30.05.2011

Jurica Vranjes rechnet mit Thomas Schaaf ab

»Er ist gefühlskalt«

Seit 2005 steht der Kroate Jurica Vranjes bei Werder Bremen unter Vertrag, am 30. Juni 2011 endet seine Zeit bei den Grün-Weißen. Im Interview mit 11FREUNDE spricht Vranjes über schöne Jahre an der Weser – und rechnet mit Trainer Thomas Schaaf ab.

Interview: Kai Niels Bogena Bild: Imago
Jurica Vranjes, mit welchen Gefühlen verlassen Sie Werder Bremen?

Jurica Vranjes: Es war eine tolle Zeit, denn ich hatte bei Werder die besten Jahre meiner Karriere. Insgesamt kann ich mich nicht beschweren, denn ich habe in einem super Team gespielt. Aber ich bin auch etwas enttäuscht.

Weil Trainer Thomas Schaaf Sie zu Saisonbeginn zur zweiten Mannschaft abschob?

Jurica Vranjes: Ich habe nie erfahren, warum Thomas Schaaf mich Anfang 2009 fallen ließ, und er hat es mir gegenüber nie ausreichend begründet. Andererseits ist Schaaf für mich der beste Trainer der Bundesliga. Ich habe unter Felix Magath, Berti Vogts, Christoph Daum, Matthias Sammer und Klaus Topmöller trainiert, aber bei niemandem so gut wie bei Schaaf. Er war mit Abstand der beste Trainer, den ich je hatte.



Was zeichnet Schaaf aus?

Jurica Vranjes: Er besitzt einen hervorragenden Sachverstand über den modernen Fußball. Seine Philosophie über die Mittelfeld-Raute sowie das schnelle Kurzpassspiel spielt heute unter anderem der FC Barcelona, aber Schaaf hat so schon vor acht Jahren spielen lassen. Auch sein Training war immer erstklassig – die Spielformationen, die er uns bei brachte, waren taktisch top, und er war immer leidenschaftlich am Spielfeld. Leider gibt es aber auch einen anderen Schaaf.

Welchen?

Jurica Vranjes: Er kann sehr gefühlskalt gegenüber Spielern sein. Schaaf redete regelmäßig nur mit seinen drei oder vier Lieblingsspielern, zu anderen war er oft abweisend und in der Kabine schlecht gelaunt. Es gab Tage, an denen er Spieler nicht einmal gegrüßt hat. Mit mir hat Schaaf in fünf Jahren vielleicht dreimal geredet, aber ich kenne fünf oder sechs Spieler, mit denen er niemals sprach. Fußballerisch ist Schaaf für mich der beste Trainer Deutschlands, aber heutzutage muss ein Trainer auch ein wenig Psychologe sein, mit den Spielern sprechen und ihnen Dinge erklären.

Das kritisierten Sie öffentlich schon vor eineinhalb Jahren. Wie belegen Sie das?

Jurica Vranjes: Als ich 2008 meinen Vertrag verlängerte, meinten Schaaf und Manager Klaus Allofs, dass ich ein Musterprofi bin und sie weiter mit mir planen. Ein halbes Jahr später sagte mir Schaaf, dass ich schlecht trainiere, obwohl die Co-Trainer nicht seiner Meinung waren, wie sie mir bestätigten. Ich habe darauf noch mehr trainiert und mein Bestes gegeben, aber ich hatte keine Chance mehr bei Schaaf und er ließ mich ohne weitere Erklärungen abblitzen.

Waren Sie beleidigt?

Jurica Vranjes: Nein, denn natürlich ist klar, dass der Trainer entscheiden muss, wer spielt und wer nicht. Und ich wusste immer, dass beispielsweise Torsten Frings im Mittelfeld vor mir steht, weil er der Bessere ist. Aber wir alle sind Menschen und dann erst Sportler. Und mit einem Menschen muss man respektvoll umgehen, wenn man selbst Respekt möchte. Alle Trainer außer Schaaf haben offen und ehrlich mit mir gesprochen, wenn sie unzufrieden waren und mir die genauen Gründe genannt. Schaaf hat das bei mir nie getan, denn ich bin sicher, dass ich gut trainiert habe. Eine andere Begründung hatte er nicht und es ist nie etwas zwischen uns vorgefallen. Ihm fehlt einfach das Einfühlunsgvermögen.

Das ist ein harter Vorwurf.

Jurica Vranjes: Den ich belegen kann. Einen Tag bevor wir im Januar 2010 ins Trainingslager nach Dubai aufbrachen, erfuhr ich von einem Bremer Journalisten, dass mich Schaaf nicht mitnehmen will, weil mein Name nicht auf der Liste der Spieler stand, die nach Dubai sollten. Ich rief Co-Trainer Wolfgang Rolff an und fragte, warum ich das von einem Journalisten erfahre und Schaaf nicht persönlich mit mir spricht. Rolff wusste aber davon selbst nichts. Er redete mit Schaaf und der nahm mich dann doch mit nach Dubai. Ein paar Wochen später habe ich dann Schaaf in unserem letzten Gespräch, dass wir miteinander führten, vorgeworfen, dass er zwar ein toller Trainer, aber schlechter Psychologe sei. Erst danach habe ich das auch öffentlich gesagt.

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