14.09.2011

Jürgen Klinsmann über die USA, Bayern und Lahm

»Ich verstehe, wie Philipp zu seinen Gedanken kommt«

Jürgen Klinsmann ist wieder da! Als Trainer der US-Fußballer, Gast der Bundesliga und in Talkshows. Im Interview spricht der Ex-Nationaltrainer, Ex-Bayerntrainer, Ex-Sommermärchenschreiber über Philipp Lahm und seinen neuen Job.

Interview: Sven Goldmann Bild: Imago
Jürgen Klinsmann, Philipp Lahm ist sicher im Besitz Ihrer Telefonnummer. Hat er sich in den letzten Tagen bei Ihnen gemeldet?

Jürgen Klinsmann: Nein.



Keine Entschuldigung, kein Wort zu Passagen seines Buches, die Sie betreffen?

Jürgen Klinsmann: Nein.

Wollen Sie ihn mal anrufen?

Jürgen Klinsmann: Warum sollte ich? Ich habe ja nichts über ihn gesagt oder geschrieben.

Lahm hat Ihnen öffentlich die Eignung abgesprochen, einen Spitzenklub wie den FC Bayern zu trainieren.

Jürgen Klinsmann: Philipp Lahms Sichtweise ist die eines Spielers. In dieser Rolle kann er das Gesamtbild überhaupt nicht überblicken. Es ging mir als Spieler nicht anders. Ich war eben Stürmer, hätte am liebsten den ganzen Tag Torschusstraining gemacht. Als Trainer trägst du eine viel größere Verantwortung. Du musst ein Puzzle zusammensetzen aus 25 Spielern, die 25 verschiedene Meinungen haben über Training, Taktik und vieles mehr. Ich kann durchaus verstehen, wie Philipp zu seinen Gedanken kommt. Dass er meint, das der Öffentlichkeit zuzutragen – das ist halt sein Charakter. Aber dafür hat er ja entsprechende Kommentare bekommen. Ich will mich nicht länger einlassen auf Dinge, die nur dazu dienen, dass wir ein Thema für die nächsten Monate haben.

Hätten Sie rückblickend einiges anders machen sollen, als Sie im Sommer 2008 den Job in München antraten?

Jürgen Klinsmann: Natürlich würde man im Nachhinein immer Dinge anders machen. Aber es war eine großartige Lebenserfahrung. Wir hatten viel Spaß beim FC Bayern, auch wenn das im Nachhinein anders dargestellt wird. In meiner Zeit haben junge Leute wie Badstuber, Müller und Ekici erstmals oben mittrainiert; es war klasse zu sehen, wie die im nächsten Jahr abgegangen sind.

Aber…

Jürgen Klinsmann: ...rückblickend muss man sagen, dass in München zwei verschiedene Welten aufeinandertrafen, der FC Bayern und ich. Diese beiden Welten waren nicht kompatibel. Deswegen war es richtig, diese Sache zu Ende zu bringen. Wenn man erkennt, dass beide Seiten anders denken, hat es einfach keinen Sinn. Die Bayern wussten, sie gehen mit mir in eine Richtung, die komplett anders ist als die, in der sie 30 Jahre lang unterwegs waren und die sie jetzt wieder gehen. Sie haben es versucht, aber sie wollten den Weg nicht weiter mit mir gehen. Das musste ich akzeptieren.

Kannten Sie und Ihr Stab die Bundesliga nicht gut genug?

Jürgen Klinsmann: Ach, das sind so Spielchen, die nachher gespielt wurden. Mein Kotrainer Martin Vasquez hat sich damals innerhalb weniger Monate ein sehr gutes Bild von der Bundesliga verschafft und sehr gute Trainingsarbeit gemacht. Für die Gesamtstruktur war das unerheblich. Wir haben einfach nicht in dieselbe Richtung gedacht.

Haben Sie noch Verbindung zur Münchner Klubführung um Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß?

Jürgen Klinsmann: Nein. aber zur Stadt, unserem damaligen Umfeld. Auf privater Ebene war es toll. Die Kinder wollen heute noch im Urlaub zurück, sie haben Münchner Freunde, mit denen sie skypen. Und dann verfolge ich mit großem Interesse die Nationalmannschaft. Mit Joachim Löw bin ich in ständigem Austausch, wir telefonieren und wünschen uns vor Spielen per SMS alles Gute.

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