Jürgen Grabowski über den Höhenflug der Eintracht

»Warum sollte ich die Euphoriebremse treten?«

Drei Spiele, neun Punkte, Platz zwei hinter dem FC Bayern – Eintracht Frankfurt ist das Überraschungsteam der Stunde. Vor dem 4. Spieltag sprachen wir mit Eintracht-Legende Jürgen Grabowski über Takshi Inui, Europapokalträume und Jay Jay Okocha.

Jürgen Grabowski, eine kleine Quizfrage zu Beginn. Wann...
...hat die Eintracht das letzte Mal die ersten drei Saisonspiele in der Bundesliga gewonnen? 1966, gegen die Bayern, Köln und Düsseldorf! Habe ich allerdings erst vorhin durch Zufall in der Zeitung gelesen, muss ich zugeben.

Sehr beeindruckend, aber das wäre gar nicht die Frage gewesen.
Sondern?

Wann die Eintracht das letzte Mal nach drei Spieltagen auf Platz zwei in der Bundesliga stand.
Das stand leider nicht in der Zeitung.

In der Saison 1993/94. Der Trainer hieß damals Klaus Toppmöller, die Spieler Uli Stein, Manni Binz, Uwe Bein, Jay Jay Okocha und Tony Yeboah. Frankfurt wurde damals Herbstmeister.
Schöne Zeiten waren das.

Und jetzt dürfen Sie gerne auf die Euphoriebremse treten.
Warum sollte ich? Ich glaube, kein Frankfurter wird den aktuellen Kader mit dem von 1993 vergleichen wollen. Aber der Fußball, denn die Eintracht in den ersten drei Saisonspielen gezeigt hat, hat mich begeistert. Offensiv, attraktiv und erfolgreich. Das ist doch großartig.

Haben Sie keine Angst, dass man in Frankfurt jetzt die Bodenhaftung verliert? Die Fans haben beim 3:2-Erfolg gegen den HSV vorsorglich schon mal den »Europapokal«-Klassiker angestimmt.
Nein, das macht mir keine Angst. Diese neun Punkte sind einfach eine gute Grundlage für eine hoffentlich erfolgreiche Saison. Mit neun Punkten dürfte man sich zum Beispiel auch mal eine Auswärtsniederlage gegen den 1. FC Nürnberg leisten, ohne, dass gleich die Angst vor dem Abstieg umgeht.

Hätten Sie der aktuellen Mannschaft den derzeitigen Höhenflug vor Saisonbeginn zugetraut?
Ehrlich gesagt: nein. In der vergangenen Zweitliga-Saison war die Mannschaft zwar erfolgreich, aber so schönen Fußball wie jetzt hat sie da nicht gespielt. Der 2:1-Sieg am ersten Spieltag gegen Bayer Leverkusen hat mich und alle anderen Zweifler aber darin bestärkt, dass diese Mannschaft keine Angst vor der 1. Bundesliga hat und haben muss.



Können Sie sich den aktuellen Höhenflug denn erklären?
Das ist nicht schwer. Schauen Sie sich die Aufstellung vom vergangenen Sonntag an: Von den elf Neuzugängen standen sechs Spieler in der Startelf, zwei weitere wurden später eingewechselt. Alle drei Treffer wurden von Neuzugängen erzielt! (Takashi Inui, OLivier Occean und Stefan Aigner, d. Red.) Wer seine Neulinge so gut integriert wie es die Eintracht momentan schafft, der hat eben auch Erfolg.

Wenn Sie schon nicht die Bremse treten wollen, machen wir das mal: Hinten steht die Eintracht aber noch sehr wackelig.
Das ist doch kein Wunder, wenn man so offensiv agiert. Gegen den HSV, aber auch schon gegen Leverkusen, gab es sehr häufig brenzlige Situationen, weil mehr Spieler vor dem Ball, statt hinter dem Ball standen. Das finde ich allerdings nicht so schlimm, schließlich ist das der Preis für so erfrischenden und attraktiven Fußball. So eine attraktive Spielweise haben wir hier in Frankfurt doch schon seit Jahren nicht mehr gewesen.

Wer ist für diesen Erfolg verantwortlich?
Natürlich der Trainer Armin Veh, Sportdirektor Bruno Hübner und die Eintracht-Scouts, die offenbar die richtigen Spieler für die Bundesliga ausgeguckt haben.

Welche Spieler begeistern Sie momentan besonders?
Generell tue ich mich schwer, einzelne Spieler herauszupicken, aber wenn Sie schon fragen: Torwart Kevin Trapp und Takashi Inui gefallen mir bislang außerordentlich gut. Trapp hat gegen den HSV überragend gehalten und beim Tor von Inui zum 1:0 ist mir das Herz aufgegangen. Wann passiert das denn schon mal in der Bundesliga, dass ein Spieler einen Gegenspieler ausspielt und den Ball danach so herrlich in die Ecke schlenzt? Meistens ist es doch so: Irgendwie vorbei am Mann und voll draufhalten. Inuis Tor hatte echte Klasse und hat mich an die guten alten Zeiten erinnert...

Zum Beispiel Ihr legendäres Tor gegen Bayern München 1975?
Naja, das war ja noch mal ein anderes Kaliber. Per Außenrist und das quasi von der Eckfahne! Die beiden Tore kann man, meine ich, nicht miteinander vergleichen.

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