Julian Draxler über sein erstes Profi-Halbjahr

»Wo bin ich hier eigentlich?«

Im Januar 2011 machte Julian Draxler mit 17 Jaren und 117 Tagen sein erstes Bundesligaspiel. Ein halbes Jahr und einige DFB-Pokal-Heldentaten später spricht er im Interview über Raúl, seinen Schulabschluss und 20 Tore. Julian Draxler über sein erstes Profi-HalbjahrImago

Julian Draxler, wie bewerten Sie die jetzige Vorbereitung mit Blick auf den Januar dieses Jahres, als Sie gerade zu den Profis gestoßen waren?

Julian Draxler: Die Vorbereitung ist zwar auch anstrengend, aber es wird nun mehr Wert auf spielerische Dinge gelegt. Die Stimmung im Team ist insgesamt gelöster, es macht einfach Spaß mit der Truppe zu trainieren. Außerdem soll die Wintervorbereitung, bei der ich ja in Belek dabei war, im Vergleich zum Sommer davor harmlos gewesen sein.

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Sie sind ein Leichtgewicht. Müssen Sie noch abseits des normalen Programms an sich arbeiten, um körperlich besser in der Bundesliga mithalten zu können?

Julian Draxler: Ich befinde mich noch in der Wachstumsphase und muss sicher noch etwas zulegen. Aber ich werde nie ein Kraftprotz werden, sondern komme eher vom technischen Fußball.

Viel deutet darauf hin, dass Sie nach dem ersten halben Lehrjahr in der vergangenen Serie nun gute Chancen auf einen Stammplatz haben. Sehen Sie sich in der ersten Elf?

Julian Draxler: Darauf bin ich selbst gespannt, aber ich habe das Selbstbewusstsein zu sagen, dass ich auf so viele Spiele wie möglich kommen will. Auf welcher Position das im Mittelfeld sein wird, ob rechts, in der Mitte oder links, ist mir egal.

Auf dem Platz spielen Sie wie selbstverständlich mit einem Superstar wie Raúl, doch nach dem Abpfiff kann er sich vor Autogrammwünschen nicht retten. Kommen Sie sich mit Ihren noch nicht einmal 18 Jahren da nicht manchmal wie im falschen Film vor?

Julian Draxler: Doch, ich frage mich öfter noch: Wo bin ich hier eigentlich? Man sieht ihm jeden Tag staunend zu und kann von solchen Spielern wie Raúl natürlich noch unheimlich viel lernen. Das bringt mich in meiner Entwicklung nur weiter, und ich habe gar nichts dagegen, dass er im Mittelpunkt steht und nicht ich.

Das könnte aber noch kommen, falls Ihre Karriere weiter so rasant verläuft wie bisher. Wie schaffen Sie es da, nicht abzuheben?

Julian Draxler: Da ist zuallererst meine Familie, die mich auf dem Boden hält. Ich bin einfach gerne zu Hause und dort immer noch der kleine Junge wie früher. Dann habe ich einen sehr guten Freundeskreis, an dem sich auch nichts geändert hat, seit ich in der Bundesliga spiele. Dadurch lasse ich den Rummel nicht an mich heran und kann mich weiter auf meine Arbeit bei Schalke konzentrieren.

Nicht ganz, schließlich gehen Sie noch zur Schule! Normalerweise müssten Sie in Ihrem Klassenraum in der Gesamtschule Berger Feld sitzen und nicht in Stegersbach trainieren. Wie klappt der Spagat zwischen Unterricht und Profifußball?

Julian Draxler: Das hat sich eingespielt. In diesem Jahr habe ich alle Klausuren hinter mir und nun habe ich noch ein Jahr bis zum Fachabi vor mir. Danach werde ich entscheiden, ob ich noch weiter bis zum Vollabitur mache. Den Wechsel zum Berger Feld bereue ich jedenfalls nicht, dort erhalte ich jegliche Unterstützung. Und wenn ich, wie jetzt oder im ersten Trainingslager auf Rügen, jeweils eine Woche im Unterricht fehle, bin ich schlau genug, um den Stoff nachzuholen.

Als Felix Magath Ende letzten Jahres Sie und Ihre Eltern drängte, die Schule für eine Karriere im Profifußball zu beenden, war der Aufschrei in ganz Deutschland groß...

Julian Draxler: So war es nicht ganz. Wir haben in der Familie beschlossen, dass ich auf jeden Fall weiter zur Schule gehen werde. Herr Magath hat uns dann verschiedene Wege aufgezeigt, wie ich zum Beispiel über die Abendschule oder ein Fernstudium mich weiter bilden könne. Meine Eltern waren nicht begeistert, aber Herr Magath hat betont, dass er in mir ein Riesenpotenzial sehen würde. Dann bin ich vom Heisenberg-Gymnasium in Gladbeck zur Gesamtschule Berger Feld gewechselt, wo alles wunderbar läuft.

Falls Sie auf Schalke weiterhin so aufspielen wie zuletzt, dürfte der Weg in die deutsche Nationalmannschaft nicht weit sein. Dortmunds Mario Götze ist nur ein Beispiel, wie schnell es gehen kann, mit schon 18 Jahren im DFB-Team zu spielen. Rechnen Sie bald mit einem Anruf von Bundestrainer Joachim Löw?

Julian Draxler: Das ist ein Thema, mit dem ich mich noch überhaupt nicht befasse! Für mich geht es zunächst darum, mit Schalke erfolgreich zu spielen, dann sehen wir weiter. Falls ich aber bis zur Winterpause 20 Tore schießen sollte, kann ich ja noch einmal darüber nachdenken. (lacht)

Das Interview stammt aus:

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