09.06.2008

Karl-Heinz »Air« Riedle im Interview

»Klose springt so hoch wie ich«

War es ein Vogel? War es ein Flugzeug? Nein, es war Karl-Heinz »Air« Riedle! Mittlerweile ist das Sprungwunder gelandet und sprach mit uns über seinen Erben Miro Klose, die Finalniederlage 1992 und die Chancen der Deutschen 2008.

Interview: Alex Raack Bild: imago
Karl-Heinz »Air« Riedle im Interview

Karl-Heinz Riedle, wann haben Sie eigentlich das letzte Mal einen »Big-Mäc« gegessen?

Das ist vielleicht ein halbes Jahr her. Warum fragen Sie?

Der Gegner im EM-Finale von 1992, Dänemark, wurde als »Big-Mäc-Truppe« bezeichnet. Angeblich haben sich die Spieler während der Euro in Schweden nur von Hamburgern und Cola ernährt.

Richtig. Damals war die Häme noch größer, ist ja klar, wenn da eine Mannschaft ins Finale kommt, die gar nicht qualifiziert war und quasi direkt vom Strand ins Turnier kam. Diese Mannschaft kommt auch noch gegen uns ins Finale und gewinnt mit 2:0. Das war natürlich für uns der Super-Gau. Die Presse hat das damals selbstverständlich ausgeschlachtet.



Dennoch war die EM auch Ihr Turnier. Zusammen mit Bergkamp, Brolin und Larsen sind Sie Torschützenkönig geworden. Was überwog: Die Freude über ihre Tore oder der Ärger über die Finalpleite?

Natürlich war der Ärger über das verlorene Endspiel größer. Dass ich die Tore geschossen habe, war nicht so außergewöhnlich, schließlich wirst du als Stürmer dafür bezahlt. Also war der Frust deutlich größer.

Können Sie die Niederlagen gegen die Dänen im Nachhinein noch rekonstruieren?

Naja, das ist schon so weit weg, man macht sich nicht mehr viele Gedanken deswegen. Das Spiel lief damals völlig an uns vorbei, wir hatten die völlig falsche Taktik gewählt. Andauernd wurden die Bälle lang und weit nach vorne geschlagen, und bei den Dänen standen zwei Verteidiger in der Mitte die beide 2,10 Meter groß waren! Da war unsere Taktik einfach nicht richtig. Und dann bekommen wir auch noch zwei Tore, die so niemals fallen dürfen.

Gerne erinnert man sich allerdings an das Halbfinale gegen Gastgeber Schweden, zwei Tore zum 3:2-Erfolg haben Sie selber beigesteuert. Was hat diese Partie so besonders gemacht?


Das war ein rassiges Spiel, und die Tore sind auch relativ spät gefallen, oder? Klar, für mich war es großartig, zwei Tore zu erzielen, den einen Treffer nach einem Pass von Thomas Helmer, und beim zweiten Tor hat mich der Klinsi eingesetzt, wenn mich nicht alles täuscht.

1988, bei der EM im eigenen Land, waren Sie hingegen nicht im Aufgebot. Und das, obwohl Sie in der abgelaufenen Saison mit 18 Tore Werder Bremen zur Meisterschaft geschossen hatten. Was war der Grund für Ihre Nicht-Nominierung?


Gut, das war erst mein zweites Profi-Jahr und mein erstes Jahr bei einem großen Klub. Mit meinen 21 Jahren wurde nicht berücksichtigt, wahrscheinlich war der Zug schon abgefahren. Schade, ich wäre gerne mit dabei gewesen.

Auch 1996 haben Sie im Kader gefehlt…

Ich hatte mir 1995 das Kreuzband gerissen und bin die gesamte Hinrunde lang ausgefallen. Allerdings habe ich eine ziemlich gute Rückrunde gespielt und wäre 96 auch fit gewesen. Aber der Berti hatte sich offenbar schon entschieden – und ich war nicht mit dabei. Das ist so, das muss ich akzeptieren.


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