17.03.2012

Jürgen Röber über Rehhagel, Heynckes, Schaaf und Klopp

»Jupp bleibt Bayern-Trainer«

Jürgen Röber hat als Trainer und Spieler so einige Bundesligavereine kennengelernt. An diesem Wochenende spielen mit Hertha, Bayern, Bremen und Dortmund vier seiner Ex-Klubs direkt gegeneinander. Wir sprachen mit ihm über seine Kollegen.

Interview: Christoph Drescher Bild: Imago

Jürgen Röber, dieser Bundesligaspieltag ist ein großes Wiedersehen Ihrer ehemaligen Vereine. Hertha BSC trifft auf Bayern München, Borussia Dortmund spielt gegen Werder Bremen. Wird das ein sentimentales Wochenende für Sie?
Jürgen Röber: (lacht) Nein, nach so vielen Jahren bin ich nicht mehr so sentimental. Allerdings habe ich zu den Bayern noch eine gute Beziehung, weil ich da mal gespielt habe. Und als Trainer bin ich häufig auf die Bayern getroffen. Wenn mich der Franz Beckenbauer dann sah, hat er mich immer angesprochen. Nach dem Motto: »Ach, der schon wieder«.



Sie wohnen in Berlin. Gehen Sie am Samstag auch ins Olympiastadion
Jürgen Röber: Na klar.



Für wen werden dann die Daumen gedrückt?
Jürgen Röber: Schwierig. Hertha braucht die Punkte dringend, aber wie es schon Mario Gomez gesagt hat, für die Bayern gibt es nur noch Endspiele. Die dürfen sich keine Niederlage mehr erlauben.

Hertha verpflichtete vor kurzem Otto Rehhagel. Waren Sie überrascht? 
Jürgen Röber: Es hat mich überrascht, aber ich denke, dass es die richtige Entscheidung war. Wen hätte man sonst holen sollen? Otto bringt vielleicht alleine mit seiner Person noch einen letzten Schliff hinein. Es war sicher keine einfache Entscheidung für den Verein, aber ich hoffe, es war die richtige.





Die Bedenken, er sei zu alt und seine zum Amtsantritt formulierten Fußballfloskeln seien nicht mehr zeitgemäß, können Sie nicht teilen?
Jürgen Röber: Ach, das ist doch immer wieder dasselbe. Spricht man von den jungen Trainern, den Konzepttrainern, bedeutet das, dass ältere Trainer wie beispielsweise Jupp Heynckes kein Konzept hätten. Otto ist fußballverrückt, er war regelmäßig in den Stadien und kennt sich aus.



Nach seinem Motto: »Modern ist, was gewinnt«?
Jürgen Röber: Genau. Augsburg wurde für sein Unentschieden gegen Dortmund gelobt, was vor allem gelang, weil Kagawa in Manndeckung genommen wurde. Und warum hat das Jos Luhukay gemacht? Weil es am erfolgversprechendsten war und sie die Punkte brauchten. Und das zählt nun mal auch für die Hertha.



Beim FC Bayern steht mit Jupp Heynckes ebenfalls ein älterer Trainer an der Seitenlinie. Vor zwei Wochen im Prinzip entlassen, werden sie ihm nach den Siegen gegen Hoffenheim und Basel wohl ein Denkmal bauen. Warum gibt es in München immer nur diese Extreme? 
Jürgen Röber: Bayern ist der Verein in Deutschland, ein großer Name in Europa. Das hat man sich über die Jahre selbst aufgebaut, dadurch ist man aber natürlich unter Dauerdruck geraten. Du musst immer Meister werden, Hinzu kommt die bayerische Medienlandschaft. Ich kenne das ja, ich bin damals als Spieler von Bremen nach München gewechselt. Zwei völlig verschiedene Welten. Von Himmelhochjauchzend zu Tode betrübt, damit muss sich jeder Bayern-Trainer abfinden.

Mit Jürgen Klinsmann und Louis van Gaal war ursprünglich mal Kontinuität auf der Trainerbank geplant. Heynckes ist allerdings nicht mehr der Jüngste.
Jürgen Röber: Zwischen Uli Hoeneß und Jupp Heynckes wird es sicher eine Absprache geben in Bezug auf die gemeinsame Zukunft. Ich bin mir auch sicher, dass Jupp Heynckes nächste Saison die Bayern trainieren wird. Mit Heynckes haben sie einen guten Trainer, der vor allem mit den Stars gut umgehen kann. Das musst du können, in München hast du schließlich 25 davon.

Was auch nicht immer so war. Heynckes hat sich im Laufe der Jahre verändert, auch noch im reiferen Alter. Ein Schlüssel für seine erfolgreiche Arbeit in den letzten Jahren?
Jürgen Röber: Es gibt Trainer, die können das nicht. Die werden auch im Alter nicht ruhiger, lassen alles so wie es ist. Jupp ist der Wandel gelungen. Aber letztlich kann ich erzählen was ich will, die brauchen Erfolg. In der Bundesliga ist das nicht mehr so einfach, da mit Borussia Dortmund ein sehr guter Konkurrent herangewachsen ist.



Der mit Jürgen Klopp einen jungen und den zur Zeit wohl besten Trainer hat. Wie bewerten Sie seine Arbeit? 
Jürgen Röber: Jürgen kann Leute begeistern und bringt Energie in den Verein. Mit seinem Team leistet er einfach überragende Arbeit.



Vor allem seine Motivationsfähigkeit wird gepriesen. Motivatoren laufen allerdings schnell in Gefahr, sich abzunutzen. Bei Klopp scheint dies nicht der Fall zu sein. Warum?
Jürgen Röber: Einerseits durch den Erfolg, andererseits verstellt er sich schlichtweg nicht. Er kommt gut rüber. Klopp ist so wie er ist, voller Energie, impulsiv, manchmal explosiv. Das Wichtigste ist aber sein unglaublich gutes Verhältnis zu seinen Spielern. Wir Trainer sind ja auch Pädagogen und Psychologen. Die jungen Leute haben in ihrem Alter so ihre Problemchen. Klopp kann damit sehr gut umgehen.



Kommunikation und Einfühlungsvermögen. Ist das wichtiger als die fachliche Kompetenz? 
Jürgen Röber: Nein. Jürgen Klopp hat auch ein immenses Fachwissen. Ein Trainer braucht die perfekte Kombination aus allen Komponenten.

Werder Bremen macht es den Dortmundern nach und verjüngt seinen Kader. Der richtige Weg?
Jürgen Röber: Der Verein muss auch aus finanziellen Gründen auf die Jugend setzen. Aber nun haben sie vielleicht wie Dortmund eine Phase mit einer guten Generation. Hartherz, Trybull, und die anderen, das sind gute Jungs. Aber die Mischung muss stimmen. Nur auf die Jugend setzen geht auch nicht. So sind Vereine schon abgestiegen.




Trainer Thomas Schaaf ist seit 13 Jahren im Amt, zuvor war Otto Rehhagel ebenfalls sehr lange Trainer bei Werder. Bremen als Hort der Kontinuität, warum funktioniert das dort besser als anderswo? 
Jürgen Röber: (lacht) Wegen der Medienlandschaft.


So einfach ist das
Jürgen Röber: Ich habe in Bremen gespielt und mein bester Freund Hans Schulz sitzt dort im Aufsichtsrat. Die Medien sind in Bremen einfach anders als in Köln, Berlin, München oder Hamburg. Dort ist einfach Ruhe.




Lange bei einem Verein bleiben. Können das theoretisch alle Trainer oder muss man schon spezielle Charakterzüge mitbringen? 
Jürgen Röber: Schlussendlich musst du Erfolg haben. Ich sage immer: Als Trainer musst du zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Eigentlich kannst du als heutiger Bundesligatrainer gar nicht mehr so viel verkehrt machen. Man weiß genau wie das Trainingspensum ist, wie man arbeiten muss, wie die Systeme sind. Die Trainer wissen worum es geht.

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