24.05.2013

Karl-Heinz Riedle, der Finalheld von 1997

»Ich habe von meinen Toren geträumt!«

In der Nacht vor dem Champions-League-Finale 1997 hatte Dortmunds Stürmer Karl-Heinz Riedle eine Vision: Er würde im Endspiel treffen! Riedles Doppelpack gegen Juventus Turin entschied schließlich das Spiel. Wir sprachen mit ihm über Traumtore und Matthias Sammer.

Interview: Roland Wiedemann Bild: Imago


Aber die Rahmenbedingungen in Dortmund mit dem phantastischen Stadion, einem mitreißenden Trainer und den sportlichen Erfolgen sind doch nicht zu verachten. Warum verlässt Mario Götze einen solchen Klub?
Natürlich hätte auch viel dafür gesprochen, beim BVB zu bleiben. Aber der FC Bayern ist noch mal eine andere Größenordnung. Der Spieler weiß, dass er mit dem FC Bayern normalerweise immer in der Champions League antreten und mit Pep Guardiola einen der weltbesten Trainer haben wird. Wenn der FC Bayern sich meldet, ist klar: du hast die Chance, du musst die Entscheidung treffen. Ein Guardiola, ein FC Bayern warten nicht. Und das Argument, die Münchner würden Götze holen, um den mächtigsten Rivalen im eigenen Land zu schwächen, ist Blödsinn. Der FC Bayern hat Mario Götze, das größte Talent im deutschen Fußball, geholt, um sich selbst zu stärken. Man hätte das schon früher tun können, dann wäre es billiger gewesen. Aber Bayern ist ja bekannt dafür, am liebsten fertige Spieler einzukaufen.

Warum haben Sie selbst eigentlich nie für den FC Bayern München gespielt?
Einmal gab es eine Anfrage vom FC Bayern. Das war 1994, unmittelbar vor dem Wechsel von Lazio Rom zum BVB. Franz Beckenbauer rief an. Allerdings hatte ich zum damaligen Zeitpunkt bereits Dortmund mein Wort gegeben.

Haben Sie später mal damit gehadert, dass Beckenbauer nicht früher zum Telefonhörer gegriffen hatte?
Nein, Dortmund hat zu mir gepasst. Ich war nicht so der Filigran-Techniker, sondern ein Stürmer, der er immer Alarm gemacht hat, der rackerte, für das Team rannte und kämpfte. Das kommt bei den Fans in Dortmund an.

Warum haben Sie sich dann nach dem Champions League-Sieg aus Dortmund verabschiedet?
Mit Nevio Scala kam ein neuer Trainer. Mir war schnell klar, dass sich damit auch für mich etwas veränderte. Ich war in der Vorsaison neben Chapuisat der zweite gesetzte Stürmer, und im Trainingslager vor der neuen Saison fand ich mich dann auf einmal in der zweite Mannschaft wieder. Dabei war ich super drauf, es war vielleicht das beste Trainingslager in meiner Karriere. Es sind schon eigenartige Dinge vorgefallen. Mir wurde zum Beispiel angetragen, ob ich mich nicht mal mit dem Vertreter von diesem oder jenem italienischen Verein unterhalten möchte. Als dann das Angebot aus Liverpool kam, habe ich keinen Augenblick lang gezögert. Das war ein super Klub und es war schon immer mein Traum in England zu spielen.

Ein paar Wochen zuvor hatten Sie den BVB noch zum Champions League-Sieg geschossen und dann wurden Sie so abserviert. Waren Sie nicht wütend?
Nein, man muss als Profi akzeptieren, dass irgendwelche Leute Entscheidungen treffen. Zu jener Zeit wurden beim BVB einige falsche Entscheidungen getroffen. Ottmar Hitzfeld ist nach oben zum Sportdirektor dirigiert worden. Ich hatte den Eindruck, dass er gerne noch als Trainer weitergemacht hätte. Und anstatt diese intakte Mannschaft nur punktuell aufzufrischen, wurde sie richtig umgekrempelt – mit sehr viel Geld. Aber die neuen Spieler haben nicht eingeschlagen. Präsident Gerd Niebaum hatte vorher alles richtig, dann aber Fehler gemacht.

Muss man sich jetzt wieder Sorgen um den BVB machen?
Ich hoffe und bin auch zuversichtlich, dass man aus den Fehlern von damals gelernt hat, dass man diesmal beide Füße auf dem Boden behält, nicht blind einkauft und keine 40 Millionen für einen Spieler ausgibt. Durch die Einnahmen aus der Champions League und dem Götze-Transfer steht ja jetzt richtig viel Geld zur Verfügung. Aber die Verantwortlichen werden diesmal besonnener agieren. Und Jürgen Klopp hat ja in der Vergangenheit schon mehrfach bewiesen, dass er eine super Nase für gute, entwicklungsfähige Spieler hat. Nehmen wir nur Lukas Piszczek, den kannte doch vorher niemand.

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