11.06.2009

Kalle Riedle über seinen Sohn Alessandro

»Er ist ein Diamant«

Eine Generation von Vorstoppern verzweifelte an Kalle Riedles Kopfballstärke. Der Schrecken geht weiter: Sein Sohn Alessandro hat beim VfB Stuttgart unterschrieben. Wir sprachen mit dem Vater über das Potenzial von »Air junior«.

Interview: 11Freunde Bild: Imago
Herr Riedle, können Sie sich noch daran erinnern, an welchem Punkt Ihrer Karriere Sie mit 17 Jahren standen?

Ich glaube, ich war damals beim FC Augsburg in der Bayernliga und hatte schon die erste Doppelbelastung, weil ich für die A-Jugend und auch schon für die erste Mannschaft gespielt habe. Mein damaliger Leistungsstand ist aber schwer einzuschätzen.



Ihr Sohn Alessandro hat in der vergangenen Woche einen Zweijahresvertrag beim VfB Stuttgart unterschrieben – seine erste Bundesligastation. Ist er in seiner Entwicklung schon weiter als Sie damals in dem Alter?

In einigen Sachen ist er sicher weiter als ich, in anderen Dingen weniger – das hebt sich am Ende wahrscheinlich gegenseitig auf. Ich habe damals erst mit 19 Jahren bei einem Bundesligisten unterschrieben (Blau-Weiß 90 Berlin, Anm. d. Red.), hätte das aber auch schon früher machen können.

Inwieweit haben Sie als Vater die Wechselentscheidung von Alessandro beeinflusst?

Er hat mich natürlich nach meinem Rat gefragt, und ich habe gesagt: An Deiner Stelle würde ich Stuttgart vorziehen.

Wäre es nicht vielleicht besser gewesen, wenn er noch ein, zwei Jahre in Zürich geblieben wäre?

Er hat bei den Grashoppers in den letzten drei Jahren eine super Ausbildung genossen, die Jugendarbeit hier in der Schweiz ist wirklich gut. Er hätte hier in der ersten Schweizer Liga sehr wahrscheinlich Stammspieler werden können, das war sportlich gesehen für ihn nicht uninteressant. Zumal er hier alles kennt und sich schon einiges erarbeitet hat. Aber in seinem Alter musst du schon sehen, dass du vorankommst, und bei den Grashoppers war nicht ganz klar, wie es weitergeht. Bleibt oder geht der Trainer, wer wird sein Nachfolger, bleibt das Management und Präsidium? Es ging ein bissl drunter und drüber.

Warum Stuttgart? Waren auch andere Vereine, zum Beispiel Ihre Ex-Clubs Werder Bremen und Borussia Dortmund interessiert?

Es gab auch noch ein paar Anfragen von anderen Vereinen, ja. Den Ausschlag gab, dass der VfB sich wahnsinnig um ihn bemüht hat und man da auch weiß, dass sie eine klare Linie haben und jungen Spielern eine Chance geben, wenn sie gut genug sind. Dort muss er jetzt erst einmal hinkommen und sich die Chance verdienen, irgendwann in der ersten Mannschaft zu spielen. Ich habe mich für Stuttgart entschieden, weil das für einen jungen Spieler wie ihn im Moment die beste Lösung ist. Außerdem ist das nicht so weit weg vom Elternhaus, und man kann ihn auch mal besuchen, wenn irgendetwas ist.

Sie waren bis zum Frühjahr 2008 Sportdirektor bei Grashoppers Club Zürich. Hat das Ihrem Sohn den Weg in die erste Mannschaft erleichtert?

Überhaupt nicht. Als ich damals ein bisschen was für den Verein gemacht habe, ist Alessandro gerade erst in die U16 gekommen. Meine Tätigkeit hat ihm also weder geholfen noch geschadet. Obwohl es ganz sicher auch Leute in dem Verein gibt, die mich nicht mögen. Da musste er sich schon durchbeißen und das hat er auch gut gemacht.

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