Karl-Heinz »Air« Riedle im Interview

»Klose springt so hoch wie ich«

War es ein Vogel? War es ein Flugzeug? Nein, es war Karl-Heinz »Air« Riedle! Mittlerweile ist das Sprungwunder gelandet und sprach mit uns über seinen Erben Miro Klose, die Finalniederlage 1992 und die Chancen der Deutschen 2008. Karl-Heinz »Air« Riedle im Interviewimago

Karl-Heinz Riedle, wann haben Sie eigentlich das letzte Mal einen »Big-Mäc« gegessen?

Das ist vielleicht ein halbes Jahr her. Warum fragen Sie?

Der Gegner im EM-Finale von 1992, Dänemark, wurde als »Big-Mäc-Truppe« bezeichnet. Angeblich haben sich die Spieler während der Euro in Schweden nur von Hamburgern und Cola ernährt.

Richtig. Damals war die Häme noch größer, ist ja klar, wenn da eine Mannschaft ins Finale kommt, die gar nicht qualifiziert war und quasi direkt vom Strand ins Turnier kam. Diese Mannschaft kommt auch noch gegen uns ins Finale und gewinnt mit 2:0. Das war natürlich für uns der Super-Gau. Die Presse hat das damals selbstverständlich ausgeschlachtet.

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Dennoch war die EM auch Ihr Turnier. Zusammen mit Bergkamp, Brolin und Larsen sind Sie Torschützenkönig geworden. Was überwog: Die Freude über ihre Tore oder der Ärger über die Finalpleite?

Natürlich war der Ärger über das verlorene Endspiel größer. Dass ich die Tore geschossen habe, war nicht so außergewöhnlich, schließlich wirst du als Stürmer dafür bezahlt. Also war der Frust deutlich größer.

Können Sie die Niederlagen gegen die Dänen im Nachhinein noch rekonstruieren?

Naja, das ist schon so weit weg, man macht sich nicht mehr viele Gedanken deswegen. Das Spiel lief damals völlig an uns vorbei, wir hatten die völlig falsche Taktik gewählt. Andauernd wurden die Bälle lang und weit nach vorne geschlagen, und bei den Dänen standen zwei Verteidiger in der Mitte die beide 2,10 Meter groß waren! Da war unsere Taktik einfach nicht richtig. Und dann bekommen wir auch noch zwei Tore, die so niemals fallen dürfen.

Gerne erinnert man sich allerdings an das Halbfinale gegen Gastgeber Schweden, zwei Tore zum 3:2-Erfolg haben Sie selber beigesteuert. Was hat diese Partie so besonders gemacht?


Das war ein rassiges Spiel, und die Tore sind auch relativ spät gefallen, oder? Klar, für mich war es großartig, zwei Tore zu erzielen, den einen Treffer nach einem Pass von Thomas Helmer, und beim zweiten Tor hat mich der Klinsi eingesetzt, wenn mich nicht alles täuscht.

1988, bei der EM im eigenen Land, waren Sie hingegen nicht im Aufgebot. Und das, obwohl Sie in der abgelaufenen Saison mit 18 Tore Werder Bremen zur Meisterschaft geschossen hatten. Was war der Grund für Ihre Nicht-Nominierung?


Gut, das war erst mein zweites Profi-Jahr und mein erstes Jahr bei einem großen Klub. Mit meinen 21 Jahren wurde nicht berücksichtigt, wahrscheinlich war der Zug schon abgefahren. Schade, ich wäre gerne mit dabei gewesen.

Auch 1996 haben Sie im Kader gefehlt…

Ich hatte mir 1995 das Kreuzband gerissen und bin die gesamte Hinrunde lang ausgefallen. Allerdings habe ich eine ziemlich gute Rückrunde gespielt und wäre 96 auch fit gewesen. Aber der Berti hatte sich offenbar schon entschieden – und ich war nicht mit dabei. Das ist so, das muss ich akzeptieren.


Und wie weit kommt die deutsche Elf 2008?

Die Mannschaft wird wohl unter die ersten Vier kommen. Natürlich entscheidet auf so einem Niveau die Tagesform, Glück musst du auch haben. Aber diese Gruppe muss die Mannschaft auf jeden Fall überstehen, und danach ist alles möglich. In den Spielen gegen die großen Nationen entscheiden letztlich Kleinigkeiten über den Erfolg. Wir waren schließlich schon immer eine Turniermannschaft!

Wie bewerten Sie als ehemaliger Nationalspieler dieses ganze Wirrwarr um gewonnene oder verlorene Testspiele?

Als Spieler kannst Du Dich darüber nur amüsieren. Was zählt, ist das erste Spiel gegen Polen gestern Abend. Alles andere ist ein Schaulaufen, bei dem man sich allerdings auch Selbstvertrauen und Stärke holen kann. Das ist der Sinn dieser Freundschaftsspiele. Entscheidend ist es, dass du auf den Punkt voll austrainiert bist, um dann ideal vorbereitet in ein Turnier zu gehen. Es wäre ja völlig falsch, wenn die Mannschaft beispielsweise schon gegen Weißrussland in Topform gewesen wäre.

Sicherlich gehören zur EM-Vorbereitung auch die eine oder andere Übungsform zur Verbesserung der Sprungkraft dazu. Hat man Sie, »Air« Riedle, eigentlich schon mal angerufen und gefragt, wie man so hoch springen kann?


(lacht) Nein, bislang noch nicht. Aber ein Miro Klose zum Beispiel weiß ganz genau, wie hoch er springen kann, der braucht keine Hilfe mehr.

Jetzt aber keine falsche Bescheidenheit. Klose springt höher als Riedle?

Der springt mit Sicherheit nicht niedriger als ich. Ich hätte Miro gerne meine Unterstützung angeboten, aber glauben sie mir, das braucht der nicht. Wenn der in Form ist, ist er einer der besten Kopfballspieler, die es je gab.

Verraten Sie uns Normalsterblichen doch mal das Geheimnis des perfekten Kopfballspiels.

Ich habe ja schon als Kind diverse Sportarten gemacht, die mir sicherlich später beim Kopfball geholfen haben, unter anderem Hochsprung. Als kleiner Junge habe ich dann auch immer ein bisserl geübt. An der Wand von unserem Haus habe ich mit Kreide einen Kasten gezeichnet. Denn Ball habe ich auf das Schrägdach geworfen und beim runterfallen immer versucht an der höchsten Stelle in das Viereck zu köpfen. Das hat mir im Nachhinein mit Sicherheit nicht geschadet. Viel Fleißarbeit gehört eben dazu.


Unser Autor Alex Raack betreibt den kopfballstarken Blog »3eckeneinelfer.de« .



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