17.06.2009

Jürgen Croy über die Spiele seines Lebens

»Wir waren Außenseiter«

Jürgen Croy stand 86 Mal im Tor der DDR-Nationalelf. In den 70er Jahren wurde er in einem Atemzug mit Dino Zoff und Sepp Meier genannt. Wir sprachen mit ihm über Prestige, 5000 Mark und Torhüter, die Elfmeter schießen.

Interview: 11Freunde Bild: Imago
Jürgen Croy, Sie haben als Torwart der BSG Sachsenring Zwickau und Nationalkeeper der DDR viele große Spiele erlebt. Können Sie sagen, welche die drei Spiele Ihres Lebens waren?

Das Olympiafinale 1976, das Pokalendspiel mit meiner Klubmannschaft 1975 und natürlich auch das deutsch-deutsche WM-Spiel 1974.



1975 standen Sie sehr überraschend im Pokalfinale.

Wir sind, soweit ich mich erinnern kann, ziemlich souverän ins Endspiel marschiert. (überlegt) Was heißt souverän?! Nun, es waren schon schwere Begegnungen dabei, aber ich denke, dass wir nicht unverdient im Finale standen.

Dennoch war Dynamo Dresden der haushohe Favorit?

Für die Öffentlichkeit waren wir ein größerer Außenseiter als für uns selbst. Denn wir haben, was der Spielverlauf auch gezeigt hat, an unsere Chance geglaubt. Und je weiter die Partie dem Ende zuging, desto größer wurden unsere Chancen. Ein bisschen haben wir mit dem Elfmeterschießen geliebäugelt.

Dresden ging zweimal in Führung. War die Sensation nach dem 2:1 in der 99. Spielminute immer noch in Reichweite?

Wir hatten noch mehr als 20 Minuten um auszugleichen. In der 118. Minute machten wir dann das 2:2. Obwohl das Tor sehr spät gefallen ist, kam es für die Besucher im Stadion gar nicht mal so überraschend. Wir hatten uns zuvor einige gute Möglichkeiten herausgespielt und man hatte gespürt, dass wir noch in der Lage sind, den Ausgleich zu schaffen.

Was empfanden Sie, als so kurz vor Schluss noch der Ausgleich gelang?

Da fällt einem erstmal ein großer Stein vom Herzen. Dann hatten wir das psychologische Plus durch das späte Tor auf unserer Seite. Als Nationaltorhüter habe ich mir auch, ohne den Dresdner Kollegen unterschätzen zu wollen, größere Chancen ausgerechnet, im Elfmeterschießen etwas bewegen zu können.

Wie lief die Begegnung für Sie als Torhüter?

Für mich als Torwart war es ein durchschnittliches Spiel, aber dann kam dieser Kulminationspunkt Elfmeterschießen, der für uns Torhüter immer eine besondere Herausforderung darstellt. Zumal ich ja nicht nur als Keeper, sondern auch als Schütze aktiv war, was es zu diesem Zeitpunkt auf höherklassiger Ebene noch nicht gegeben hat.

Wurden Sie vom Trainer bestimmt, den letzten Elfer zu schießen?

Beim Elfmeterschießen ist ja nicht nur eine solide Technik, sonder vor allem ein starkes Nervenkostüm gefragt. Ich war auch ein guter Feldspieler und da hat sich schon die Woche vor dem Spiel herauskristallisiert, dass ich antrete. Das es nun ausgerechnet der letzte Elfmeter war, das war mein Wunsch. Sonst hätte ich meine Torwarthandlungen unterbrechen müssen und das wäre nicht gut für mich gewesen. Als letzter Schütze hatte ich mehr Verantwortung, aber das war in Ordnung, gerade weil ich vorher zwei Elfmeter der Dresdner parieren konnte.

Haben Sie im Training Elfmeterschießen trainiert?

Da ich ohnehin im Training ganz gerne »draußen« gespielt habe, hat sich gelegentlich die Situation ergeben, so etwas zu trainieren. Aber man kann Elfmeter nicht spieleffektiv trainieren, da im Training die nervliche Belastung fehlt.

War es der einzige Elfmeter, den Sie in Ihrer Karriere geschossen haben?

Nein, ich habe zwei Elfmeter in offiziellen Spielen geschossen. Zum zweiten Mal bin ich im Europapokal der Pokalsieger gegen den AC Florenz angetreten. Dort haben wir im Hinspiel 1:0 verloren, das Rückspiel 1:0 gewonnen und dann habe ich, vor 40.000 Zuschauern im Westsachsenstadion, wieder den letzten Elfmeter verwandelt. Ein sehr schönes Gefühl. Wir haben damals neben Florenz noch Panathinaikos Athen und Celtic Glasgow rausgeworfen und sind erst im Halbfinale gegen den späteren Sieger Anderlecht gescheitert.

>> »Es war für beide Seiten ein Prestigespiel« – Jürgen Croy über das Olympia-Finale von 1976 und das deutsch-deutsche WM-Spiel 1974
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