahlende Bilanz. Und zweitens war ich ja nicht der einzige, dem das gelungen war. Der Schwede Thomas Brolin, der Däne Henrik Larsen und der Niederländer Dennis Bergkamp hatten ebenfalls drei Treffer erzielt. Das relativiert diese Bilanz dann doch wieder ein wenig.

Bedeutet Ihnen dieser Titel denn gar nichts?
Naja, ich sehe das allenfalls mit einem kleinen lachenden und einem großen weinenden Auge. Was meine persönliche Leistungsstärke betrifft, war ich 1992 auf dem Höhepunkt. Nachdem ich 1990 noch auf der Bank gesessen hatte, war ich dort Stammspieler. Die EM ist aber schlecht für uns ausgegangen, weil wir das Finale gegen Dänemark mit 0:2 verloren haben. Wenn wir gewonnen hätten, wäre es vielleicht anders und ich könnte mit mehr Freude auf diesen Status blicken.

Sie stehen so aber immerhin in einer Linie mit Gerd Müller, Michel Platini und Marco van Basten.
Ja, aber die haben bei ihren Turnieren auch mehr Tore erzielt. Ganz ehrlich: Ich wurde in den Jahren nach dem Turnier vielleicht ein, zweimal darauf angesprochen. Und das waren dann schon Insider. Während der EM habe ich mir ohnehin keine Gedanken darüber gemacht, ob ich mit irgendwem im Wettkampf um die Torjägerkrone stehe. Man hat es mir erst direkt nach dem Turnier gesagt. Eine Auszeichnung habe ich auch nicht erhalten, weder von der UEFA noch vom DFB. Das wäre aber auch nicht angebracht gewesen, nachdem wir im Finale so einen Mist zusammengespielt hatten.

Was sagen sie zu Ihren potenziellen Nachfolgern Mario Gomez und Miroslav Klose?
Mario ist einfach nur überragend. Wie viele Tore er in den vergangenen beiden Jahren geschossen hat, sucht seinesgleichen. Miro hat schon einige erfolgreiche Turniere erlebt, Mario hingegen hatte in der Nationalmannschaft noch nicht so viel gerissen. Er ist nun an der Reihe.

Was sagen Sie eigentlich zur Entwicklung, dass heutzutage viele Mannschaften nur noch mit einer Spitze spielen? Stirbt das klassische Sturmduo so langsam aus?
Zu meiner Zeit wäre es undenkbar gewesen, im 4-2-3-1-System zu agieren. Ich habe in meiner ganzen Karriere nicht einmal als einzige Spitze gespielt. Jürgen Klinsmann, Rudi Völler und ich – zwei von uns haben immer gespielt. Wir hatten damals aber auch keine so große Dynamik im Team wie es heute der Fall ist. Ob das ein Reus ist, ein Götze, ein Özil oder ein Kroos – egal, wen man aus dem Kader nennt, die Jungs sind läuferisch so stark, da macht es einfach nur Spaß, zuzuschauen. Deswegen macht es auch Sinn, mit so vielen Mittelfeldspielern aufzulaufen. Aussterben wird das Sturmduo jedoch nicht – es kommt weiterhin darauf an, welches Personal einem Trainer zur Verfügung steht.

Karl-Heinz Riedle, die deutsche Mannschaft trifft auch auf Dänemark, den Angstgegner der 1992er-Mannschaft. Was muss Joachim Löw beachten, damit es diesmal besser läuft?
(lacht) Er muss nur darauf achten, dass unsere Jungs besser spielen als wir damals. Dann kann eigentlich nichts schief gehen. Jogi wird das schon richten.

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