27.01.2009

Johannes Liebnau im Interview

»Wo bin ich denn gelandet?«

Seit Monaten sorgte die Aufsichtsratswahl beim HSV für Schlagzeilen. Wir sprachen mit Johannes Liebnau, einem der Kandidaten der »Supporters« über die enttäuschende Niederlage, deren Ursachen und die »Bild«-Zeitung.

Interview: Milan Jaeger Bild: Imago
Die Berichterstattung im Vorfeld – so polemisch sie war – hätte doch eigentlich die beste Wahlkampfwerbung sein müssen. Eine derart große Aufmerksamkeit hättet ihr ohne die Presse nicht erzielt.

Sie hätte eine Chance sein können. Wir haben alles versucht uns zu unseren Themen zu äußern, es dominierte aber eine negative Darstellung, die uns geschadet hat und der die Leute geglaubt haben. Ich habe das aber auch selbst noch gar nicht verarbeitet. Das ist total paradox was da passiert ist. Man muss sich Folgendes vorstellen: Es gibt einen »inner circle«, das ist der Verein. Jetzt kommen Leute aus diesem Verein, also aus diesem »inner circle« und sagen wir wollen was für den Verein tun. Die eigenen Leute aus dem Verein sagen dann aber »nee, nee, ihr wollt ja nur euren eigenen Willen durchsetzen« und wählen lieber Leute, die bisher gar nichts mit dem Verein zu tun hatten und deren Kandidatur für den HSV x-beliebig ist. Je länger ich darüber nachdenke, desto krasser ist das.

Hättet ihr eure Themen besser präsentieren können?

Im Endeffekt haben wir sicher viele Fehler gemacht, klar. Wir haben sehr viele direkte Gespräche geführt, das war immer sehr gut, da haben die Leute gemerkt, was wir machen wollen, dass wir nicht der Untergang des Vereins sind und es auch eine andere Sichtweisen jenseits der „Bild“ Zeitung gibt. Andererseits ist die Wahl total hochstilisiert worden. Das war ja teilweise wie »Deutschland sucht den Superstar«. Mit mehr als 4.000 Leuten sind so viele gekommen wie noch nie, daran ist generell nichts Negatives zu finden. Negativ ist aber, dass das weitestgehend Leute waren, die zum ersten Mal auf so einer Wahl waren und nur hingegangen sind um zu sagen »Wir wollen euch nicht«. Das wäre so nicht passiert, wenn die mediale Aufmerksamkeit geringer ausgefallen wäre. Sie war somit für uns von Nachteil. Und vor allem hat sie verhindert, dass wir unsere Themen besser präsentieren.

Was wären deine konkreten Anliegen für den Fall deiner Wahl gewesen?

Eigentlich ganz banale Dinge. Zum Beispiel hätte ich das Verständnis davon fördern wollen, dass der Verein seinen Fans und Mitgliedern gehört. Dass die Fans diejenigen sind, die, die ganze Sache am Leben halten und nicht irgendwelche Sponsoren und Investoren, die abspringen wenn man nur den 14. Tabellenplatz belegt. Außerdem, dass die Fans nicht nur das Recht haben sich einzubringen, sondern auch die Pflicht und sich dieser Verantwortung auch bewusst sein müssen. Das wären meine Kernanliegen gewesen.

Wie hätte deine Zusammenarbeit mit Bernd Hoffmann ausgesehen?

Es wäre das Ziel gewesen, ihn respektive den gesamten Vorstand zu kontrollieren und eigene Themen zu platzieren. Die Zusammenarbeit hätte vernünftig ausgesehen, wir haben ja früher auch schon zusammen gearbeitet ohne uns die Augen auszukratzen. Wir hätten bestimmt Themen kontrovers diskutiert, aber das ist ja kein Problem, solange es im Sinne der Sache, zielgerichtet und fair ist.

Wird sich nun an der Arbeit des Aufsichtsrates irgendetwas ändern?

Das kann ich nicht beurteilen. Ich hab natürlich nach der Wahl allen Gewählten gratuliert und da haben ausnahmslos alle gesagt, dass man weiter zusammen arbeiten müsse, den Dialog weiterführen solle und dass man die »Supporters« einbinden müsse. Es wurden sehr viele versprechungen und Bekenntnisse abgegeben. Daran müssen sie sich jetzt messen lassen.

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