Kann der FDGB-Pokal Dresdens Saison retten, Christian Müller?

»Für-Dynamo-gemeinsam-blechen«

Dynamo Dresden wurde für den DFB-Pokal 2013/14 ausgeschlossen. Fans und Verein riefen prompt den FDGB-Pokal zurück ins Leben. Wir sprachen mit Dynamos Geschäftsführer Christian Müller.

Christian Müller, Sie scheinen ein Ostalgiker zu sein…
Warum nehmen Sie das an?

Dynamo Dresden wird am kommenden Sonntag in der zweiten Runde des FDGB-Pokals auf Borussia Mönchengladbach treffen. Ein Wettbewerb, der in dieser Weise zuletzt 1989 in der DDR ausgetragen wurde. Scheut sich der Verein vor der Gegenwart?
Keinesfalls. Die Austragung dieses Pokals in einem neuen Format hat durchaus ernsthafte Hintergründe, da uns durch den Ausschluss aus dem DFB-Pokal hohe Einnahmen fehlen. Wir wollten unsere Enttäuschung über die, wie wir meinen, sehr drakonische Strafe in dieser augenzwinkernden Form zum Ausdruck bringen. Als Geschäftsführer freue ich mich über den ehrenamtlichen Einsatz der aktiven Fanszene.

Doch eine Frage bleibt: Warum ausgerechnet FDGB-Pokal?
Na gut, das ist natürlich der Ost-Nostalgie zuzusprechen. Die Abkürzung steht für »Für-Dynamo-gemeinsam-blechen« (vom Freien Deutschen Gewerkschaftsbund ausgeschrieben, wurde das ostdeutsche Pendant zum DFB-Pokal in der DDR ausgespielt, d.Red.). Der lange Zug durch die Rechtsinstanzen des DFB hat uns viel Geld gekostet, der Ausschluss aus dem Wettbewerb sowieso. Diese Kosten wollen wir durch unseren eigenen Pokal ein wenig ausgleichen und zudem den sportlichen Rhythmus aufrecht erhalten.

Inwiefern können diese freundschaftlichen Pokalspiele überhaupt ihre Ausgaben decken?
Wir sind nicht naiv, die Eintrittsgelder können das natürlich nicht komplett ausgleichen. Viel wichtiger finde ich, die Energie der Fans hervorzuheben, die in eine konstruktive Richtung kanalisiert wird. Betrachten Sie es als Selbsthilfegruppe, die aktiv und sinnvoll die enorme Energie und Kreativität unserer Anhänger bündelt.

Herr Müller, Ihre Ausmalungen scheinen etwas zu rosig. Als Geschäftsführer des Vereins dürften Sie die Gründe des Pokalausschlusses wohl kaum ignorieren können, oder?
Keine Frage, die Geschehnisse wollen wir überhaupt nicht verharmlosen. Natürlich haben sich einige unserer Anhänger in größeren Stadien, insbesondere in Dortmund und Hannover, falsch verhalten. Aber hängt das Gelingen eines Fußballspiels nicht auch von der Organisation des Heimklubs ab? Wir finden, ja! Zumindest ist es sehr zweifelhaft, dass die Rechtsprechung vorrangig den Gastverein bestraft, ohne die Vorbereitung des Spiels eingehend zu analysieren. Deshalb waren wir nach dem Urteil auch so unzufrieden, da wir gewisse Probleme bereits im Vorfeld der Spiele haben kommen sehen.

Welche Probleme waren das im konkreten Fall?
Wir wussten, dass über 10.000 Dynamo-Anhänger mit auf die Reise nach Hannover gehen würden. In Dresden war durch den Reformationstag ein Feiertag, sodass sich sehr viele Fans auf den Weg zu diesem Saisonhöhepunkt machen konnten. Von Seiten des Heimvereins, der nie zuvor so viele Gästefans im Stadion hatte, wurde uns allerdings, zusätzlich zum Gästebereich, der Familienblock ohne weitere Absicherungen und geeignete Vorkontrollen angeboten. Mit der Gefahr von Einlasstürmen und Pyrotechnik hatten wir gerechnet und entsprechende Vorkehrungen, etwa wirksame Vereinzelung vor den Vorkontrollen durch „Hamburger Gitter“ angemahnt, leider vergebens.

Der FDGB-Pokal wird ausschließlich in Dresden ausgetragen. Die erste Runde ging mit 0:1 gegen die Hull City Tigers verloren. Wie haben Sie den den nächsten Gegner und Bundesligisten Borussia Mönchengladbach von der Teilnahme überzeugen können?
Ein Anknüpfungspunkt war das überraschende Ausscheiden Gladbachs in der ersten Runde des DFB-Pokals und natürlich die Attraktivität dieses Gegners. Wir versuchen, unseren Wettbewerb zu den parallel stattfindenden Pokalrunden auszuspielen. In diesem Fall passte der Termin dank der Länderspielpause beiden Mannschaften sehr gut ins sportliche Konzept.

Was halten eigentlich Ihre Spieler von dieser unnötigen Belastung? Immerhin steht die Mannschaft gegenwärtig auf dem letzten Tabellenplatz und dürfte jede Pause gut gebrauchen können.
Jeder Spieler weiß, welche enorme Enttäuschung die vergangenen Spiele auf den Rängen hervorgerufen haben. Ich will nicht behaupten, dass jeder grenzenlos motiviert ist. Aber wir können diese Spiele nutzen, um aus eigener Kraft die Kurve zu bekommen.

In den sozialen Netzwerken wird niemand geringeres als Real Madrid für das »Finale« gefordert. Ist die Anfrage schon eingetütet?
(lacht) Nicht dass ich wüßte. Ein Endspiel gegen einen Ostklub oder einen Verein, zu dem wir eine gute Fanfreundschaft pflegen, halte ich aber für wahrscheinlicher.

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