04.01.2011

Jupp Heynckes über das »San Mamés«

»Überall ist Beton«

Bilbaos »San Mamés« ist das älteste Stadion Spaniens und war jahrelang der Arbeitsplatz von Jupp Heynckes. Für das aktuelle 11FREUNDE-Stadionposter sprachen wir mit dem Bayer-Coach über Holzbänke und die berühmte Baskenmütze.

Interview: oliver zeyen Bild: Imago
Jupp Heynckes, wann waren Sie das erste Mal im San Mamés?

Der damalige Manager, Fernando Ochoa, hat mich 1992 zum Spiel gegen Real Sociedad eingeladen, weil er mich als Trainer verpflichten wollte. Die Atmosphäre bei diesem baskischen Lokalderby war beeindruckend.



Als Sie 1992 das erste Mal bei Athletic Bilbao unterschrieben, gab es in Deutschland noch viele Stadien mit Laufbahn. Im San Mamés gibt es nicht mal Ballfangnetze. War die Nähe zu den Fans gewöhnungsbedürftig?

San Mamés ist eben wie ein altes englisches Stadion. Es hat etwas Einzigartiges, wie sonst in Spanien nur das Bernabeu in Madrid und das Camp Nou in Barcelona. Die Atmosphäre kocht von Minute zu Minute höher. Wir haben viele Spiele erst in der Nachspielzeit entschieden. Deswegen wird San Mamés gefürchtet.

Das Stadion befindet sich im Stadtzentrum. Wie verändert sich die Gegend, wenn Athletic spielt?


Die Stadt verwandelt sich in ein pulsierendes Gemenge, und alles ist sehr lebendig. Die Tapas Bars sind brechend voll, und in den Straßen tummeln sich Menschen in Athletic-Trikots. Es wird gegessen, getrunken und überall über Fußball diskutiert.

Gibt es besondere Rituale bei Fans und Mannschaft?

Viele Leute im Stadion tragen die berühmte Baskenmütze. Es sind stolze, selbstbewusste Menschen und so treten sie auch auf. Außerdem sind sie sehr religiös, auch die Spieler. Vor dem Spiel wird in der Kabine immer gebetet.

Wie ist es im Stadion, wenn der sportliche und politische Erzfeind von Real Madrid zu Gast ist?


Die werden mit Pfiffen empfangen. Die Konkurrenz und auch die politische Dimension des Spiels sind spürbar. Spieler und Fans wachsen über sich hinaus. Ich kann mich nicht erinnern, dass wir im San Mamés jemals gegen Real verloren haben.

Wie wurden Sie als Nicht-Baske von den Fans begrüßt?

Sehr positiv. Die Menschen haben gemerkt, dass ich mich bei ihnen wohl fühle. Überhaupt sind die Basken sehr objektiv und fair. Wenn schöner Fußball gespielt wird, applaudieren sie auch dem Gegner. Andererseits ist das Publikum wahnsinnig enthusiastisch, wenn es ums eigene Team geht. Sogar auf der Haupttribüne tragen die Leute Trikots.
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