Nach den Vorwürfen von UNICEF hat Sie Ihr damaliger Arbeitgeber, der VfL Wolfsburg, entlassen. Stimmt es, dass Ihnen am Telefon gekündigt wurde?
Nein. Das haben natürlich meine Anwälte geregelt, nachdem der Verein und ich lange über das Thema geredet hatten. Ich wollte nicht weg. Wolfsburg hat mir und meiner Familie gut gefallen. Aber die sportliche Leitung und Volkswagen haben sich um meine Person gestritten. Volkswagen hatte Angst vor der schlechten PR.
Sie denken, dass Volkswagen die treibende Kraft hinter der Auflösung ihres Vertrags war?
Sicherlich. Daran besteht für mich überhaupt kein Zweifel. Wenn Volkswagen nicht gewesen wäre, hätte der Klub sicherlich eine andere Lösung gefunden. Die Verantwortlichen hätten mir mehr Zeit gegeben zu recherchieren, um meine Seite der Geschichte darzustellen.
Was haben sie Ihren Mannschaftskameraden Ihnen zum Abschied gesagt?
Das ist der Teil, der bis heute weh tut. Am Ende ging alles so schnell, dass ich nicht mehr die Möglichkeit hatte mich zu verabschieden. Ich habe Wolfsburg quasi über Nacht verlassen.
Warum?
Mir lag ein Angebot aus Saarbrücken vor und die Saison war kurz vor dem Start. Die Mannschaft von Wolfsburg war gerade unterwegs und noch bevor sie wieder in der Stadt waren, war ich weg.
War es schwierig einen neuen Klub zu finden?
Es war nicht einfach. Um meinen Hals hing damals ein großes Schild mit der Aufschrift »Sklavenhändler«. Selbst wenn ich zehn Tore in einem Spiel geschossen hätte, wäre es für mich schwierig gewesen einen neuen Klub zu finden.
Wie haben Sie dann Ihren Vertrag in Saarbrücken bekommen?
Das habe ich meiner damaligen Agentur zu verdanken. Die haben Tag und Nacht für mich gearbeitet, haben alle Presseanfragen bearbeitet, die Sache mit Wolfsburg geregelt und mir einen neuen Klub gesucht. All die Dinge also, für die ich damals keine Zeit hatte, weil ich in Afrika war, um mir selbst ein Bild von der Lage zu machen.
Im Film werden zwei Kinder vorgestellt, die damals an Bord Ihres Schiffs waren. Deren Eltern haben diese Kinder alleine ins Ausland geschickt, damit sie Geld für die Familie verdienen konnten. Sie haben deren ungewisse Zukunft mit der Situation junger Fußballer verglichen. Wo sind die Parallelen?
Es ist natürlich nicht dasselbe, denn der Fußball ist ein Riesengeschäft und die Kinder waren viel jünger, als ich es damals war (Akpoborie war 18, als er in die USA ging, d. Red.). Aber in Afrika gibt es heutzutage so viele reiche Menschen, die denselben schwierigen Weg wie diese Kinder gegangen sind. Daher denke ich: Man hätte ihnen eine Chance geben sollen.
Hatten diese Kinder wirklich die Chance auf ein besseres Leben, wie Sie damals als Fußballer?
Die Chancen stehen 50:50. Man kann immer an die falschen Leute geraten. Als ich damals zum Fußball spielen nach Europa gegangen bin, war das ähnlich. Du kannst viel gewinnen oder alles verlieren. Wenn man sieht, wie die Kinder leben, welches Leben ihnen bevor steht, dann ist es das Risiko manchmal einfach wert. Für mich war es das.