Was meinen Sie damit?Die Menschen, die in Port Said starben, starben nicht wegen Fußball. Sie sind politische Opfer.
Das müssen Sie erklären.Jeder hier in Ägypten weiß, dass wir in den Auseinandersetzungen mit den Machthabern auch gegen die SCAF gekämpft haben
(Surpreme Council of the Armed Forces, zu deutsch: Oberster Rat der Streitkräfte, ein 18-köpfiger Militärrat, der seit der Verhaftung von Diktator Hosni Mubarak faktisch die Geschicke in Ägypten lenkt, d. Red.). Während des verhängnisvollen Spiels gegen Al-Masry Port Said am 1. Februar 2012 sangen wir uns unseren Frust von der Seele und beleidigten den Militärrat und sein diktatorisches Verhalten gegen das ägyptische Volk. Kurz nach den Gesängen aus unserer Kurve begannen die Krawalle.
Die Ultras, speziell »Ahlawy«-Mitglieder, galten während der Revolution als eine Art Sperrspitze des bewaffneten Protestes. Im In- und Ausland feierte man sie als Helden. Welchen Ruf genießen die Ultras in der Gegenwart?Ein Großteil der Bevölkerung, der seine Wut auf das ägyptische System auf der Straße Platz macht, steht hinter uns. Das haben wir erst vor wenigen Tagen zu spüren bekommen: Kurz vor der Urteilsverkündung für die Täter von Port Said, starteten wir von verschiedenen Orten in Kairo einen Demonstrationszug, um auf die Opfer der Katastrophe aufmerksam zu machen. Ob auf den Straßen oder in den U-Bahnen: Die Leute schlossen sich uns an, sie wissen, dass auch wir Verfolgte des Regimes sind. Und als im vergangenen November erneut Straßenschlachten in der Mohamed-Mamoud-Straße
(der Straße, die zum Innenministerium führt, d. Red.) begannen und die Menschen gegen die Gewalt auf dem Tahrir-Platz demonstrierten, hörte man die Frauen und Männer bei unserer Ankunft auf dem Platz laut rufen: »Endlich, die Ultras kommen!«
Karim Adel, wann werden die Demonstrationen und Kämpfe aufhören? Wann kommt Ägypten zur Ruhe?Wenn das alte System Mubarak endlich vollständig vernichtet und aus den Köpfen der Machthaber verschwunden ist. Wenn wir in einem Land leben können, dass tatsächlich eine Revolution zulässt und den Menschen ein besseres Leben leben lässt. Aber der Weg dorthin ist noch weit. Und so lange werden wir weiterkämpfen.