20.04.2012

Jürgen Rische über Kaiserslautern und Hertha BSC

»Da war richtig Bambule«

Am Samstag treffen Hertha BSC und der 1. FC Kaiserslautern im Abstiegsduell aufeinander. Vor 15 jahren spielten die beiden Teams vor einer Rekordkulisse in Liga zwei. Jürgen Rische war mittendrin. Wir sprachen mit ihm über das Spiel, den FCK und die Hertha.

Interview: Christoph Drescher Bild: Imago

Jürgen Rische, am Samstag trifft ihr Ex-Klub Kaiserslautern im Berliner Olympiastadion auf Hertha BSC. 1997 Jahren waren sie selbst noch bei dieser Paarung am gleichen Ort dabei. Können Sie sich an das Spiel erinnern?
Jürgen Rische: Natürlich, das war noch in der zweiten Liga. Beide Mannschaften spielten eine tolle Saison und waren mitten im Aufstiegsrennen.

75.000 Zuschauer strömten ins Stadion...
Jürgen Rische: ...und das bedeutete damals einen neuen Zuschauerrekord für die zweite Bundesliga! Die Stimmung war sensationell. Ein Feeling wie beim DFB-Pokalfinale, wirklich imposant.

Ahnten Sie schon vor dem Spiel, dass es ein ganz besonderer Abend werden könnte?
Jürgen Rische: Auf jeden Fall, Hertha und wir hatten zuvor hervorragende Leistungen gezeigt. Dazu die Tabellenkonstellation Erster gegen Zweiter. Und die Medien trugen natürlich auch ihren Teil bei, indem sie die Begegnung im Vorfeld hochpushten. Da war die Woche vor dem Spiel schon richtig Bambule in Kaiserslautern und Berlin.

Otto Rehhagel trainierte damals den FCK. Hat er bei der Spielvorbereitung auf Grund der Brisanz irgendetwas anders gemacht als sonst?
Jürgen Rische: Otto hatte seine festen Abläufe und hat die nicht für dieses eine Spiel geändert.

Das Spiel verlor der FCK. Hat Sie die Atmosphäre doch eingeschüchtert?
Jürgen Rische: Nein, wir hatten damals viele erfahrene Spieler wie Andreas Brehme, Wynton Rufer, Pavel Kuka und Miroslav Kadlec. Das waren alles aktuelle und ehemalige Nationalspieler, die schon ganz andere Sachen erlebt hatten. Die Atmosphäre war nicht das Problem.

Sondern?
Jürgen Rische: (lacht) Da muss ich aufpassen, was ich sage. Ich bin heute bei Eintracht Braunschweig Reha- und Athletiktrainer und unser sportlicher Leiter ist Marc Arnold, der spielte damals bei der Hertha. Um es kurz zu machen: Berlin war an dem Tag einfach zu gut und hat das Spiel 90 Minuten diktiert und verdient gewonnen.

Nächste Saison spielen Sie aller Voraussicht nach mit Eintracht Braunschweig gegen Kaiserslautern in Liga zwei. Freuen sie sich schon auf dieses Duell?
Jürgen Rische: Na sicher, da sehe ich ein paar bekannte Gesichter endlich mal wieder, auch wenn mir ein Abstieg von Kaiserslautern sehr leid tut.

Worin sehen sie die Ursachen für die aktuelle Situation bei den Roten Teufeln?
Jürgen Rische: Der FCK verfügt einfach nicht über die großen finanziellen Mittel. Ohne die kannst du keine Spieler kaufen, die die Qualität haben, die Klasse zu halten. Dann steigst du halt ab.

Wird Kaiserslautern den sofortigen Wiederaufstieg schaffen?
Jürgen Rische: Ich hoffe es. Allerdings sind schon ganz andere Vereine mit dem Ziel »direkter Wiederaufstieg« in eine Saison gegangen und gescheitert. Aufzusteigen wird immer schwieriger, weil die Leistungsdichte in der zweiten Liga von Jahr zu Jahr größer wird.

Schafft Ihr ehemaliger Trainer Otto Rehhagel mit der Hertha noch den Klassenerhalt?
Jürgen Rische: Ich denke Hertha kommt in die Relegation und gewinnt dort. Es wäre einfach schade, wenn nach Kaiserslautern noch ein großer Name aus der Bundesliga verschwinden würde. Die Hauptstadt braucht Bundesligafußball.

Es gab viel Kritik wegen Rehhagels Verpflichtung.
Jürgen Rische: Die konnte ich nicht nachvollziehen. Man brauchte einen erfahrenen Trainer, der Ruhe in die Mannschaft bringt. Dafür war Otto der richtige Mann. Vielleicht wendet sich ja letztlich alles zum Guten.

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