Jonathan Schmid über Christian Streich und Straßburger Ruhe

»Ich brauche manchmal einen Tritt in den Hintern«

Von der Europa League zurück in den Abstiegskampf: Warum Jonathan Schmid seinen Vertrag beim SC Freiburg trotzdem verlängerte und Straßburg Madrid vorzieht.

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Jonathan Schmid, Sie spielen seit 2008 für den Sportclub. Wohnen Sie mittlerweile in Freiburg?
Nein, ich lebe noch in meiner Heimatstadt Straßburg und fahre immer mit dem Auto zum Training.

Das sind pro Tour über 80 Kilometer. Nervt Sie das Pendeln nicht?
Ich kenne es schon gar nicht mehr anders.

Straßburg ist ohne Frage eine schöne Stadt. Zieht es Sie nicht in eine europäische Metropole der Kategorie München, Mailand oder Madrid?
Nein, ich habe ein Kind, meine Freundin, meine Familie und Freunde in Straßburg. Wieso sollte ich weggehen?

Auf dem Spielfeld fallen Sie mit Tattoos und einem Irokesen-Haarschnitt auf. Wie passt das mit dem Familienleben in Straßburg zusammen?
Ich sehe einfach so aus, weil es mir gefällt. Und Tattoo-Künstler gibt es auch in Straßburg.

Andere Spieler in Ihrem Alter inszenieren sich vor allem neben dem Platz. Sie haben nicht mal Twitter-Account. Warum geben Sie so wenig preis?
Facebook und Twitter – das ist doch alles nur Gelaber. Ich möchte mich auf den Sport und meine Familie konzentrieren. Außerdem brauche ich meine Ruhe.

Das klingt sehr bodenständig. Da passt es gut ins Bild, dass Sie im Dezember Ihren Vertrag beim SC Freiburg verlängert haben. Ehemalige Mitspieler wie Max Kruse sind gewechselt und spielen nächstes Jahr vielleicht wieder international. Bereuen Sie Ihre Entscheidung aus sportlicher Sicht?
Nein, ich fühle mich hier sehr wohl und der Verein hat mir unglaublich viel gegeben. Davon möchte ich so viel wie möglich zurückzahlen. Außerdem glaube ich, dass ich mich hier noch entwickeln kann.



Ihr Trainer Christian Streich hat Ihnen nach der Vertragsverlängerung eine »außergewöhnliche Haltung« attestiert. Lässt er Sie diese Anerkennung auch persönlich spüren?
Wir haben ein sehr gutes Verhältnis. Ich kenne ihn ja schon aus der A-Jugend. Er weiß, wie ich bin, und ich weiß, wie er ist.

In der Öffentlichkeit präsentiert er sich zuweilen sehr emotional und aufbrausend. Ist das im Training anders?
Nein, Christian Streich ist ein sehr leidenschaftlicher Mensch. Ich brauche diese Reaktionen auch manchmal.

Inwiefern?
Ich brauche manchmal einen Tritt in den Hintern. Sonst schlafe ich auf dem Feld ein. (lacht)

Die Hinserie lief für den Sportclub alles andere als optimal. Haben Sie die Dreifachbelastung aus Pokal, Europa League und Bundesliga unterschätzt?
Wir wussten, dass es schwer werden würde. Aber wenn man tatsächlich alle drei Tage spielt, ist das noch mal etwas anderes.

In der Rückrunde kam Ihre Mannschaft dafür immer besser in Schwung. Es fehlt nur noch ein Sieg für den sicheren Klassenerhalt. Kann überhaupt noch etwas schief gehen?
Das kann es immer. Wir spielen noch gegen Schalke und Wolfsburg, zwei absolute Spitzenmannschaften. So lange wir nicht die nötigen Punkte geholt haben, darf sich keiner sicher sein.

Besonders gut lief es gegen Mannschaften aus dem Tabellenkeller. Was macht Sie gegen direkte Konkurrenten so stark?
Ich glaube, dass uns viele schon abgeschrieben und damit als sicheren Punkte-Lieferanten gesehen hatten. Wir haben aber immer an die Chance geglaubt. Das könnte unsere Stärke sein.

Für den Fall, dass Sie sich am Samstag gegen Wolfsburg den Klassenerhalt sichern. Wie wird gefeiert?
Wenn wir uns darüber vor dem Spiel zu viele Gedanken machen, brauchen wir nach dem Spiel garantiert nicht ans Feiern gehen.

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