06.06.2008

Josef Hader im Interview

»Verdammt zu verlieren«

Der österreichische Kabarettist Josef Hader erzählt von seinem schweren Los als Sportler, warum er Hickersberger und Österreichs EM-Team mag – und (erstaunlich!) warum er seit der WM die Deutschen gern siegen sieht.

Interview: Josef Kelnberger und Christian Zaschke Bild: Imago
Wie haben Sie vor 30 Jahren Cordoba erlebt, das 3:2 gegen Deutschland?

Wahrscheinlich im Internat im Fernsehraum. Aber es kann, ehrlich gesagt, sein, dass ich es gar nicht gesehen habe. An andere Matches habe ich eine bessere Erinnerung.

Das Verhältnis zu Deutschland sehen Sie offenbar eher entspannt. Ist es für einen Österreicher nicht so, dass er sich erst durchgesetzt hat, wenn er es in Deutschland geschafft hat.

Es gibt diese Standardfloskel. Ich glaube nicht daran. Grundsätzlich ist es so: Wenn man in Österreich Erfolg hat, wird man zunächst kleingemacht, bis dass man gestorben ist. Egal, ob man zu Hause Erfolg hat, in Deutschland oder in der Welt. Der Österreicher neigt zu der Haltung: So lange man diese Menschen kennt, die angeblich so großartig sind, so lange man weiß, dass diese Menschen eh nicht toll sind, so lange kann man deren Erfolge nicht richtig schätzen. Wir haben ja kürzlich einen Auslands-Oscar bekommen (Stefan Ruzowitzky, »Der Fälscher«/die Red.), und alle haben gejubelt, alle Politiker haben sich mit den Leuten abbilden lassen und große Änderungen in der Filmförderung versprochen. Und passiert ist nichts.

Man verbeißt sich lieber in die Berühmtheiten?


Stimmt, obwohl Fußballer schon eine große Ehrerbietung genießen. Mir hat ein Fußballer beim Vergleich zwischen Österreich und Deutschland erzählt: In Deutschland darfst du dir nichts erlauben als prominenter Sportler, da wirst du besonders bestraft, in Österreich ist es leichter. Er hat erzählt, er ist einmal betrunken Auto gefahren, wurde aufgehalten - und die Polizei hat ihn freudestrahlend begrüßt und gefragt: Wo wollen Sie denn hin? Ins Wirtshaus, hat der Sportler gesagt, und die Polizei hat gefragt: Dürfen wir mitfahren?

Ihnen ist das noch nicht passiert in Österreich?


Ich bin grundsätzlich freundlich zu Polizisten. In jedem Land wird das sehr belohnt, denn Polizisten geht es doch so: Von zehn Leuten, die sie aufhalten, sind acht schlecht gelaunt. Alle sagen, sie haben nichts verbrochen und sind gleich einmal grantig. Ich spring immer gleich auf, gebe alles zu, sag irgendeinen Grund, warum das so ist. Man glaubt gar nicht, was das bewirkt. Da muss man gar nicht prominent sein.

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