Ali Karimi hat den Sprung zurück gewagt. Aber so richtig wohl scheint er sich in der alten Heimat nicht zu fühlen.
Er hat ein schwieriges Jahr hinter sich. Der Druck, der auf ihm lastet, ist riesengroß. Ali Karimi hat kein Privatleben mehr. Er wird auf Schritt und Tritt von den Journalisten verfolgt. Die Sportseiten müssen ja gefüllt werden Man muss sich das mal vorstellen. Im Iran erscheinen jeden Tag 16 Sportzeitungen. Die Iraner sind fußballverrückt.
Umso härter trifft wohl die Leute in diesen schwierigen Zeiten das WM-Aus.
Die Menschen im Iran sind sehr leidenschaftlich und waren nach dem Ausscheiden genauso wie die Spieler sehr, sehr enttäuscht. Aber eine Woche später hat sich das schon wieder gelegt. Es fällt auf, dass die Fans zu Hause dem Trainerstab und den Spielern keine Vorwürfe machen. Die Politik und der Verband werden angegriffen. Der Verbandspräsident ist immer noch eine Marionette und abhängig vom Ministerium, daran hat auch die zwischenzeitliche Fifa-Suspendierung nichts geändert. In den letzten Wochen gab es immer wieder Probleme. Die Spieler haben teilweise ihr Geld nicht bekommen. Das hat zusätzlich für Unruhe gesorgt. Der Vizepräsident wollte mit seinem Privatvermögen einspringen. Es herrscht ganz einfach die komplette Desorganisation.
Verwunderlich war, dass die beiden letzten Begegnungen in der asiatischen WM-Qualifikationsgruppe B nicht zeitgleich ausgetragen wurden. Die Nordkoreaner wussten, dass Ihnen ein Unentschieden gegen die Saudis zur direkten Qualifikation reichen würde.
Das ist in meinen Augen auch absolut unverständlich. Aber der iranische Verband hat im Vorfeld nicht einmal protestiert. Durch den Spielplan waren die Iraner auch sonst benachteiligt. Wir haben zwischen dem 28. Mai und dem 19. Juni vier Nächte im Flugzeug verbracht. Die Spieler mussten in der Zeit viermal mit viereinhalb Stunden Zeitverschiebung zurechtkommen. Nach der Auswärtspartie in Pjöngjang sind wir um 4.30 Uhr in Teheran angekommen, zweieinhalb Stunden später wurde bereits wieder trainiert.
Welche Eindrücke haben Sie von der iranischen Gesellschaft mit nach Hause gebracht?
Das Leben dort hat zwei Seiten: die öffentliche und die private. Der Kontrast ist extrem. In der Öffentlichkeit ist Alkohol strikt verboten, daheim gibt es alles zu trinken, wenn man das nötige Geld dafür hat. Die Frauen gehen mit Kopftuch und Schleier auf die Straße und besorgen sich bizarre Reizwäsche. Man mag es nicht glauben, aber Teheran hat auch ein echtes Drogenproblem, da das meiste Afghanische Opium über Iran zum Golf gelangt und in Iran einiges zurückbleibt.
Wie lautet das Fazit Ihres Iran-Engagements?
Es war eine sehr lehr- und ereignisreiche Zeit. Die Iraner sind überaus liebenswürdige Menschen. Aber leider sind sie oftmals nicht zuverlässig. Man kann ihnen keine böse Absicht unterstellen, wenn sie zuvor versprochene Dinge nicht einhalten. Sie können einfach nicht gut organisieren.
Werden Sie weiterhin für den iranischen Fußballverband arbeiten?
Es gab Gespräche mit dem Cheftrainer Afshin Ghotbi, aber entschieden ist noch nichts. Es besteht unter anderem Interesse daran, dass ich den Vereinsmannschaften dabei helfe, eine funktionierende medizinische Betreuung aufzubauen. Da liegt in den Klubs noch vieles im Argen. Die geben lieber viel Geld für neue Spieler aus, als dass sie in die Infrastruktur und eine adäquate medizinische Betreuung der Spieler investieren. Wir hatten einen Nationalspieler der seit fast einem Jahr mit einem gebrochenen Finger herum lief, ohne dass das jemals richtig untersucht worden ist.