Anschließend wurden Sie für ein halbes Jahr an den türkischen Erstligisten Genclerbirligi ausgeliehen, kehrten im Juli 2010 nach Bremen zurück und spielten fortan in Werders Regionalmannschaft.Jurica Vranjes: Das erfuhr ich von Manager Klaus Allofs am Tag des Trainingsauftaktes. Allofs antwortete auf meine Frage, warum er das mir oder zumindest meinem Berater nicht schon in der Sommerpause mitgeteilt hatte, dass bei Werder alle im Urlaub waren. Außerdem behauptete er, dass ich schlechte Stimmung in der Mannschaft verbreiten würde. Jeder weiß, dass das nicht stimmt und ich sagte ihm, dass ich alles Geld, das ich bei Werder verdient habe, sofort an den Verein zurück zahle, wenn es nur einen Spieler gibt, der das bestätigt. Allofs fand niemanden.
Aber Sie behaupten, Schaaf beeinflusste mit schlechter Laune die Leistung des Teams?Jurica Vranjes: Ja, denn wir hatten zwar in den Jahren 2005 bis 2009 ein herausragendes Niveau, aber zu wenig gute Stimmung in der Mannschaft. Und diese Stimmung gibt größtenteils der Trainer vor. Mit jedem Jahr wurde Schaaf ernster und war immer häufiger schlecht gelaunt, obwohl wir guten und erfolgreichen Fußball spielten. Wir hätten, außer dem Pokalsieg vor zwei Jahren, ein oder zwei Titel mehr in diesen Jahren holen können, wenn wir noch mehr Freude am Fußball gehabt hätten.
Eine gewagte These.Jurica Vranjes: Neulich bekam ich eine SMS von Patrick Owomoyela, der damals ja bei Werder war und jetzt mit Borussia Dortmund Meister wurde. Er schrieb, dass Trainer den größten Anteil am Erfolg hat. Es sei toll, was Klopp für eine positive Stimmung im Team verbreite, obwohl er auch hart trainieren lasse. Und Claudio Pizarro sagte mir vor kurzem, dass schade ist, dass in Werders Kabine so selten gelacht wird. Ich glaube, dass jeder Fußball-Profi ein paar Prozent mehr Leistung gibt, wenn der Trainer eine Atmosphäre aus Leistung und Freude schafft.
Sind dafür nicht auch die Spieler verantwortlich?Jurica Vranjes: Sicher, man kann nicht alles auf den Trainer schieben. Bei Werder gibt es beispielsweise einige Spieler, die regelmäßig um halb zwei Uhr mittags in einem Restaurant ein Steak essen, aber um drei Uhr trainieren. Dies sollte ein Fußball-Profi nicht tun, denn niemand trainiert optimal, wenn er eine Stunde vorher ein riesiges Stück Fleisch gegessen hat. Und wenn ein Spieler nicht richtig trainiert, kann er meistens auch im Spiel keine optimale Leistung bringen. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum Werder in dieser Saison gegen den Abstieg spielen musste.
Gibt es noch andere Beispiele?Jurica Vranjes: Zusätzlich kamen in dieser Saison einige Werder-Spieler vor dem Training oft erst kurz vor dem gemeinsamen Treffen, bei dem jeder anwesend sein muss, in die Kabine. Das ist nicht optimal. In den Jahren davor kamen viele Spieler vor dem Training eine halbe oder sogar ganze Stunde vorher in die Kabine. Das ist in meinen Augen professioneller, weil man sich besser vorbereitet.
Man könnte Ihnen nun auch vorwerfen, dass Sie verbal gegenüber einem Klub nachtreten, bei dem Sie jahrelang sehr viel Geld verdient haben.Jurica Vranjes: Ich habe Werder viel zu verdanken und gehe nicht im Zorn. Auch wünsche ich dem gesamten Verein, dass er in den nächsten Jahren erfolgreicher ist als in dieser Saison und bald wieder in der Champions League spielt. Aber ich sage meine Meinung, wenn ich mich ungerecht behandelt fühle. Ich finde, dass sollt jeder Spieler tun.