Juist-Trainer Langenberg über das Inselderby

»Wir wollen Rache«

Erstmals in seiner Geschichte traf der TSV Juist auf den Inselnachbarn TUS Norderney. Wir sprachen mit dem Juister Trainer Andreas Langenberg über die Rivalität zum großen Bruder und die Vorbereitungen auf das Rückspiel. Juist-Trainer Langenberg über das InselderbyBenni Kuhlhoff

Herr Langenberg, Sie sind Spielertrainer der Inselfußballer des TSV Juist. Sie spielen mit ihrer Mannschaft in der 1. Kreisklasse und trafen zuletzt auf ihren Inselnachbarn TUS Norderney. Ist so ein Derby etwas Besonderes für Ihre Spieler?

Wir haben das erste Mal überhaupt ein Pflichtspiel gegen Norderney bestritten. Das war natürlich etwas Besonderes. Wir kannten uns vorher nur von Hallenturnieren. Dadurch, dass wir aufgestiegen sind und die Norderneyer ab, konnten wir uns endlich auch einmal auf dem grünen Rasen messen.

Trotz der räumlichen Nähe gilt das Verhältnis beider Inseln nicht gerade als freundschaftlich. Haben Sie Ihre Mannschaft vor dem Spiel mit etwas Nachhilfeunterricht zum Thema Rivalität heiß gemacht?

Ich komme selbst aus Osnabrück und bin vor Jahren berufsbedingt auf die Insel gezogen. Da musste ich mir eher von den Insulanern etwas helfen lassen, um zu verstehen, warum sich beide Inseln nicht sonderlich leiden können. Vier meiner Startelf-Spieler sind auf der Insel geboren. Die Jungs haben schon in der Spielvorbereitung mit ihrer Agressivität gezeigt, worauf es am Wochenende ankommt.

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Worin besteht die Rivalität zwischen Juist und Norderney?

Juist und Norderney sind Nachbarinseln, bei gutem Wetter kann man sogar rüber sehen. Da kommt es automatisch immer wieder zu Streitereien. Die Grundlagen liegen wohl im Fischfang, ein Konflikt der jahrzehntelang schwelte. Heute ist eher der Tourismus ein Thema: Norderney ist der Meinung, sie hätten die größere und schönere Insel und deswegen mehr Gäste. Juist hingegen hat dafür die finanzstärkere Kundschaft. Da kommt Neid auf. Man kann sagen, dass kein Juister mit einem Norderneyer in Verbindung gebracht werden möchte und das ist mit Sicherheit umgekehrt genauso.

Wie war denn die Stimmung am Platz? Vergleichbar mit den großen Derbys aus der Bundesliga?

Bei dem Spiel auf Norderney waren über 500 Zuschauer. Das ist sonst unvorstellbar in der Kreisklasse. Zudem waren auch auffällig viele ältere Menschen am Platz, die sonst eher nicht zu den Spielen erscheinen. Einer schrie lauthals: »Verlierst Du gegen Juist, dann verlierst Du gegen jeden!« Wenn Juist und Norderney irgendwie gegeneinander anstinken können, sind immer alle ganz vorne mit dabei.

Kommt es da nicht auch zu dem ein oder anderen internen Konflikt? Was ist, wenn einer Ihrer Spieler eine Freundin auf Norderney hätte?

Mir wäre das egal, aber ich weiß nicht was die Mannschaftskollegen dazu sagen würden (lacht). Ich spiele zum Beispiel mit einigen Spielern von Norderney in einer Betriebsportmannschaft. Da pflegen wir einen ganz normalen, netten Umgang. Beim Spiel rutscht einem dann aber schon Mal die ein oder andere, dumme Grätsche raus. Dann tut es einem auch nicht Leid, wenn es dem Gegenüber weh tut. Doch bei aller Konkurrenz muss man eben auch sagen, dass beide Inseln fest zusammenhalten, wenn es um die Vertretung ihrer Interessen auf dem Festland geht.

Das erste Derby gegen den »großen Bruder« von nebenan. Haben Sie die Mannschaft speziell auf dieses Spiel vorbereitet?

An der Vorbereitung kann es nicht gelegen haben. Wir haben extra den Co-Trainer des VfL Osnabrück, Rolf Meyer, eingeladen, der mit uns eine Sondereinheit gemacht hat. Er hat uns auch schon bei der Sommervorbereitung geholfen. Außerdem haben wir unter der Woche mit der ganzen Mannschaft noch einmal eine Besprechung gemacht. Das machen wir sonst nicht.

Vielleicht sollten Sie vor dem nächsten Derby mal nach einem Praktikum beim VfL Osnabrück fragen. Die kegelten als Drittligist mit dem Hamburger SV und Borussia Dortmund gleich zwei, scheinbar übermächtige Gegner aus dem Pokal. Da könnten Sie noch einige Tricks lernen.

Im September 2009 hatte ich schon das große Glück dieses Erlebnis mitmachen zu dürfen. Während meines Aufenthaltes in Osnabrück konnte ich viel von Karsten Baumann und Rolf Meyer lernen. Beide hatten immer ein offenes Ohr für meine Fragen und dazu dieses tolle Team, alle waren vom ersten Moment freundlich und hilfsbereit.

Das erste Aufeinandertreffen mit Norderney endete aus ihrer Sicht mit 1:3. Kein besonders guter Start in eine Derbygeschichte.

Das lässt zumindest noch Luft nach oben. Wir haben uns alle gegenseitig versprochen, dass wir mehr an unserer Fitness arbeiten werden. Denn im Spiel waren die Norderneyer schon wesentlich agiler. Dass wir aber nicht die Schlechtesten in der Liga sind, haben wir zumindest mittlerweile bewiesen. Wir sind uns sicher, dass wir das Rückspiel gewinnen werden. Dann steht es bis zum nächsten Jahr zumindest Unentschieden in der Bilanz. Es ist ein Heimspiel am ersten Maiwochenende, vermutlich ebenfalls vor über 500 Zuschauern. Da muss ich schon ein bisschen auf die Euphoriebremse treten, denn vorher erwarten uns noch andere Aufgaben in der Liga. Und ein einstelliger Tabellenplatz am Saisonende ist für mich sehr wichtig. 

Wie ist die Mannschaft denn nach Norderney angereist?

Wir hatten Glück, dass wir direkt mit einer Fähre übersetzen konnten. An schlechten Tagen hätten wir übers Festland kommen müssen. Aber so konnten wir das Ausflugsschiff »Wappen von Juist« mieten und sind mit ungefähr 80 Zuschauern im Gepäck angereist. Wir waren drei Stunden vor Anpfiff da und haben noch ein paar Nudeln gegessen. Dann ging es auf den Platz.

TUS Norderney hat extra für das Derby ein paar ältere Spieler vom Festland anreisen lassen, die früher einmal im Verein aktiv waren. Wäre das nicht auch eine Möglichkeit für Ihren TSV Juist?

Die Möglichkeiten haben wir hier einfach nicht. Unsere Mannschaft besteht aus Insulanern und Menschen, die hier arbeiten. Da ist vom Koch über den Maurer bis zum Anwalt alles dabei. Außerdem haben wir meist eine geringe Trainingsbeteiligung, weil die meisten Spieler in den Abendstunden arbeiten müssen. Nicht die besten Voraussetzungen. Aber wir nehmen die Herausforderung an.

Konnten Sie denn wenigstens zum Abschied noch auf ein Bier mit den Norderneyern anstoßen?

Nein, mit denen haben wir gar nichts gemacht. Wir haben uns noch schnell bei unseren Zuschauern bedankt und mussten uns dann richtig beeilen. Schließlich legte unser Schiff bereits kurz nach dem Abpfiff ab. Und auf Norderney bleiben wollten wir dann auch nicht. Zum Glück war auf dem Schiff für Getränke gesorgt, so dass wir uns schon auf der Rückfahrt Rache schwören konnten. (lacht)

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