24.05.2013

Karl-Heinz Riedle, der Finalheld von 1997

»Ich habe von meinen Toren geträumt!«

In der Nacht vor dem Champions-League-Finale 1997 hatte Dortmunds Stürmer Karl-Heinz Riedle eine Vision: Er würde im Endspiel treffen! Riedles Doppelpack gegen Juventus Turin entschied schließlich das Spiel. Wir sprachen mit ihm über Traumtore und Matthias Sammer.

Interview: Roland Wiedemann Bild: Imago

Karl-Heinz Riedle, es gibt einige Parallelen in der Vorgeschichte der Champions League-Endspielen 1997 und 2013. Damals galt der Borussia Dortmund als krasser Außenseiter, diesmal ist das nicht anders. Und wie vor 16 Jahren konnte der BVB nach zwei deutschen Meisterschaften in Folge den nationalen Titel nicht verteidigen und musste dem FC Bayern München den Vortritt lassen.
Stimmt. Eigentlich spricht am 25. Mai alles für den BVB. Bayern ist derzeit das Maß aller Dinge und 1997 hatte Juve die Übermannschaft schlechthin – mit einem Zinédine Zedane als Spielmacher. In den ersten 20 Minuten hat uns Juve fast schon vorgeführt. Latte, später noch der Pfosten – wir hatten Glück.

Und einen Kalle Riedle, der den BVB 2:0 in Führung brachte. Sie hatten in der Nacht vor dem Endspiel geträumt, zwei Tore zu schießen.
Ja, das war schon irre. Und nach dem ersten Tor habe ich auch an den Traum gedacht.

In der 67. Minute mussten Sie allerdings ausgewechselt werden.
Ich hatte mir in der ersten Halbzeit den rechten kleinen Zeh gebrochen. Wie das passiert ist, weiß ich gar nicht mehr. Auf jeden Fall schwoll der Zeh immer mehr an und drückte an den Schuhrand. In der Halbzeitpause habe ich das Leder aufgeschnitten. Eine Spritze habe ich auch noch bekommen. Aber irgendwann waren die Schmerzen unerträglich.

Sie haben den Sieg auch noch mit dem Verlust einer teuren Uhr bezahlt...
…nicht nur ich, wie sich herausstellte. Mein schottischer Teamkollege Paul Lambert hatte mich wochenlang vor dem Finale wegen meiner Rolex Daytona genervt. Er war total scharf auf das Ding. Ich hatte die Uhr zu meiner Zeit bei Lazio gekauft. Diese Rolex war bei italienischen Fußballprofis total angesagt gewesen, also musste ich auch so eine haben. Paul wollte ebenfalls eine Rolex Daytona, aber er hat sie nirgendwo bekommen. Daher versuchte er ständig, mir meine abzuschwatzen. Irgendwann habe ich gesagt: »Also gut Paul, wenn wir das Finale gewinnen, schenke ich dir die Uhr'« Als Paul nach dem Sieg freudestrahlend mit zwei ausgestreckten Armen in der Kabine stand und »Where are my watches? Where are my watches?« sang, wusste ich zuerst gar nicht, was das soll. Aber dann fiel mir das Versprechen ein. Und Paulo Sousa erklärte, dass der gute Paul mit ihm das gleiche Spielchen getrieben hatte. Paul wollte wohl auf Nummer sicher gehen.

Haben Sie später nochmals telepathische Kräfte verspürt und von Treffern geträumt, die dann tatsächlich fielen?
Nein, nie mehr.

Wir fragen Sie dennoch: Wer gewinnt das Champions League-Finale 2013?
Ich würde sagen, die Chancen stehen 60:40 zugunsten des FC Bayern.

Wir sprachen schon von den Parallelen zwischen 1997 und 2013. Womöglich gibt es noch eine. Wieder könnte das Champions League-Finale zur Zäsur in der Geschichte des BVB werden. Götze verlässt den Klub, andere – allen voran Lewandowski – scheinen auch vor dem Absprung zu sein.
Wenn ein Klub wie der BVB so viele gute Spieler produziert, dann ist es ganz normal, dass die von anderen Vereinen gejagt werden. Borussia Dortmund hat nun mal nicht den Stellenwert von Real Madrid, Barcelona oder Bayern München.

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